
Ursachen der Eutrophierung
Ursachen der Eutrophierung
sind in der Regel vermehrte Einträge von Phosphor- und Stickstoffverbindungen,
die in der natürlichen Zusammensetzung des Wassers nicht vorhanden
sind und dadurch normaler Weise das Pflanzenwachstum beschränken.
Genau das ist das Prinzip der von JUSTUS VON LIEBIG propagierten Düngemittelwirkung.
Er erkannte das Gesetz des Minimums. Das bedeutet nichts anderes, als
dass das maximale Wachstum einer Pflanze von dem Spurenelement begrenzt
wird, das in der kleinsten Menge (im Minimum) vorhanden ist. Eine Erhöhung
anderer Spurenelemente kann keine Wachstumssteigerung bewirken. Seine
Skizze mit dem Fass, das an der Stelle ausläuft, an der sich die
kürzeste Fassdaube (das Element im Minimum) befindet, ist auch heute
noch bekannt. In natürlichen Gewässern ist in der Regel die Phosphatkonzentration sehr gering und damit der Minimumsfaktor.
Der Anteil der Phosphorverbindungen, besonders der Phosphate,
ist für das Ausmaß der Eutrophierung entscheidend. Welche Gründe
gab es für den übermäßigen Einsatz von Phosphaten?
Neben der starken Düngung von
Feldern in der Landwirtschaft spielten in der Vergangenheit besonders
Einträge aus privaten Haushalten eine entscheidende Rolle: z. B.
durch Pentanatriumtriphosphat. Dieser anorganische Komplexbildner war
ein wichtiger Waschmittelinhaltsstoff bis in die 70er-Jahre des letzten
Jahrhunderts. Diese preisgünstige Verbindung dissoziiert in Wasser
in ein Triphosphat-Anion und Natrium-Kationen. Es bildet als guter Wasserenthärter
mit
und
stabile Chelatkomplexe und stellt einen günstigen pH-Wert von 9,5
in der Waschlauge ein. Das fünffach negativ geladene Triphosphat-Ion
wird an Fasern und Schmutz adsorbiert und verstärkt deren negative
Ladung. Dadurch unterstützt es die Schmutzablösung bei polarem
Schmutz stärker als Tenside und erleichtert das Ausspülen der
Wäsche.
Gelangt aber zu viel Triphospat aus Waschmitteln in Seen und Flüsse,
kommt es zu einer Überdüngung, weil Phosphate als Nährstoffe
das Wachstum von Pflanzen und Mikroorganismen fördern können.
Das damit verbundene Algenwachstum führt durch Sauerstoffverbrauch
und Trübung zu einer Verschlechterung der Wasserqualität, zur
Eutrophierung stehender und langsam fließender Gewässer.
Aus diesem Grund wurden Phosphate durch Zeolith A oder Polycarboxylate
ersetzt.
Die Eutrophierung ist besonders bedrohlich für Binnenseen und langsame Fließgewässern, die zu den besonders empfindlichen Ökosystemen gehören: Gelangen durch die Einleitung von waschmittelhaltigem Abwasser oder den unbeabsichtigten Eintrag von Gülle und chemischen Düngemitteln von Feldern zu viele Pflanzennährstoffe in Gewässer mit niedrigem Wasseraustausch, setzt die Eutrophierung recht schnell ein. In Seen kommt es zu einem erhöhten Algenwachstum und einer Verkrautung durch wild wuchernde Wasserpflanzen. Das vermehrte Pflanzenwachstum führt zu einer Trübung des Wassers und tiefer liegende Pflanzenschichten können aufgrund mangelnden Lichteinfalls keine Fotosynthese mehr leisten. Sie sterben ab. Abgestorbene Organismen sinken zum Gewässergrund und werden in den unteren Gewässerschichten durch Mikroorganismen über aerobe Abbauvorgänge zersetzt. Es wird also verstärkt Sauerstoff zum Abbau des organischen Materials benötigt. Mit zunehmender Gewässertiefe wird diese Sauerstoffzehrung immer größer, und in dieser Gewässerschicht wird mehr Sauerstoff verbraucht, als eingetragen wird. Als Folge sinkt der Sauerstoffgehalt des Wassers mit zunehmender Tiefe. Durch die Temperaturschichtung im Sommer findet keine Durchmischung des warmen spezifisch leichteren Oberflächenwassers mit dem kälteren und damit schwereren Tiefenwasser statt. Somit kann auch kein Sauerstoff nach unten nachgeliefert werden (Bild 2). Am Grund des Sees ist irgendwann kein Sauerstoff mehr vorhanden und aerobe Abbauvorgänge werden durch anaerobe Abbauprozesse (ohne Sauerstoffbedarf) ersetzt. Fäulnisbakterien produzieren giftige Schwefelwasserstoffverbindungen, Ammoniak, Methan, es bilden sich stinkende Faulschlämme. Neben Pflanzen sterben auch Tiere. Bei extremer Eutrophierung spricht man vom "Umkippen" des Sees (Bild 3).
Ein Beispiel für ein stark eutrophiertes Binnenmeer ist die Ostsee. Die in die Ostsee mündende Flüsse tragen übermäßig viele Pflanzennährstoffe ein. Sie verfügt nur über schmale Verbindungen zu den Weltmeeren, Wasseraustausch findet nur eingeschränkt statt.
Die Eutrophierung von Gewässern kann unterbunden und sogar rückgängig gemacht werden. Eine Möglichkeit ist die Sanierung der Gewässer. Dazu muss der Nährstoffeintrag stark reduziert bzw. gestoppt oder die Nährstoffe aus dem See entfernt werden. Das ist ein sehr aufwendiger und auch kostenintensiver Prozess. Erfolgreiche Bemühungen führten bei Seen im Alpenvorland und der Mecklenburgischen Seenplatte nach dem gesellschaftlichen Umbruch von 1989 durch drastisch verminderte Nährstoffeinträge aus Industrie- und Landwirtschaft und zusätzlichen Bau von Abwasserreinigungsanlagen zur Erholung der Gewässer.
Abwasserreinigung
Die Reinigung von Abwasser ist eine weitere Möglichkeit, den Stoffeintrag
in die Gewässer zu reduzieren und damit von immenser Bedeutung. Die
Abwasserreinigung erfolgt
in mehreren Schritten. Ausführliche Informationen gibt es dazu unter
dem Stichwort "Abwasserreinigung".