

Der
Weg zum quantenmechanischen Atommodell
Die von dem britischen Physiker ERNEST RUTHERFORD (1871-1937) im Jahr 1911
und von dem dänischen Physiker NIELS BOHR (1885-1962) im Jahr 1913
angegebenen Atommodelle waren wichtige Schritte in der Entwicklung von Vorstellungen
über den Atombau. Aber auch das bohrsche Atommodell erwies sich schnell
als nicht ausreichend für die Erklärung von Sachverhalten. Insbesondere
die Annahme von bestimmten Bahnen für die Elektronen war mit den Erkenntnissen
der Quantenphysik nicht vereinbar. Auch erschienen die von BOHR aufgestellten
Postulate recht willkürlich und nicht als logische Ableitungen aus
theoretischen Positionen.
Insbesondere jüngere Quantenphysiker wie ERWIN SCHRÖDINGER (1887-1961), WERNER HEISENBERG (1901-1976) und MAX BORN (1882-1970) leisteten in den 20er-Jahren wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung der Quantenphysik und schufen so auch die theoretischen Grundlagen für eine moderne Atomtheorie. Insbesondere war das Problem zu lösen, einerseits die diskreten Energieniveaus der Atome zu berechnen und andererseits auf die Vorstellung von Elektronenbahnen zu verzichten.
Das Wesen des quantenmechanischen
Atommodells
Eine entscheidende Grundlage des weiterentwickelten Atommodells waren
Erkenntnisse der Quantentheorie, insbesondere die von dem österreichischen
Physiker ERWIN SCHRÖDINGER (1887-1961) 1926 aufgestellte SCHRÖDINGER-Gleichung,
für die er 1933 den Nobelpreis für Physik erhielt.
Das Problem ist hierbei, dass es sich um ein mathematisches Modell handelt
und damit alle bildhaften Darstellungen problematisch sind und nicht selten
zu falschen Vorstellungen führen. Die Grundidee von SCHRÖDINGER
war, Elektronen nicht als diskrete Teilchen, sondern als Wellen aufzufassen.
Nach der von DE BROGLIE aufgestellten Beziehung erhält man für
die Wellenlänge:

Die Wellenlänge muss im einfachsten Falle so groß sein, dass genau eine ganze Anzahl von Wellenlängen auf den Bahnumfang entfällt, also eine stehende Welle vorhanden ist. Bild 2 zeigt eine vereinfachte linienhafte Darstellung dieses Sachverhalts. Für diesen Fall würde dann gelten:
Ganz zwanglos ergibt sich damit die bohrsche Quantenbedingung.
Der um den Atomkern laufende Wellenzug und die Ausbildung einer stehenden Welle ist ein stark vereinfachtes Bild. Erwin Schrödinger führte diesen Gedankengang weiter und dachte sich statt des um den Kern laufenden Elektrons ein räumlich ausgedehntes Gebilde, das ebenfalls in Form einer stehenden Welle schwingen kann. Die von ihm dafür entwickelte Grundgleichung - die SCHRÖDINGER-Gleichung - lautet:
Die physikalische Bedeutung der Psi-Funktion
wurde insbesondere von MAX BORN herausgearbeitet: Das Absolutquadrat dieser
Wellenfunktion ist als
Wahrscheinlichkeitsdichte für das Auffinden eines Teilchens zur Zeit
t an einem bestimmten Ort r zu deuten.
Damit kann man Wahrscheinlichkeiten berechnen, ein Elektron in einem gewissen Abstand vom Atomkern anzutreffen. Diese so berechneten Wahrscheinlichkeiten müssen einer Normierungsbedingung genügen. Diese besagt: Ein Elektron befindet sich mit der Wahrscheinlichkeit w = 1 irgendwo in der Atomhülle. Löst man die SCHRÖDINGER-Gleichung für das Wasserstoffatom auf, so lassen sich nur solche Lösungen normieren, die der Energie von Elektronen mit folgenden Werten entsprechen:
Das sind genau die diskreten Energieniveaus, die beim
Wasserstoff ermittelt wurden.
Die räumlichen Wahrscheinlichkeitsverteilungen
der Elektronen in der Atomhülle werden als Orbitale
bezeichnet (Bild 3). Davon ausgehend bezeichnet man das quantenmechanische
Atommodell auch als Orbitalmodell.
Wie genaue Berechnungen zeigen, können bis auf den Grundzustand
zu einer bestimmten Hauptquantenzahl n mehrere,
voneinander verschiedene räumliche Wahrscheinlichkeitsverteilungen
existieren.