


Der Essig (latein.: acetum)
ist ein saures Genuss-, Würz-, und Konservierungsmittel, das bereits
den Menschen um 5 000 vor Christus bekannt war.
Die Geschichte des Essigs
Essig besteht aus Ethansäure (Essigsäure) und Wasser.
Als Speiseessig wird häufig eine 5-prozentige Lösung verwendet.
Essig war damals wie heute ein wichtiges Konservierungsmittel
und Gewürz. In
alten Schriften wird er als Erfrischungsgetränk
für Reisen, auf der Jagd, auf Eroberungszügen und bei der Arbeit
erwähnt.
HIPPOKRATES beschrieb die Anwendung des Essigs als innerliches und äußerliches
Heilmittel. Über viele Jahrhunderte benutzte
man die Säurelösung als Desinfektionsmittel.
So wurden zum Beispiel die Pestmasken während der todbringenden Epidemien
in Essig getränkt.
Ende des 14. Jahrhunderts stand die Zunft des Essigsiedens in voller Blüte.
In Essigstuben, welche sich an den Südseiten der Häuser befanden,
wurde das kostbare Nass hergestellt.
Die Wände dieser Stuben bestanden aus Gips, denn nur dieser Baustoff
konnte den aggressiven Essigdämpfen standhalten. Als Ausgangsstoff
verwendeten die Essigsieder vorzugsweise Bier, Obst- und Traubenweine,
die mit Fruchtsäften, Zucker, Honig oder Malz versetzt waren.
Essig heute
Auch heute werden unterschiedliche Ausgangsmaterialien genutzt. Der Essig
ist, je nach seiner Herkunft, farblos bis braun gefärbt und kommt
in den Handel unter den Bezeichnungen Tafel-, Speise-, Einmachessig oder
Essigessenz.
Die Essigessenz enthält dabei 15 bis 25 g Essigsäure pro 100
ml, die anderen Essigsorten nur 5 bis 15 g.
Der bei der natürlichen Gärung gewonnene Rohessig enthält
noch andere organische Bestandteile, wie z. B. Aldehyde, Aceton und Essigsäureester.
Die typischsten im Handel erscheinenden Sorten sind:
Essig darf nicht in Metallgefäßen gelagert werden, da die
Essigsäure die meisten Metalle angreift und dabei Acetate entstehen,
wie z. B. Eisen-, und Zinkacetat oder Kupferacetat.
Die Lagerung in Holzfässern ist daher nicht nur eine Alternative,
sondern wird auch fast ausschließlich angewendet, da diese Lagerung
die Qualität des Essigs erhöht.
Aufbau und Eigenschaften der Ethansäure
Die Essigsäure
ist umgangssprachlich nach dem Würzmittel benannt. Ihr systematischer
Name ist Ethansäure.
Es handelt sich um eine organische Säure (Carbonsäure), deren
Moleküle zwei Kohlenstoffatome besitzen, die mit einer Einfachbindung
miteinander verbunden sind (gesättigte Alkansäure).
Die funktionelle Gruppe ist, wie bei allen anderen Carbonsäuren auch,
die Carboxylgruppe -COOH.
Die stark vereinfachte Strukturformel der Essigsäure ist
.
physikalische Eigenschaften:
molare Masse: 60,1 g/mol
Dichte: 1,044
(bei
25°C)
Schmelztemperatur: 16,7°C
Siedetemperatur: 117,9°C
chemische Eigenschaften:
Ethansäure ist eine stechend riechende, farblose, klare, stark hygroskopische
(Wasser anziehende) Flüssigkeit.
Wasserfreie Essigsäure wird Eisessig
genannt. Der Name rührt daher, dass die reine Ethansäure schon
bei 16,7°C zu eisähnlichen Kristallen erstarrt.
Die reine Flüssigkeit leitet den elektrischen Strom nicht und färbt
Unitestindikator nicht rot.
Ethansäure ist mit Wasser, Ether, Chloroform, Ethanol, etherischen
Ölen, Tetrachlormethan, Glycerol und einigen anderen Stoffen in jedem
beliebigen Verhältnis mischbar.
Die Ethansäure ist eine relativ schwache bis mittelstarke Säure. Das bedeutet, dass sie mit Wasser nicht vollständig zu den Acetat-Ionen und Wasserstoff-Ionen (bzw. Oxonium-Ionen) reagiert. Trotzdem zeigt die Lösung natürlich aufgrund der enthaltenen Wasserstoff-Ionen (bzw. Oxonium-Ionen) eine saure Reaktion.
Salzbildungsreaktionen der Essigsäure
Typisch für Säuren sind Salzbildungsreaktionen. Auch die Essigsäure
bildet Salze. Ihre Salze heißen Acetate.
Obwohl Essigsäure nur eine schwache Säure ist (vom Ausmaß der Protolyse her gesehen), reagiert sie mit unedlen Metallen unter Wasserstoffentwicklung. Beispielsweise bildet sich mit Kupfer das giftige Kupferacetat.
Da die Essigsäure eine stärkere Säure als Kohlensäure ist, setzt sie aus Carbonaten Kohlenstoffdioxid frei (Entfernung von Kesselstein in Haushaltsgeräten).

Eine typische Reaktion der Ethansäure ist die Esterbildung.
Ethansäure kann aufgrund ihrer Carboxylgruppe mit Alkoholen reagieren.
Dabei entstehen Ethansäureester, z. B. Ethansäureethylester.
Ethansäure erkennt man noch in sehr geringen Konzentrationen an
ihrem typischen Essiggeruch. Lösungen der Essigsäure, die mit
Natronlauge neutralisiert werden, lassen sich mit Eisen(III)-chlorid-Lösung
nachweisen.
Es bildet sich ein tiefroter Komplex, der sich beim Zusatz von Salzsäure
wieder entfärbt. Diese Reaktion dient auch als spezieller Nachweis
für diese Carbonsäure.
Herstellung der Ethansäure
Die älteste bekannte Methode zur Herstellung
von Essigsäure ist die Essigsäuregärung durch Essigsäurebakterien,
bei der unter Sauerstoffzufuhr mithilfe der Enzyme der Essigsäurebakterien
ethanolhaltige Flüssigkeiten oxidiert werden.
Auch wenn dieser Stoffwechselprozess als Gärung bezeichnet wird,
gehört er eigentlich nicht in diese Gruppe, denn die Essigsäuregärung
findet, im Gegensatz zu den eigentlichen Gärungsvorgängen, nur
mit Sauerstoff statt. Dabei wird Ethanol ("Alkohol") oxidiert.
Aber es handelt sich um einen Dissimilationsvorgang, denn organische Substanz
wird zum Zweck der Energiefreisetzung umgesetzt. Die Reaktion verläuft
in zwei Schritten.
Für den schrittweise ablaufenden Prozess kann folgende Gesamtgleichung
angegeben werden.
Ethanol + Sauerstoff -→ Essigsäure + Wasser
Die biotechnologische Herstellung erfolgt in großen Holzbottichen.
Über Buchenholzspäne wird ein Gemisch verrieselt, das Ethanol
("Alkohol") enthält.
Die Belüftung wird von unten durchgeführt, sodass für die
Essigsäuregärung ausreichend Sauerstoff vorhanden ist (siehe
Bild 3).
Technisch kann Ethansäure auch durch andere Verfahren gewonnen werden.
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1. |
Die Gewinnung von Essigverbindungen (z. B.
Essigsäureester) durch Trockendestillation
von Holz begann etwa im Jahre 1870. Der entstehende "Holzessig" wird gereinigt und destilliert und zu Ethansäure weiter verarbeitet. |
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2. |
Essigsäure kann man auch auf Basis von Ethen gewinnen. Durch katalytische Oxidation von Ethen erhält man Acetaldehyd, der dann weiter zu Essigsäure oxidiert wird. 2 CH2= CH2 + O2 -→ CH3– CHO 2 CH3–CHO + O2 -→ 2 CH3–COOH |
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3. |
Es ist ebenfalls möglich, die Ethansäure aus Methanol und Kohlenstoffmonooxid zu gewinnen.
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Die so hergestellte Ethansäure wird hauptsächlich zur Herstellung
von verschiedenen Ethansäureestern
verwendet, die wegen ihres fruchtartigen Geruches in der Parfümerie
benötigt werden.
Die Salze der Ethansäure, wie z. B. Natrium-, Aluminium-, Zink-
und Bleiacetat, finden in der Leder- und Textilindustrie Anwendung, sowie
in der Medizin und Färberei.
Die Ethansäure dient ebenfalls als Lösungsmittel und Zwischenprodukt
bei organischen Synthesen, u. a.:
| Speiseessig: | etwa 5-6 % |
| Essigessenz: | etwa 25 % |
| konzentrierte Essigsäure: | > 96 % |
| Eisessig: | 100 % |