



Sterne sind keine unveränderlichen Objekte. Sie entstehen, entwickeln sich und vergehen. Da dieser Prozess in den verschiedenen Himmelsregionen ständig vor sich geht, können wir am Himmel alle Stufen der Sternentwicklung beobachten. Die Sterne repräsentieren in ihrer Gesamtheit eine Entwicklungs- und Altersequenz. Für die astronomische Forschung kommt es darauf an, die einzelnen beobachteten Objekte in der richtigen Reihenfolge ihrer zeitlichen Entwicklung einzuordnen und die Entwicklungen möglichst widerspruchsfrei zu erklären. Allgemein kann man bei der Entwicklung der Sterne unterscheiden zwischen dem Vor-Hauptreihenstadium, dem Hauptreihenstadium, der Nach-Hauptreihenentwicklung und den Endstadien der Sternentwicklung.
Das Vor-Hauptreihenstadium
Das Vor-Hauptreihenstadium
ist die Phase der Herausbildung eines Sterns. Das Baumaterial, aus dem
die Sterne bestehen, liefert die interstellare
Materie. Sie ist nicht gleichmäßig zwischen den Sternen
verteilt, sondern konzentriert sich in ausgedehnten Gas- und Staubwolken.
Diese Nebel sind die Geburtsstätten
der Sterne. Bei einer geringen Temperatur ist die Wärmebewegung der
Teilchen gering. Deshalb zerstreuen sich die Staub- und Gaswolken nicht.
Darüber hinaus wirken Gravitationskräfte, die zu einer Kontraktion
der Wolke führen können. Wahrscheinlich bedarf es noch eines
äußeren Anstoßes, damit ein kontinuierlicher Schrumpfungsprozess
bei Gas- und Staubnebeln ausgelöst wird. Das könnte z. B.
eine Sternexplosion sein, in deren Folge sich Verdichtungswellen durch
die interstellare Materie ausbreiten.
J. JEANS (1877-1946) hat daraus eine Bedingung entwickelt, die erfüllt sein muss, wenn ein Stern entstehen soll. Dieses JEANS-Kriterium lautet:

Aus astronomischen Beobachtungen kann man entnehmen, dass die interstellaren
Wolken hauptsächlich aus Wasserstoff bestehen. Ihre typische Ausdehnung
beträgt etwa 10 pc, die mittlere Temperatur liegt bei 50 Kelvin.
Als minimale Masse ergibt sich dann nach dem JEANS-Kriterium etwa die
1000-fache Sonnenmasse.
Während sich die Wolke zusammenzieht, wird sie immer heißer
und dichter. Außerdem zerfällt sie in kleinere Teilwolken,
in sogenannte Fragmente, die sich ihrerseits nun weiter verdichten. Diese
Vorstufe wird als Protostern
bezeichnet.
Damit ein lang dauernder stabiler Zustand erreicht wird, muss im Inneren
die Kernfusion in Gang kommen. Die Fusionsprozesse laufen von innen nach
außen ab, da im Inneren eines Sterns die höchste Temperatur
herrscht. Diese Sterne weisen dadurch eine Schalenstruktur bezüglich
der Elementzusammensetzung auf (Bild 3).
Durch die Fusionsprozesse wird im Inneren des neuen Objektes Energie freigesetzt. Ein neuer Stern ist entstanden. Der gesamte Vorgang dauert "nur" wenige Hunderttausend bis Millionen Jahre. Er vollzieht sich in vielen benachbarten Fragmenten gleichzeitig, sodass in der Regel nicht ein einzelner Stern entsteht, sondern sich die Sterne konzentriert in bestimmten Raumbereichen entwickeln und junge Sternhaufen bilden.
Nicht jede Sterngeburt verläuft
erfolgreich. Ist die Masse des Objektes kleiner als 0,08 Sonnenmassen,
so setzt keine Kernfusion ein, weil Temperatur und Dichte im Inneren nicht
die für eine Kernfusion erforderlichen Werte erreichen. Die Gaskugeln
kühlen sich allmählich wieder ab und treiben als braune Zwerge
durch das All.
Ist die Masse größer als 80 Sonnenmassen, dann wird das Objekt
so heiß, dass der innere Gasdruck die äußeren Hüllen
des jungen Sterns regelrecht wegbläst und dieser damit einen Teil
seiner Masse verliert.
Das Hauptreihenstadium
Der Begriff Hauptreihenstadium
bezieht sich auf das HERTZSPRUNG-RUSSELL-Diagramm und kennzeichnet ein
stabiles Stadium der Sternentwicklung, das einige Milliarden Jahre dauern
kann. Für unsere Sonne und sonnenähnliche Sterne beträgt
dieser Entwicklungsabschnitt insgesamt etwa 10 Mrd. Jahre. Das Hauptreihenstadium
ist dadurch gekennzeichnet, dass der Stern seine Leuchtkraft nur noch
mithilfe der Kernfusion aufrechterhalten kann und sich die Wasserstoffvorräte
in den zentralen Brennzonen immer weiter verringern.
Die Nach-Hauptreihenentwicklung
Nach Verlassen der Hauptreihe erschöpfen sich bei allen Sternen die
Wasserstoffvorräte in der Kernzone. Wasserstofffusion ist nur noch
eine sehr begrenzte Zeit möglich. Welche Entwicklungswege die einzelnen
Sterne dann durchlaufen, hängt entscheidend von ihrer Masse ab.
Auf unsere Sonne übertragen
bedeutet das, dass in ihr bereits seit ca. 4,5 Milliarden Jahren das Wasserstoffbrennen
erfolgt. Nach weiteren 5 Milliarden Jahren wird dieser Prozess beendet
sein, weil der gesamte Vorrat an Wasserstoff verbraucht ist. Unsere Sonne
ist dann zu klein, damit weitere Fusionsreaktionen ablaufen können.
Endstadien der Sternentwicklung
Die möglichen Endstadien der Sternentwicklung sind:
Die von den massereichen Planeten in das All abgegebene Materie steht erneut als Ausgangsmaterial für eine Sternentstehung zur Verfügung.
Sternpopulationen
Aus der Altersverteilung der Sterne unserer Galaxis kann eine Theorie
zur Entwicklungsgeschichte der Milchstraße abgeleitet werden. Hierzu
teilt man die Sterne in Populationen ein. Sternpopulationen
stellen eine größere Gruppierung von Objekten dar, die in einem
bestimmten Zeitintervall entstanden sind. Sie bilden ähnliche räumliche
Strukturen, weisen eine etwa gleiche chemische Zusammensetzung und weitgehend
übereinstimmendes Bewegungsverhalten auf.
Die Mitglieder der extremen Population I weisen eine mittlere Lebensdauer
von weniger als 100 Millionen Jahren auf. Bei ihnen handelt es sich um
Objekte, die beispielsweise in vielen OB-Assoziationen gefunden werden,
also um die Sterne, die bevorzugt in den Spiralarmen konzentriert sind.
Im Gegensatz dazu sind die Mitglieder der Halo-Population II ungefähr
15 Milliarden Jahre alt. Die Sonne ist ein Stern der Population I.
Man darf das Schema der Sternpopulationen nicht als starre Vorgabe interpretieren.
Vielmehr sind die Grenzen zwischen den Unterpopulationen fließend.
Als Klassifikationsmerkmale werden
die Häufigkeit
schwerer Elemente im Spektrum des Sterns, das Bewegungsverhalten und
die räumliche Verteilung herangezogen. Die Bedeutung der Sternpopulationen
resultiert aus der Tatsache, dass gerade diese Merkmale auch bei der Erforschung
der Entwicklung der Sternsysteme eine grundlegende Rolle spielen.
Man geht davon aus, dass bei der Entstehung des Milchstraßensystems
vor ca. 15 Milliarden Jahren lediglich Wasserstoff und Helium als Baumaterial
zur Verfügung standen. Dementsprechend konnten die damals gebildeten
Sterne keine schwereren Elemente enthalten.
Die inzwischen tief im Innern dieser Sterne durch Kernfusion gebildeten schwereren Elemente sind nicht oder kaum an die Oberflächen gelangt, daher findet man ihre Spektrallinien auch nicht im Sternenlicht. Die betreffenden Sterne gehören der Population II an.
Ganz anders hingegen verhalten sich die Spektren der Sterne der Population
I. Als diese Sterne viel später entstanden, war die interstellare
Materie durch Supernova - Explosionen oder andere Formen der Materieabgabe
von Sternen schon vielfach mit schwereren Elementen verunreinigt. Deren
Existenz verrät sich deshalb auch im Spektrum. Man spricht in der
Astrophysik davon, dass der "Metallgehalt" solcher Sterne hoch
wäre. Mit Metall meint man dann
alle chemischen Elemente ab dem Helium.
Der Metallgehalt im Spektrum ist ein wichtiges Indiz für das Alter
eines Sterns. Da die Halosterne metallarm sind, hat die Sternentstehung
im Halo früher als in der Scheibe statt gefunden.