


1.
Die Zeit, in der er lebte
CHARLES NELSON GOODYEAR lebte im 19. Jahrhundert in den USA. Es war eine
Zeit großer Entdeckungen und wissenschaftlicher Errungenschaften.
Gegen Ende des 19. Jh. begann die chemische Industrie sich zu entwickeln.
2. Lebenslauf
CHARLES NELSON GOODYEAR
wird am 29. 12. 1800 in New Haven in Connecticut (USA) als erstes
von sechs Kindern geboren.
Sein Vater AMASA GOODYEAR ist Landwirt, außerdem Erfinder und Hersteller
von landwirtschaftlichen Geräten.
Nach der Schule wird CHARLES GOODYEAR im Alter von 17 Jahren in dem großen
Handelshaus "Rogers Brothers" in Philadelphia angestellt. Eigentlich
wollte er Priester oder Rechtsanwalt werden, erlernte aber den Beruf eines
Mechanikers, um später das väterliche Geschäft auf dessen
Wunsch hin zu übernehmen.
Nach vier Jahren in Philadelphia kehrt er 1821 in seine Heimatstadt
New Haven zurück und tritt als Geschäftspartner in das Unternehmen
seines Vaters ein.
1824 heiratet CHARLES GOODYEAR die ebenfalls in New Haven lebende CLARISSA
BEECHER.
Zwei Jahre später eröffnet er in seiner Heimatstadt ein Einzelhandelsgeschäft
für Eisenwaren und verkauft dort die Waren seines Vaters. So geschickt
er als Mechaniker auch ist, so ungeschickt stellt er sich als Geschäftsmann
an. Der geschäftliche Erfolg bleibt aus, und er wird sogar wegen
seiner Schulden mehrmals zu kurzzeitigen Haftstrafen verurteilt.
CHARLES GOODYEAR verlegt sich darauf, neue Erfindungen zu machen und
meldet verschiedene Patente an, die er an seine zahlreichen Gläubiger
verkauft.
1833 gründet der Erfinder in Roxbury, Massachusetts eine Fabrik zur
Herstellung von wasserfesten Artikeln aus Gummi (Bild 2).
Mithilfe einer Bratpfanne beginnt der Erfinder erste Versuche. Er erhitzt
darin Kautschuk (Bild 1) auf
dem Herd und walzt ihn mit einem Nudelholz aus. Nachdem die Masse etwas
abgekühlt ist, formt er daraus Schuhe, die seine Kinder Probe tragen
müssen.
Leider sind seine Produkte nicht sehr erfolgreich. Im Sommer werden sie
weich und klebrig und im Winter brüchig und hart.
CHARLES GOODYEAR gibt jedoch nicht so einfach auf. Durch Beimengung von
Kreide und Magnesium und anschließendes Erhitzen stellt er Kautschukplatten
her, die der Hitze und Kälte besser standhalten. Dafür verlieh
ihm die Akademie der Wissenschaften in New York eine eigens zu diesem
Zweck geprägte Medaille.
Von NATHANIEL HAYWARD erwirbt CHARLES
GOODYEAR 1838 die "Eagle India Rubber Company".
HAYWARD, der frühere Vorarbeiter einer Gummifabrik, hatte ein Patent
zur Vermischung von Gummi mit Schwefel angemeldet, das dem Kautschuk seine
Klebrigkeit nahm. Dieses Patent wurde wenig später auf GOODYEAR überschrieben.
Dieser kombinierte nun die Methode HAYWARDs mit seiner eigenen.
Durch einen glücklichen Zufall kam 1839 etwas von der Kautschuk-Schwefel-
Mischung mit einem heißen Ofen in Berührung. Zu GOODYEARs Erstaunen
war die Masse zu trockenem, biegsamen Gummi geworden, der seine Elastizität
auch bei niedrigen Temperaturen beibehielt und in der Hitze nicht weich
wurde.
GOODYEAR ließ daraufhin Naturkautschuk mit Schwefelpulver bei 100
bis 170° Celsius reagieren und erkannte, dass dadurch ein elastischer,
wetterbeständiger Stoff entsteht, Gummi. Er nennt das Verfahren "Vulkanisation"
(Bild 3) , weil auch in aktiven Vulkanen Schwefel vorkommt und große
Hitze vorherrscht.
Seine finanzielle Notlage bleibt trotzdem bestehen. Weil er seine unzähligen
Schulden nicht zurückzahlen kann, kommt GOODYEAR wieder in Haft.
1844 wird ihm sein bekanntestes Patent zur Vulkanisation von Gummi erteilt
und 1858 für weitere 7 Jahre verlängert.
Leider ist das Verfahren außerordentlich leicht nachzuahmen, und
GOODYEAR muss viel Zeit damit zubringen, die zahlreichen Verstöße
gegen sein Patent zu bekämpfen.
1852 erfindet GOODYEAR den Hartgummi,
Ebonit (Bild 4). Er hatte in unzähligen
Versuchen herausgefunden, dass der bei der Vulkanisation entstehende Gummi
durch den Einsatz höherer Schwefelmengen härter wird (Hartgummi
enthält etwa 20 % Schwefel.).
Er errichtet eine Fabrik in Naugatuck in Connecticut. Die Aufträge
häufen sich, und GOODYEAR kann seine Lizenzen verkaufen.
Er reist nach London und Paris, um für seine Erfindung zu werben.
GOODYEAR lebt trotz seines Reichtums weit über seine Verhältnisse.
Allein auf der Weltausstellung in Paris 1855 gibt der Erfinder 125 000
Dollar für seine Ausstellung aus. Danach ist er wieder einmal ruiniert
und muss ins Schuldgefängnis.
1858 kehrt CHARLES GOODYEAR als gebrochener Mann nach Amerika zurück.
Zur Begleichung der Kosten für die Überfahrt muss er den gesamten
Schmuck seiner Frau verkaufen.
CHARLES NELSON GOODYEAR stirbt verarmt am 01. Juli 1860 an Gicht.
Zum Zeitpunkt seines Tods ist er mit 200 000 Dollar verschuldet.
Die Symptome seiner langwierigen und schleichenden Krankheit deuten auf
eine Bleivergiftung hin. In seinen vielfältigen Versuchen hatte der
Chemiker das giftige Schwermetall vielfach und über lange Zeiträume
hinweg eingesetzt.
1898 gründete Frank Seiberling die "Goodyear Tire & Rubber
Company", die er nach CHARLES GOODYEAR benannte, obwohl er weder
mit GOODYEAR selbst noch mit dessen Nachfahren etwas zu tun hatte. Diese
Firma gehört heute den größten Gummiproduzenten weltweit.
GOODYEAR-Reifen werden z. B. in der Formel 1 eingesetzt.