

Der BORN-HABER-Kreisprozess
wurde von dem deutschen Chemiker FRITZ HABER und dem deutschen Physiker
MAX BORN auf der Grundlage des Satzes von
HESS entwickelt. Danach ist die Enthalpie einer Bruttoreaktion
gleich der Summe aller Reaktionsenthalpien der Teilschritte, in die die
Gesamtreaktion zerlegt werden kann.
BORN und HABER wendeten diesen Satz speziell zur Berechnung der Gitterenergien
von Ionenverbindungen an (Bild 1). Auch zur Berechung von Elektronenaffinitäten
von Elementen wird dieses Schema benutzt, da diese experimentell schwer
ermittelbar ist. Die Elektronenaffinität ist ein Maß dafür,
wie stark Elementatome ein zusätzliches Elektron binden können.
Außerdem können mit dem BORN-HABER-Kreisprozess Vorraussagen
zur Stabilität hypothetischer Verbindungen getroffen werden. So wurden
die Edelgasverbindungen bereits vor ihrer Synthese über Stabilitätsabschätzungen
mithilfe des BORN-HABER-Kreisprozesses als stabil vorausgesagt.
Die Gitterenergie
ist indirekt
experimentell über kalorimetrische oder spektroskopische Messungen
bestimmbar und ist ein Maß für die Stärke der Bindungen
zwischen den Ionen in einem Kristallgitter. Sie wird bestimmt durch die
Ladung und die Größe der Ionen im Gitter und in kJ/mol angegeben.
Bildet sich aus einem mol Kationen
und einem mol Anionen
eine kristalline Substanz der Zusammensetzung AB, so wird bei der Bildung
des Kristalls diese Gitterenergie frei. Je größer der numerische
Wert der Gitterenergie ist, desto stabiler ist der Ionenkristall. Das
drückt sich häufig in einem hohen Schmelzpunkt und oft in einer
großen Härte aus.
Die Bildung des Ionengitters von Kochsalz z. B. kann gedanklich in mehrere Teilschritte zerlegt werden. Dabei müssen sowohl die auftretenden energetischen Veränderungen als auch die Abläufe auf atomarer Teilchenebene berücksichtigt werden (Bild 1).
| 1. | Überführung
der Elemente in freie Atome: Zu diesem Zweck muss das feste Natrium verdampft werden, um in der Gasphase Natriumatome zu erhalten. Dieser Vorgang heißt Sub-limation und erfordert das Aufbringen der Sublimationsenthalpie .
Die gasförmigen Chlormoleküle müssen in Chloratome
zerlegt werden, wobei die Bindungsenthalpie
des Chlors aufgebracht werden muss. |
| 2. | Zur Ionisierung der
freien Atome muss für die Elektronenabgabe (Bildung des Natriumkations)
die Ionisierungsenergie
bereitge-stellt werden. Das Chloratom nimmt das frei werdende Elektron
auf und wird zum Chlorid-Anion. Die Energieänderung bei diesem
Pro-zess nennt man Elektronenaffinität
. |
| 3. | Aufgrund der Anziehungskräfte
zwischen den unterschiedlich gela-denen Ionen wird das feste Natriumchlorid
als Ionengitter gebildet. Der bei diesem Prozess frei werdende, sehr
große Energiebetrag wird als Gitterenergie
bzw. Gitterenthalpie
bezeichnet. |
Die Bildung von Ionenkristallen aus den Elementen ist insgesamt ein exothermer Prozess. Die Ursache dafür ist hauptsächlich die Gitterenergie, die auch die Energie für die endothermen Teilschritte der Reaktion aufbringt.
Die Gitterenergie eines Salzes einer bestimmten Struktur ist umso größer, je höher geladen die Kationen und Anionen sind und je kleiner der kürzeste Abstand der Kationen und Anionen ist.
| Gitterenergie einer Verbindungen die den NaCl-Gittertyp aufweisen in [kJ/mol] | ||
|
NaCl -788 |
KCl -706 |
NaBr -737 |
|
NaI -687 |
NaF -910 |
MgO -3930 |
Bilden Substanzen verschiedene feste Modifikationen,
so wird für jede der Modifikation eine spezifische Gitterenergie
ermittelt. Das heißt die Gitterenergie ist nicht nur von der Art
der Ionen abhängig, die miteinander wechselwirken, sondern auch von
der Art und Weise ihrer Anordnung.
So unterscheiden sich die Gitterenergien der beiden Modifikationen des
Zinksulfides ZnS (Wurtzit und Zinkblende) um 12 kJ/mol.
Der BORN-HABER-Kreisprozess ist nicht die einzige wissenschaftliche Leistung, der beiden deutschen Forscher.
FRITZ HABER
(Bild 2) wurde am 09.12.1868 in Breslau, Deutschland geboren. Die chemischen
Grundlagen der technischen Ammoniaksynthese gehen auf FRITZ
HABER zurück. Dafür erhielt er 1918 den Nobelpreis für
Chemie.
Nach Machtantritt der Nazis 1933 musste der jüdische Kaufmannssohn
FRITZ HABER Deutschland wegen seiner Abstammung verlassen. Ein Jahr später,
am 29.01.1934, starb er in Basel.