


Zellteilungen
Im Gegensatz zu den Keimzellen ist die Zahl der Zellteilungen von differenzierenden
bzw. differenzierten Zellen begrenzt. In einigen Geweben, z. B. im Nervengewebe,
teilen sich die Zellen nur während der Entwicklung und können
sich danach nicht mehr vermehren. Sie altern relativ langsam, wobei auch
Zellen absterben; daher nimmt die Zahl der Nervenzellen in bestimmten Bereichen
des Gehirns im Laufe des Alterns ab. Andere Gewebe, z. B. Leber-, Nieren-
und Bindegewebszellen, sind im erwachsenen Organismus noch begrenzt teilungsfähig.
Sie können sich bei Verletzungen schnell vermehren bis das Gewebe ergänzt
ist. Diese Fähigkeit der regenerativen und kontinuierlichen Ergänzung
nimmt ebenfalls im Laufe des Alterns ab.
Außer der Teilungsfähigkeit verändern sich auch Struktur und Funktion der Zellen. Die Knorpelsubstanz von Gelenkknorpelzellen unterscheidet sich bei jungen und alten Menschen - bei Ersteren enthält sie auffallend lange Ketten des Proteins Chondroitinsulfat, welche doppelt so lang sind wie in älteren Zellen. Daraus resultiert die schlechtere Elastizität des älteren Knorpels, welche auch zu Rissen und Entzündungen führen kann.
Alterungsprozess - Energiekrise
der Zelle
Der beschriebene Alterungsprozess scheint eine Folge von Energiemangel
im Organismus zu sein, an dem die Mitochondrien beteiligt sind. Man hat
herausgefunden, dass Erkrankungen des Nervensystems wie die parkinsonsche
Krankheit ihre Ursache in unzureichender Energieerzeugung in bestimmten
Nervenzellen haben.
Untersuchungen an menschlichen und tierischen Zellen ergaben, dass Enzyme
gealterter Zellen nur noch 25 - 50% ihrer Aktivität aufweisen. Im
Experiment mit 3-jährigen Ratten (vergleichbar mit einem 90-jährigen
Menschen) waren 30 - 50% aller Proteine oxidiert und damit geschädigt.
Auch Lipide waren funktionsunfähig und sogar die DNA der Mitochondrien
und des Zellkerns zeigt Mutationen.
In den Mitochondrien bilden sich bei der Zellatmung freie Radikale (Atome, Moleküle oder Ionen mit einem ungepaarten Elektron). Sie sind besonders reaktionsfreudig und hängen sich an viele lebenswichtige Stoffe. Mit dem Alter nimmt ihre Zahl zu. Es gibt vier Hauptquellen für freie Radikale:
Freie Radikale entstehen im tierischen Organismus bei der Atmung in der Elektronentransportkette. Aus ihr können Elektronen entweichen und vom molekularen Sauerstoff eingefangen werden. Es entsteht ein Peroxidion in folgender Reaktion:

Dieses Ion kann darauffolgend Wasserstoffperoxid bilden:

bildet
durch Zerfall das aggressive Hydroxylradikal
,
eines der reaktivsten chemischen Stoffe.

Neben dem -OH entstehen noch andere Radiikale, sie zerstören Proteine
und Lipide und erzeugen Mutationen an der DNA der Mitochondrien und des
Zellkerns. Wenn DNA-Enzyme oder Zellmembranlipide von der Zerstörung
betroffen sind, ist die Funktion der Mitochondrien eingeschränkt.
Dadurch ist die Energiebildung in Form von ATP, welche in den Mitochondrien
stattfindet, gemindert. Eine geringere ATP-Produktion bedeutet gleichzeitig,
dass noch mehr Radikale entstehen können. Man nimmt an, dass die
Zellen beim Alterungsprozess in diesen Teufelskreis geraten und lebenswichtige
Funktionen dadurch immer mehr geschwächt werden.
Forschungen zur Entschärfung der freien Radikale laufen derzeit
auf Hochtouren. Erste Erkenntnisse sind:
Es gibt Enzyme, die freie Radikale entschärfen, indem sie sie abfangen
und binden. Diese werden als Schutz-Enzyme
bezeichnet.
So hat die Zelle gegen Wasserstoffperoxid und sein Radikal ein Schutzsystem
aufgebaut. In diesem Schutzsystem wirkt das Enzym Katalase. Es kommt in
allen Zellen vor und bewirkt die Spaltung von Wasserstoffperoxid:

Vitamin C und E, Glutathion und
fangen ebenfalls Radikale ab. Diese oxidierten Verbindungen können
dann durch Enzyme abgebaut werden. Vitaminreiche Kost vermindert deshalb
Anhäufung von Radikalen. Im Tierversuch konnte bewiesen werden, dass
die allgemeine Ernährung einen wichtigen Faktor bei der Entstehung
freier Radikale darstellt. Normalkost mit hohem Fettanteil fördert
die Bildung der Radikale, während sie durch eine vollwertige Diät
reduziert wird. Bei Einnahme von Diätkost konnte am Versuch mit Mäusen
ein geringerer
und
-
Gehalt in den Mitochondrien von Gehirn-, Herz und Nieren festgestellt
werden.
Da der gesamte Alterungsprozess ein sehr komplexes Geschehen ist, stellt
die Bildung von Radikalen nur einen Faktor dar.
Andere Faktoren sind genetischer, sozialer und psychischer Natur.