


Überblick
Extrakte aus Weidenrinde wurden schon im Altertum gegen Fieber und Schmerzen
eingesetzt. Der eigentliche Wirkstoff, die Salicylsäure,
wurde erst im 19. Jahrhundert entdeckt und industriell gewonnen. Sie zeigte
jedoch unerwünschte Nebenwirkungen, sodass mehrere Chemiker der Firma
Bayer an der Verbesserung der Substanz arbeiteten. Sie fanden 1897 mit der
Acetylsalicylsäure
ein nahezu nebenwirkungsfreies fiebersenkendes, entzündungshemmendes
und schmerzstillendes Mittel, dem sie den Warennamen Aspirin® gaben. Aspirin®
entwickelte sich schnell zum meist verkauften Medikament überhaupt.
HIPPOKRATES VON KOS (460-377 v. Chr.), der berühmte griechische
Arzt, der dem hippokratischen Eid seinen Namen gegeben hat, wusste bereits
von der schmerzstillenden (analgetischen) und fiebersenkenden (antipyretischen)
Wirkung der Weidenrinde (salix
mit über 300 Arten).
1763 führte EDWARD STONE die Salicylate,
die Salze der Salicylsäure, in die moderne Medizin ein.
Die Struktur des Hauptwirkstoffes wurde von HERMANN KOLBE 1859 ermittelt:
Die Salicylsäure ist die 2-Hydroxybenzoesäure. Im Jahre 1874
erfand KOLBE auch eine relativ billige Methode zur Synthese der Salicylsäure,
die bisher aus dem Öl des amerikanischen Wintergrüns (Gaultheria
procumbens) industriell hergestellt worden war.
Von der Salicylsäure zum Aspirin®
Das Natriumsalz der Salicylsäure
(Natriumsalicylat), das gegen Ende des 19. Jahrhunderts hauptsächlich
verwendet wurde, wirkte zwar schmerzstillend und fiebersenkend, schmeckte
aber äußerst unangenehm, reizte den Magen und führte bei
vielen Patienten zum Erbrechen.
Zwei Chemiker der Firma Bayer behaupten, der Erfinder der Acetylsalicylsäure
(ASS) gewesen zu sein: der Laborleiter ARTHUR EICHENGRÜN und dessen
Mitarbeiter FELIX HOFFMANN.
Felix HOFFMANN suchte nach einem
Antirheumamittel für seinen Vater und stieß in der Literatur
auf die beschriebene Salicylsäure. Doch um seinem Vater das Einnehmen
ohne die beschriebenen Nebenwirkungen zu erleichtern, gelang ihm am 10.
Oktober 1897 der Durchbruch. Er fand einen Weg, die "gereinigte"
Acetylsalicylsäure zu synthetisieren und erhielt die Substanz in
Form eines weißen Pulvers. Dieser Vorgang wird Acetylisierung
genannt und wurde 1899 von der Fa. Bayer patentiert.

Nach weiteren intensiven klinischen Studien stand fest, dass die Acetylsalicylsäure dem Salicylat in ihrer Wirkung mindestens gleichwertig war, ohne dessen unerwünschte Nebenwirkungen zu zeigen. Der Warenname, den EICHENGRÜN erfunden hatte, setzt sich zusammen aus A für Acetyl und spirin für Spiraea ulmaria, dem Mädesüßkraut - eine der Pflanzen, die Salicylate enthält. Aspirin wurde zu einem der erfolgreichsten Medikamente in der Geschichte der Pharmazie.
Bayer versandte Werbebroschüren an über 30 000 Ärzte,
um auf das neue Medikament aufmerksam zu machen, und startete damit eine
der ersten Werbekampagnen für ein Arzneimittel. Aspirin® wurde auch
als erstes Arzneimittel in Tablettenform auf den Markt gebracht. Im Jahre
1941 wurde das Aspirin® im Ehrensaal der chemischen Abteilung des Deutschen
Museums in München ausgestellt. Als Erfinder wurden DRESER und HOFFMANN
genannt. DRESER hatte mit der Erfindung überhaupt nichts zu tun,
und EICHENGRÜNS Name fehlte. Eine Tafel am Museum mit der Aufschrift
"Betreten für Nichtarier verboten" erklärt das Fehlen
des Namens des wahren Entdeckers des Aspirins®: EICHENGRÜN
war Jude.
Inzwischen ist Aspirin® von Bayer in über 70 Ländern der Erde
erhältlich und gehört zu den meistverkauften Medikamenten der
Welt (ca. 11 Milliarden Stück pro Jahr).
Die Synthese
Es gibt zwei Synthesemechanismen
zur Herstellung der Acetylsalicylsäure:
1. Reakionsmechanismus:
Das
vom Katalysator greift am Sauerstoff des Essigsäureanhydrids an.
Dadurch entsteht ein elektrophiles Teilchen.

Durch Acylierung von Salicylsäure mit dem eletrophilen Teilchen entstehen
Acetylsalicylsäure und ein
.
Dabei handelt es sich um eine elektrophile Substitution.
Mit dem
wird der Katalysator zurückgebildet.

2. Reaktionsmechanismus:
Im ersten Schritt greift das
des Katalysators an der
der Salicylsäure an. Im zweiten Schritt bindet das nukleophile Teilchen
an die positivierte Stelle des Benzolrings: auch hier eine nukleophile
Substitution.
Abschließend reagiert das Carbenium-Ion mit Wasser. Der Katalysator
wird zurückgebildet und es entsteht die Essigsäure.
Der Wirkmechanismus von Aspirin®
Der Wirkmechanismus von Aspirin® wurde erst in den 70er Jahren des 20.
Jahrhunderts von dem britischen Pharmakologen SIR JOHN R.VANE entschlüsselt,
der für diese Entdeckung 1982 mit dem Nobelpreis geehrt wurde. Das
Aspirin® hemmt die Cyclooxygenase, ein membrangebundenes Enzym, das überall
im Körper vorkommt. Die Cyclooxygenase
steht ganz am Anfang eines weitverzweigten Biosyntheseweges und wandelt
Arachidonsäure (aus der Nahrung) in ein Molekül um. Aus diesem
Molekül entstehen in weiteren Biosyntheseschritten die Prostaglandine,
die Thromboxane und Prostacyclin.
Prostaglandine sind Hormone,
die Entzündungsreaktionen stimulieren, deshalb spüren wir Entzündungen,
Schmerz und Fieber. Sie regulieren den Blutfluss zu bestimmten Organsystemen
wie Verdauungssystem und Nieren und kontrollieren den Ionenfluss im Blutkreislauf.
Zur Heilung eingesetzt, wirkt Aspirin® also auch entzündungshemmend,
da Aspirin® die Synthese von Prostaglandinen in geschädigtem Gewebe
verhindert.
Aspirin® wird seit Jahrzehnten in Tablettenform eingesetzt, um Fieber und Schmerzen zu bekämpfen. Außerdem weiß man schon lange, dass es auch gegen die Bildung von Blutgerinnseln wirkt, die zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen können. Die Thromboxane leiten die Blutgerinnung durch Verklumpen der Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) ein, und Prostacyclin ist für den Schutz der Magenschleimhaut verantwortlich.
Mit diesem Mechanismus lassen sich viele Wirkungen des Aspirins® erklären:
Es ist schmerzstillend und fiebersenkend, weil die Prostaglandine fehlen,
es verhindert die Blutgerinnung,
weil die Thromboxane fehlen, und es schädigt in hoher Dosierung die
Magenwände, weil das Prostacyclin fehlt.