





Gruppeneigenschaften
Zur 1. Hauptgruppe gehören die Elemente Wasserstoff (H), Lithium (Li),
Natrium (Na), Kalium (K), Rubidium (Rb), Caesium (Cs) und Francium (Fr),
dessen Isotope alle radioaktiv sind. Unter den Elementen der 1. Hauptgruppe
besitzt Wasserstoff eine Sonderstellung, er unterscheidet sich deutlich
von den übrigen Elementen dieser Gruppe und ist im Gegensatz zu ihnen
ein Nichtmetall. Die Elemente Lithium bis Francium sind typische Metalle,
sie werden Alkalimetalle genannt.
Gemeinsam ist allen Elementen der 1. Hauptgruppe, dass sie nur ein Valenzelektron
besitzen und somit die Valenzelektronenkonfiguration
(n = 1-7) aufweisen.
Wasserstoff ist das Element mit dem einfachsten Atombau, er besteht aus
einem Proton und einem Elektron. Durch Abgabe des Elektrons entstehen
-Ionen
(Protonen). Die Edelgaskonfiguration erreicht Wasserstoff durch Aufnahme
eines Elektrons bzw. durch Ausbildung einer kovalenten Bindung, wodurch
er sich deutlich von den Alkalimetallen unterscheidet.
Für die Alkalimetalle ist die Edelgaskonfiguration mit einer vollen
äußeren Elektronenhülle am leichtesten zu erreichen, indem
sie ein Elektron an einen Bindungspartner abgeben. Deshalb sind die Alkalimetalle
einwertig und treten in Verbindungen überwiegend als einfach positiv
geladene Kationen auf. Da das
sehr leicht abgespalten werden kann, zählen die Alkalimetalle zu
den reaktivsten Metallen.
Da sie leicht ihr Valenzelektron abgeben, d. h. leicht oxidiert werden,
sind sie in der Lage, andere Elemente zu reduzieren. Die Alkalimetalle
werden daher als Reduktionsmittel verwendet.
Die Reaktivität und die Fähigkeit der Alkalimetalle, andere Elemente zu reduzieren, nehmen mit steigender Ordnungszahl zu. Die Ursache dafür ist einleuchtend, da ja mit steigender Periode das Valenzelektron durch immer mehr dazwischenliegende Schalen von der Anziehungskraft des positiven Atomkerns abgeschirmt wird und daher leichter abgespalten werden kann. Lithium und Natrium reagieren mit Wasser zwar heftig unter Wasserstoffentwicklung, aber ohne dass es zur Entzündung des Wasserstoffs kommt. Kalium und Rubidium reagieren unter spontaner Entzündung des Wasserstoffs, Caesium reagiert explosionsartig.
Die Alkalimetalle sind weiche Metalle, sie lassen sich mit einem Messer
schneiden. Außerdem haben sie eine geringe Dichte. Lithium, Natrium
und Kalium sind leichter als Wasser. Lithium ist mit einer Dichte von
0,534 g/cm³ das leichteste aller Metalle.
Die Schmelz- und Siedepunkte nehmen von Lithium zu Caesium ab.
Vorkommen
Wasserstoff ist das häufigste
Element im Weltall, er macht ungefähr 2/3 von dessen Gesamtmasse
aus. Auf der Erde kommt er hauptsächlich gebunden, in kleinen Mengen
aber auch elementar in der Atmosphäre vor. Die häufigste Wasserstoffverbindung
ist Wasser.
Die Alkalimetalle kommen, weil sie so reaktiv sind, in der Natur nur
gebunden als Mineralien vor.
Die Metalle Lithium und Natrium gehören zu den zehn häufigsten
Elementen in der Erdkruste.
Lithiummineralien sind u. a. Amblygonit
und
Spodumen, ein Silicat 
Die häufigsten Natriummineralien
sind Silicate. Dazu gehören die Feldspate, z. B. Natronfeldspat
Außerdem kommt Natrium in großen unterirdischen Lagerstätten
vor, z. B. als Steinsalz NaCl, Soda
,
als Thenardit
,
als Chilesalpeter
und als Kryolith
.
Letzteres ist aber weitgehend abgebaut, da es bei der Schmelzflusselektrolyse
zur Herstellung von Aluminium benötigt wird.
Natriumchlorid ist außerdem im Meerwasser gelöst (Bild 2).
Die Ozeane enthalten im Mittel 3% Natriumchlorid. Das im Meerwasser gelöste
Natriumchlorid entspricht etwa der zehnfachen Menge der Vorkommen an festem
Natriumchlorid.
Kaliummineralien sind häufig Silicate,
z. B. Kalifeldspat,
Bedeutsam sind die großen Salzlagerstätten von Sylvin (KCl),
Carnallit
oder Kainit 
Die Metalle Rubidium und Caesium
kommen in der Natur nur als Begleiter der anderen Alkalimetalle vor, man
sagt, sie sind mit ihnen "vergesellschaftet".
Alle Isotope des Francium sind radioaktiv.
Das langlebigste Isotop
hat eine Halbwertszeit von 21,8 Minuten.
Gewinnung
Wasserstoff wird großtechnisch aus unterschiedlichen Kohlenwasserstoffen,
die Bestandteile von Erdöl sind, und Wasser hergestellt. So lässt
sich z. B. aus Erdgas oder kurzkettigen Kohlenwasserstoffen, aber auch
aus Heizöl Wasserstoff gewinnen, wobei je nach Ausgangsstoff verschiedene
Verfahren angewendet werden. Außerdem entsteht bei der Kohleveredelung
Wasserstoff.
Eine weitere Möglichkeit zur Erzeugung von Wasserstoff ist die elektrolytische
Zersetzung von Wasser:

Im Labor wird Wasserstoff durch Reaktion unedler Metalle, z. B. Zink oder Eisen, mit Säuren hergestellt:

Gewonnen werden die Alkalimetalle Lithium
und Natrium durch Elektrolyse der Schmelzen
ihrer Salze. Als Ausgangsstoffe werden dafür in der Regel Natriumhydroxid
oder Natriumchlorid bzw. Lithiumchlorid eingesetzt.
Kalium wird durch Reduktion von geschmolzenem
Kaliumchlorid mit Natrium hergestellt. Dieses Verfahren wird Metallothermie
genannt.

Rubidium und Caesium werden ebenfalls durch Reduktion geeigneter Verbindungen wie der Chromate z. B. mit Zirconium hergestellt.

Eigenschaften der Elemente und Verwendung
Wasserstoff ist ein farbloses, geruchloses
Gas, das aus zweiatomigen Molekülen besteht. Von allen Gasen hat
es die geringste Dichte. Es ist in Wasser schlecht löslich, löst
sich aber gut in manchen Nebengruppenmetallen, wobei Wasserstoffatome
in das Kristallgitter eingelagert werden. Die größte Löslichkeit
besitzt Wasserstoff in Palladium - in einem Liter Palladium lösen
sich bis zu 850 l Wasserstoff.
Die Hauptmenge des großtechnisch hergestellten Wasserstoffs wird
zur Synthese anderer Stoffe wie Ammoniak, Methanol oder Chlorwasserstoff
genutzt, außerdem zur Fetthärtung, als Raketentreibstoff und
zum autogenen Schneiden und Schweißen. Zur Herstellung bestimmter
Metalle, z. B. Wolfram oder Molybdän, aus ihren Oxiden wird Wasserstoff
als Reduktionsmittel eingesetzt. In Brennstoffzellen dient er zur Stromerzeugung
(Bild 4).
Die Alkalimetalle sind alle Leichtmetalle.
Lithium, Natrium, Kalium und Rubidium sind silberweiß, Caesium besitzt
einen Goldton.
Das Metall Lithium unterscheidet sich
in einigen Eigenschaften von den anderen Alkalimetallen und ähnelt
dem Magnesium. Ursache dafür ist, dass Lithium einen ähnlichen
Ionenradius wie Magnesium aufweist und seine Ionisierungsenergie im Vergleich
zu den übrigen Alkalimetallen deutlich höher ist. Ein Beispiel
ist z. B. die Löslichkeit der Salze: Sowohl Lithiumcarbonat als auch
Magnesiumcarbonat sind in Wasser schwer löslich, während die
übrigen Alkalicarbonate sich gut lösen. Diese Ähnlichkeit
zwischen Elementen aus benachbarten Gruppen findet man auch an anderen
Stellen im Periodensystem, z. B. zwischen Beryllium und Aluminium. Man
nennt sie Schrägbeziehung.
Eine Eigenschaft, die man ausnutzen kann, um Alkalimetalle in ihren Verbindungen
zu identifizieren, ist die jeweilige Flammenfärbung.
Lithium färbt die Bunsenbrennerflamme tief rot, Natrium färbt
sie gelb, Kalium und Rubidium violett und Caesium blau (Bild 5). Die typische
gelb-orange Farbe von Feuer kommt durch Natrium-Ionen zustande, die überall
vorhanden sind.
Lithium wird als Legierungsbestandteil
verwendet, um Blei, Magnesium und Aluminium zu härten.
Natrium dient als Ausgangsstoff z.
B. zur Herstellung von Natriumamid
für die Indigoherstellung, von Natriumperoxid
zum Bleichen und von Natriumcyanid NaCN, das zur Silbergewinnung benötigt
wird. Außerdem dient es in vielen organischen Synthesen als Reduktionsmittel.
Zu Beleuchtungszwecken werden Natriumdampflampen eingesetzt, die ein typisches
gelbes Licht ausstrahlen (Bild 6).
Kalium und Rubidium
sind in der Technik von geringer Bedeutung. Kalium wird als Reduktionsmittel
in der organischen Synthese eingesetzt. Rubidium wird in Form seiner Halogenide
in manchen Arzneimitteln verwendet.
Caesium dient in der Technik u. a.
zur Herstellung von Fotozellen, Gleichrichtern und Glühkatoden. Das
Isotop 137Cs, ein
-Strahler
mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren, wird in der Medizin als Strahlenquelle
verwendet.
Chemische Reaktionen, Verbindungen
und deren Verwendung
Wasserstoffverbindungen
Fast alle Elemente bilden mit Wasserstoff Verbindungen, wobei im Wesentlichen
drei Arten von Wasserstoffverbindungen
unterschieden werden können.
Kovalente Hydride werden die Wasserstoffverbindungen
genannt, in denen Wasserstoff kovalent gebunden ist. Es handelt sich um
die Wasserstoffverbindungen der Nichtmetalle und Halbmetalle. Wichtige
kovalente Hydride sind beispielsweise die Kohlenwasserstoffe, Ammoniak
, Wasser
und die
Halogenwasserstoffe.
Salzartige Hydride bestehen aus Hydrid-Ionen
und
den Kationen unedler Metalle wie z. B. der Alkali- oder der Erdalkalimetalle
(außer Beryllium). Sie bilden typische Ionengitter aus. Mit Wasser
reagieren sie in einer Komproportionierungsreaktion zu Wasserstoff:

Metallische Hydride entstehen, wenn
Wasserstoffatome in Lücken im Metallgitter eingelagert werden. Die
metallischen Eigenschaften bleiben dabei erhalten, d. h. metallische Hydride
sind Feststoffe, die wie Metalle aussehen, und sie leiten den elektrischen
Strom. Sie sind jedoch oft spröder als das entsprechende Metall.
Verbindungen der Alkalimetalle
Oxide
Die Alkalimetalle verbrennen an der Luft. So bildet Lithium langsam ein
Oxid
Natrium verbrennt zum Peroxid
Kalium, Rubidium und Caesium reagieren zu Hyperoxiden
Hydride
Alkalimetalle reagieren bei hohen Temperaturen mit Wasserstoff zu Hydriden,
die das Hydrid-Ion H- enthalten:

Da sie mit Wasser noch heftiger reagieren als die Metalle selbst, verwendet
man sie oft zur Beseitigung von Wasserspuren aus Reaktionsgemischen.
Natriumhydrid NaH wird als
starkes Reduktionsmittel verwendet. Lithiumhydrid LiH reagiert mit Aluminiumchlorid
zu Lithiumaluminiumhydrid,
das ein wichtiges Reduktionsmittel in der organischen Chemie ist. Es wird
gebildet aus Litiumhydrid und Aluminiumchlorid.

Hydroxide
Die Hydroxide der Alkalimetalle haben die allgemeine Form MeOH. Sie sind
von allen Hydroxiden die stärksten Basen. Sie entstehen unter anderem
bei der Reaktion von Alkalimetallen mit Wasser oder industriell bei der
Elektrolyse der wässrigen Lösungen ihrer Chloride (Chlor-Alkali-Elektrolyse).

Lithiumhydroxid wird großtechnisch auch durch Umsetzung des Carbonats mit Calciumhydroxid hergestellt.

Die wichtigsten und bekanntesten Alkalimetallhydroxide sind Natriumhydroxid
(Ätznatron NaOH) und Kaliumhydroxid
(Ätzkali KOH). In wässrigen Lösungen bezeichnet man sie
als Natronlauge bzw. Kalilauge.
Natriumhydroxid bzw. Natronlauge wird in großen Mengen bei der Aluminiumherstellung
zum Aufschluss von Bauxit benötigt. Außerdem wird NaOH zur
Herstellung von Zellstoff, Papier und Kunstseide gebraucht.
Kaliumhydroxid dient in der Industrie zur Produktion von Schmierseifen
und von Kaliumphosphaten zur Wasserenthärtung.
Halogenide
Verbindungen der Alkalimetalle mit den Halogenen führen zu farblosen,
hochschmelzenden, kristallinen Feststoffen der allgemeinen Form MeX (X=F,
Cl, Br, I). Die industriell wichtigste Verbindung dieser Art ist das Natriumchlorid
NaCl (Kochsalz). Mit Ausnahme von Lithiumfluorid LiF lösen sich alle
Alkalimetallhalogenide in Wasser.
Natriumchlorid ist industriell
von großer Bedeutung zur Herstellung von Chlor, Natronlauge, Natriumcarbonat
(Soda) und Salzsäure.
Sonstige Salze
Mit den meisten Säuren bilden Alkalimetalle Salze.
Die Kaliumsalze finden Verwendung als Düngemittel.
Die wichtigsten Düngemittel dieser Art sind z. B. Kaliumnitrat
Kaliumsulfat
und Kaliumchlorid KCl. Sie werden oft als Mischungen mit Magnesium- oder
Ammoniumverbindungen eingesetzt.
Industriell bedeutsame Verbindungen sind Soda (
),Glaubersalz
(
) und
Salpeter (
).
Natriumcarbonat (Soda)
dient hauptsächlich zur Herstellung von Glas und Waschmitteln. Natriumhydrogencarbonat
(Natriumbicarbonat)
wird vor allem als Backpulver verwendet, da es bei Wärmezufuhr Kohlenstoffdioxid
freisetzt:
Sodawasser enthält nicht Soda, sondern in Wasser gelöstes
Kohlenstoffdioxid (Kohlensäure). Seinen Namen hat es, weil das nötige
früher
aus Soda gewonnen wurde.
Natriumsulfat (Glaubersalz)
wird in der Glas-, Textil- und Papierindustrie verwendet. Außerdem
wird es in der Medizin als Abführmittel eingesetzt.