
Benzaldehyd - das einfachste aromatische Aldehyd
Benzaldehyd
(Formylbenzen) mit der Summenformel
ist
der einfachste Vertreter der aromatische Aldehyde. Den Grundkörper
bildet der Benzenring mit dem aromatischen Elektronensextett. Im Benzaldehyd
ist ein Wasserstoffatom des Benzen durch eine Formylgruppe (Aldehydgruppe)
substuituiert. Die Aldehyd-Gruppe bestimmt als fuktionelle Gruppe wesentlich
die Eigenschaften des Stoffes, wie z. B. die geringe Stabilität (leicht
oxidierbar), Flüchtigkeit, Schmelz- und Siedepunkt oder Geruch. Einfluss
auf die Eigenschaften der aromatische Aldehyde hat aber auch das zum Carbonyl-Kohlenstoff
der Aldehydgruppe benachbarte konjugierte Pi-System der Aromaten, so das
sich aromatische Aldehyde von ihren aliphatischen "Verwandten"
unterscheiden.
Benzaldehyd ist eine farblose, ölige Flüssigkeit, welche stark
Licht brechend ist. Der Geruch ist sehr charakteristisch und erinnert
an bittere Mandeln. Es bildet die überwiegende Komponente des Bittermandelöls. Die molare Masse von Benzaldehyd beträgt 106,1
und seine Dichte 1,042
(bei 15°C). Der Schmelzpunkt liegt bei -56 °C, der Siedepunkt bei
178,1 °C. In kleinen Mengen ist Benzaldehyd nicht giftig, da es im
Organismus zu Benzoesäure
(
) oxidiert,
und als Hippursäure (
)
ausgeschieden wird. Benzaldehyd ist nur wenig in Wasser löslich,
mit Ether und Ethanol hingegen ist es beliebig mischbar. Wie alle anderen
Aldehyde ist es sehr reaktionsfreudig. In Gegenwart von Schwermetall-Ionen
oder Licht oxidiert es an der Luft durch Autoxidation langsam zu Benzoesäure.Bei
der Reduktion von Benzaldehyd entsteht Benzylalkohol (
).
Vorkommen
Benzaldehyd entsteht bei der Zersetzung des Stoffs
Amygdalin, der in bitteren Mandeln enthalten ist. Bei dieser Reaktion
bildet sich außerdem Blausäure. Da diese Reaktion auch im Magen
stattfindet, ist der Genuss von rohen bitteren Mandeln besonders für
Kinder gefährlich. Für Pfirsiche scheint Benzaldehyd ein wachstumshemmender
Stoff zu sein. Die sogenannte Pfirsich-Bodenmüdigkeit in Pfirsichplantagen
wird auf die Bildung dieses Stoffs zurückgeführt. Außerdem
kommt Benzaldehyd, zum größten Teil gebunden, in den Kernen
vieler anderer Früchte vor.
Herstellung
Als Edukt für die Synthese von Benzylchlorid
im Labor dient Toluen (
),
welches durch Fotochlorierung zu Benzylidendichlorid (1-(Dichlormethyl)-Benzen,
) auch Benzalchlorid
genannt, umgesetzt wird. Mit konzentrierter Schwefelsäure hydrolisiert
dieses Dichlorid zu Benzaldehyd. Technisch wird Benzaldehyd durch direkte Oxidation von gasförmigem Toluen, in Gegenwart
von Vanadiumpentoxid (
),
mit Luft bei 300 °C bis 500 °C hergestellt.
Verwendung
Benzaldehyd findet Anwendung bei der Herstellung von
Pharmazeutika, Parfümen,
Aromastoffen, Triphenylmethan-,
und Akridin-Farbstoffen.
Benzaldehyd wird in der Lebensmittelindustrie als Geschmacks- und Geruchsstoff
(Aromastoff) eingesetzt. Für Lebensmittelzusätze (Aroma) darf
nur chlorfrei synthetisierter Benzaldehyd verwendet werden. Man unterscheidet
natürliche (aus entsprechenden pflanzlichen oder tierischen Materialien
gewonnene Stoffe), naturidentische (zwar künstlich hergestellte,
den natürlichen Vorbildern aber chemisch identische Stoffe) und künstliche
(ohne "Vorbilder" in der Natur) Aromastoffe. Aromastoffe
erhalten keine E-Nummern und es besteht keine extra Kennzeichnungspflicht.
Als Duftstoff spielt Benzaldehyd besonders in Parfümen mit blumigen
Noten (Flieder, Maiglöckchen, Veilchen) eine Rolle.