





Physikalische
Vorgänge
Führt man dem Wasser Wärme zu, so siedet es bei einer Temperatur
von 100 °C. Es entsteht Wasserdampf.
Kühlt man den Wasserdampf unter die Siedetemperatur ab, so entsteht
wieder flüssiges Wasser mit denselben Eigenschaften wie vorher.
Durch das Sieden und Kondensieren hat sich nur der Aggregatzustand des Stoffes
Wasser geändert. Es entstand aber kein neuer Stoff. Ähnliches
beobachtet man beim Gefrieren und Schmelzen von Stoffen.
Auch bei einfachen Mischungsvörgängen wie dem Auflösen von Zucker in Kaffee oder dem Mischen von Sand mit Wasser ändern die Stoffe nur ihre physikalischen Eigenschaften.
Solche Gemische können durch physikalische Prozesse wieder getrennt werden, z. B. kann man Sand und Wasser unverändert durch Filtration voneinander trennen.
Bei all diesen physikalische Vorgängen findet keine Stoffumwandlung
statt, d. h, die Stoffe werden chemisch nicht verändert.
Chemische Reaktionen als Stoffumwandlung
Im Gegensatz zu einer Mischung von Sand (Siliciumdioxid) mit Wasser, erfolgt
bei der Mischung von verdünnter Schwefelsäure mit verdünntem
Kalkwasser (Calciumhydroxid) eine Stoffumwandlung.
Bei der Wechselwirkung der Lösungen von Schwefelsäure mit Calciumhydroxid
ist weißes, in Wasser schwer lösliches Calciumsulfat entstanden.
Auch bei der Zersetzung von Wasser im hofmannschen Wasserzersetzungsapparat
(siehe Bild 2) entstehen neue Stoffe mit neuen Eigenschaften. Aus flüssigem
Wasser werden zwei unterschiedliche Gase gebildet.
Das eine Gas ist farblos, geruchlos, brennbar und beeinflusst einen glimmenden
Holzspan nicht. Dieses Gas ist Wasserstoff. Das andere ist auch farblos
und geruchlos, aber nicht brennbar und lässt einen glimmenden Holzspan
hell aufflammen. Dieses Gas ist Sauerstoff.
Chemische Reaktionen sind Vorgänge, bei denen durch Spaltung, Umordnung und Neuknüpfung chemischer Bindungen eine Stoffumwandlung stattfindet.
Zur Beschreibung der Stoffumwandlung formuliert der Chemiker Reaktionsgleichungen. Die einfachste Varianteist die Wortgleichung. Die Wortgleichung für die elektrolytische Zersetzung von Wasser lautet:

Die Stoffe, die vor einer chemischen Reaktion existieren, heißen Ausgangsstoffe (Edukte). Sie stehen in jeder Reaktionsgleichung vor dem Pfeil. Der Pfeil gibt die Richtung der chemischen Reaktion an. Stoffe, die nach einer chemischen Reaktion vorliegen, bezeichnet man als Reaktionsprodukte. Sie stehen hinter dem Pfeil bzw. auf der rechten Seite der Gleichung.
Wesentlich mehr Informationen kann den ausführlichen Reaktionsgleichungen unter Nutzung von Symbolen und Formeln (Formelgleichung) entnommen werden. Diese Gleichungen treffen quantitative Aussagen, denn die Art und die Zahl der Teilchen (Atome, Ionen) ist auf der Seite der Ausgangsstoffe und der Endprodukte gleich. Beim Aufstellen der Formelgleichungen müssen die Gesetze der Erhaltung der Masse sowie der multiplen und konstanten Proportionen berücksichtigt werden.
Die Formelgleichung für die elektrolytische Zersetzung von Wasser lautet:

Ein Doppelpfeil als Reaktionspfeil zeigt an das die Reaktion umkehrbar
ist und dass Ausgangsstoffe und Reaktionsprodukte in einem chemischen
Gleichgewicht vorliegen. Die Mehrzahl chemischer Reaktionen sind Gleichgewichtsreaktionen.
Chemische Reaktion als Energieumwandlung
Die Spaltung, Umordnung und Neuknüpfung chemischer Bindungen ist
auch mit energetischen Erscheinungen verbunden. So wird bei der Reaktion
zwischen Schwefelsäure und Calciumhydroxid Energie in Form von Wärme
frei. Dagegen muss zur Waserzersetzung Energie in Form von elektrischer
Energie zugeführt werden.
Chemische Reaktionen sind immer mit Energieumwandlungen verbunden.
Je nachdem, ob insgesamt bei einer Reaktion thermische Energie als Wärme zugeführt werden muss oder abgegeben wird, unterscheidet man exotherme und endotherme Reaktionen.
Wird bei einer chemischen Reaktion Wärmeenergie abgegeben, so spricht
man von einer exothermen chemischen Reaktion (ex = nach
außen, therm = Wärme).
Wenn bei einer chemischen Reaktion ständig Wärmeenergie zugeführt
werden muss, so liegt eine endotherme chemische Reaktion (endo = nach
innen) vor.
Dazu kommt, dass selbst bei einer exothermen Reaktion wie der Bildung
von Wasser durch die Knallgasreaktion dem Gemisch der Ausgangsstoffe erst
eine Energie zur Aktivierung zugeführt werden muss (siehe Bild 3).
Diese Energie bezeichnete der schwedische Chemiker SVANTE ARRHENIUS als
Aktivierungsenergie.
Arten chemischer Reaktionen
Chemische Reaktionen lassen sich nicht nur nach energetischen Gesichtspunkten
klassifizieren. Nach dem Aggregatzustand der Reaktanten unterteilt man
in Gasreaktionen, Reaktionen in Lösungen und Festkörperreaktionen.
Stellt man dagegen die Art der reagierenden Teilchen in den Vordergrund,
dann unterscheidet man zwischen Molekül-, Ionen- oder Radikalreaktionen.
In der organischen Chemie betrachtet man dagegen primär die Änderung des Bindungszustands der Kohlenstoffatome und unterscheidet zwischen Substitution, Addition und Eliminierung. Eine Übersicht über die organischen Reaktionstypen ist in einem anderen Beitrag auf dieser CD gegeben.
Als sehr sinnvoll hat sich die nachfolgende Klassifizierung nach der Art der bei der Reaktion ausgetauschten Teilchen erwiesen. Dabei unterscheidet man zwischen:
Diese Einteilung wird vor allem in der anorganischen und allgemeinen Chemie bevorzugt.
Redoxreaktionen
Redoxreaktionen sind
Reaktionen mit Elektronenübergang.
Dabei sind die Teilreaktionen Oxidation und Reduktion miteinander gekoppelt,
d. h. sie laufen gleichzeitig ab.
Bei der Teilreaktion Oxidation erfolgt eine Elektronenabgabe. Bei
der Teilreaktion Reduktion erfolgt eine Elektronenaufnahme.
Das Oxidationsmittel ist der Reaktionspartner, der Elektronen aufnimmt und das Reduktionsmittel der Reaktionspartner, der Elektronen abgibt. Die Vorgänge der Oxidation und der Reduktion sind über korrespondierende Redoxpaare miteinander verknüpft (Bild 4).
Beispiele für Redoxraktionen sind ist der Prozess der Wasserbildung aus den Elementen. Auch bei dem seit über 500 000 Jahren vom Menschen genutzten Feuer handelt es sich wie bei allen Verbrennungsprozessen um eine bedeutende Redoxreaktion.
Auch alle elektrochemischen Prozesse sind Redoxreaktionen. Weitere Beispiele für Redoxreaktionen sind:

Säure-Base-Reaktionen
Säure-Base-Reaktionen
sind nach JOHANNES NICOLAUS
BRÖNSTED (1879-1947) Reaktionen, die unter Protonenübergang
verlaufen. Dabei geben die Säuren Protonen an die als Reaktionspartner
zur Verfügung stehenden Basen ab.
Ähnlich wie bei den Redoxreaktionen bilden sich Säure-Base-Gleichgewichte mit korrespondierenden Säure-Base-Paaren aus:
Im Beispiel sind die
korrespondierenden Säure-Base-Paare
und
miteinander
verknüpft. Diese Reaktion von Ammoniak mit Wasser nennt man Protolyse.
Zu den Säure-Base-Reaktionen zählen u. a. die o. g. Umsetzung
von Schwefelsäure mit Calciumhydroxid sowie die Protolysen aller
Säuren und Basen mit Wasser.
Auch im Alltag begegnen uns Säure Base-Reaktionen auf Schritt und Tritt:

Fällungsreaktionen
Bei einer Fällungsreaktion
bildet sich bei der Umsetzung zweier Reaktionspartner in einer homogenen
Lösung ein Niederschlag eines schwer löslichen Reaktionsproduktes.
Dabei werden Ionen übertragen.
Da zwei Phasen, eine homogene flüssige (Lösung) und eine feste (Niederschlag) vorliegen, spricht man auch von einer heterogenen Reaktion. Fällungsreaktionen haben große Bedeutung in der qualitativen chemischen Analyse (Nachweisreaktionen, Bild 6), bei der quantitativen Bestimmung der Ionen (Gravimetrie) und bei der Frisch- und Abwasserbehandlung. Auch die Rauchgasentschwefelung in Kraftwerken ist eine Fällungsreaktion.

Komplexreaktionen
Komplexreaktionen
sind Reaktionen, an denen sogenannte Verbindungen höherer Ordnung
beteiligt sind. Bei der Bildung solcher Komplexe reagieren Elektronenpaarakzeptoren
(z. B. Metall-Kationen) mit Elektronenpaardonatoren (Anionen oder
Molekülen). Durch Ausbildung sogenannter Donor-Akzeptor-Bindungen
entstehen Komplexverbindungen.

Komplexreaktionen spielen eine wichtige Rolle in der Biochemie,
z. B. bei der Sauerstoffübertragung im Blut aber auch in der
chemischen Analytik, z. B. beim Eiweiß-Nachweis durch die BIURET-Reaktion
(Bild 7).
Der Ablauf von Komplexreaktionen ist ebenso wie die anderen
Reaktionsarten in anderen Beiträgen auf dieser DVD ausführlicher
beschrieben.