



An einer elektrochemischen Doppelschicht einer Elektrode oder zwischen zwei Elektrolytlösungen eines Redoxpaars bildet sich eine Potenzialdifferenz E heraus. Diese kann man zwar nicht direkt messen, da nur ein Pol vorhanden ist, aber nach WALTHER H. NERNST (Bild 1) theoretisch berechnen. Für ein beliebiges Redoxpaar gilt die folgende Elektrodenreaktion mit der dazugehörigen nernstschen Gleichung:

Da elektrochemische Reaktionen spezielle Redoxreaktionen sind, bezeichnet man E sowohl als Elektrodenpotenzial als auch als Redoxpotenzial. Entsprechend der obigen Gleichung hängt E von folgenden Größen ab:
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1.
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von den chemischen Eigenschaften des Redoxpaars,
d. h. vom Oxidationsvermögen des Oxidationsmittels (Standardelektrodenpotenzial
)
und von der Anzahl z der bei der Redoxreaktion ausgetauschten Elektronen
(Rechenbeispiel). |
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2.
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von der Temperatur, bei der die Reaktion stattfindet. Im konzentrationsabhängigen Teil der nernstschen Gleichung ist diese Temperaturabhängigkeit offensichtlich. Aber auch das Standardpotenzial ist temperaturabhängig und deshalb für eine Temperatur von 25 °C tabelliert. |
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3.
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von der Konzentration der an der Redoxreaktion beteiligten Komponenten. Diese Konzentration geht logarithmisch in das Elektrodenpotenzial ein (Rechenbeispiel). |
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4.
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bei Redoxreaktionen in wässriger Lösung,
an denen Gase beteiligt sind, hängt das Standardelektrodenpotenzial
außerdem noch vom Druck ab. Der Standarddruck für tabellierte
Werte von beträgt
101,325 kPa. |
Betrachten wir als einfachen Fall eine Metallelektrode
1. Art, bei der ein Metall, z. B. ein Zinkblech, in Kontakt
mit einer entsprechenden wässrigen Metallsalzlösung, z. B.
Zinksulfat, steht (Bild 2). Die Potenzialdifferenz E zwischen der
festen Phase und der Salzlösung wird hauptsächlich durch die
Art des Metalls und der Metall-Ionen bestimmt. Das Bestreben der Metallatome,
Elektronen abzugeben und in die wässrige Lösung überzugehen,
hängt in der Regel von ihrer Ioniserungsenergie im PSE und der Hydratationsenthalpie
der gebildeten Ionen ab. Zink gibt relativ leicht 2 Elektronen ab und
das
-Ion
lässt sich gut hydratisieren, sodass das Standardpotenzial relativ
niedrig ist. Das Standardelektrodenpotenzial
ist demzufolge eine stoffspezifische, thermodynamische Größe
und für jedes Redoxpaar unterschiedlich. Standardpotenziale
sind unter Standardbedingungen für
alle Redoxpaare gemessen worden und in sogenannten Spannungsreihen tabelliert.

Der zweite Summand in der nernstschen Gleichung beschreibt den Einfluss
der Konzentration der Reaktionspartner auf das Elektrodenpotenzial. Je
höher die Konzentration an
-Ionen
in wässriger Lösung ist, um so positiver wird das Elektrodenpotenzial
E. Damit steigt die Tendenz zur Abscheidung von Zink. Der Zusammenhang
zwischen Elektrodenpotenzial und Konzentration ist ebenfalls temperaturabhängig.
Die Temperatur geht direkt in den konzentrationsabhängigen Summanden
mit ein. Gleiches gilt für die Anzahl der bei der Elektrodenreaktion
ausgetauschten Elektronen.
Die Konzentrationen c(i) in der nernstschen Gleichung müssen immer
auf die Standardkonzentrationen
normiert werden, damit man einheitenlose Quotienten erhält, die logarithmiert
werden können. Daraus ergibt sich eine wichtige Vereinfachung, denn
für reine feste Phasen (z. B. Metalle oder schwer lösliche
Salze) und flüssige Phasen (z. B. Wasser) ist dieser Quotient
1. Deshalb tauchen diese Konzentrationen in den nernstschen Gleichungen
so gut wie nie auf.

Eine weitere Vereinfachung ergibt sich, wenn man das Elektrodenpotenzial bei der Standardtemperatur von 25 °C bzw. 298,15 K betrachtet. In diesem Fall hängt der zweite Summand in der nernstschen Gleichung nur noch von der Anzahl der ausgetauschten Elektronen und der Konzentration der Metall-Ionen ab. Da häufiger mit dem dekadischen Logarithmus von Ionenkonzentrationen gerechnet wird, z. B. beim pH-Wert, rechnet man auch den natürlichen Logarithmus noch in den dekadischen um, indem man einfach mit 2,303 multipliziert.

Heraus kommt eine Gleichung, in der das Elektrodenpotenzial nur noch
von der Art, Ladung und Konzentration des betrachteten Metalls bzw. der
Metall-Ionen abhängt. Der Proportionalitätsfaktor von 59,2 mV
ergibt sich aus den Naturkonstanten R und F sowie aus der Standardtemperatur.
Auf ähnliche Weise lässt sich die nernstsche Gleichung für
alle Elektroden bzw. für alle Redoxpaare herleiten. Die Redoxreaktion,
die zur Ausbildung der Potenzialdifferenz führt, bezeichnet man als
Potenzial bestimmenden
Schritt. Danach kann man verschiedene
Elektrodenarten unterteilen (Bild 3).
Eine wichtige Elektrodenart sind die Elektroden
2. Art, bei denen das Metall in Kontakt mit der gesättigten
Lösung eines schwer löslichen Salzes steht. Ein Beispiel sind
Ag/AgCl- oder
,
die sogenannte Kalomelelektrode. Die mathematische Ableitung des Elektrodenpotenzials
ist in Bild 4 dargestellt. Bei beiden Elektroden verringert sich das Elektrodenpotenzial
mit steigender Chlorid-Ionenkonzentration und erreicht in einer gesättigten
Chlorid-Ionenlösung seinen jeweils kleinsten Wert. Folgende Elektrodenpotenziale
bei einer Temperatur von 25 °C (298,15 K) erhält man für
diese Elektroden 2. Art:

Relativ gering ist der Einfluss der Temperatur auf das Elektrodenpotenzial dieser Elektroden 2. Art. Für die Kalomelelektrode in einer 0,1 molaren Chlorid-Ionenlösung ergaben experimentelle Messungen folgende Abhängigkeit:

Das bedeutet, das sich das Elektrodenpotenzial in der Nähe der
Standardtemperatur nur um ca. 0,1 mV je Kelvin ändert. Aufgrund dieses
beinahe temperaturunabhängigen und weitgehend konzentrationsunabhängigen
Elektrodenpotenzials werden Elektroden 2. Art bevorzugt als Bezugselektroden
eingesetzt. Das bedeutet, sie werden mit anderen Elektroden in einer elektrochemischen
Zelle zusammengeschaltet und aus der gemessenen Zellspannung kann das
Potenzial der anderen Elektrode berechnet werden.