



2. Entwicklungsfärbung
Im Gegensatz zu den Direktfarbstoffen entstehen die Entwicklungsfarbstoffe
erst auf der Faser. Es sind häufig Azofarbstoffe.
Für ihre Herstellung benötigt man zwei Komponenten, nämlich
einen Aromaten als Kupplungskomponente und ein aromatisches Diazoniumsalz.
Die Kupplungskomponente wird im basischen, wässrigen Medium gelöst.
Die Fasern, bei denen es sich meistens um Cellulosefasern handelt, werden
damit durchtränkt und dann getrocknet. Anschließend werden
sie mit der Lösung des Diazoniumsalzes behandelt. Die Kupplungsreaktion,
bei der der Farbstoff entsteht, findet somit auf der Faser statt (Bild
3). Wie auch die Küpenfarbstoffe sind die Entwicklungsfarbstoffe
nicht wasserlöslich und daher sehr waschecht.
Als Kupplungskomponente wird häufig Naphtol® AS (3-Hydroxy-2-naphthoesäureanilid),
ein Derivat des Naphthalins, verwendet, weswegen man auch von Naphtol-AS-Farbstoffen
spricht.
Küpenfärbung
Die Küpenfärbung
ist eine besondere Art der Entwicklungsfärbung. Küpenfarbstoffe,
deren wichtigster Vertreter Indigo
ist, sind wasserunlöslich und können daher nicht direkt auf
die Fasern aufgebracht werden. Man überführt sie daher zunächst
mit einem Reduktionsmittel, z. B. Natriumdithionit
,
in eine wasserlösliche Form. Da die reduzierte Form meist nicht mehr
farbig ist, wird sie Leukoform (von
griech. leukos = weiß) genannt.

Mit der Lösung kann wie bei einer Direktfärbung weiterverfahren
werden. Während der Trocknung des Färbeguts wird die Leukoform
des Farbstoffes durch den Luftsauerstoff wieder oxidiert und erhält
seine Farbigkeit zurück. Dieser Vorgang lässt sich natürlich
durch die Behandlung mit Oxidationsmitteln beschleunigen. Da sie nicht
wasserlöslich sind, besitzen diese Farbstoffe eine höhere Waschechtheit
als die oben genannten Direktfarbstoffe. Trotzdem bleichen indigogefärbte
Stoffe mit der Zeit aus, weil der Farbstoff nur aufgrund von van-der-Waals-Wechselwirkungen
und Wasserstoffbrückenbindungen an der Faser haftet und sich durch
mechanische Belastung von ihr löst.
Reaktivfärbung
Eine relativ neue Färbemethode ist die Reaktivfärbung.
Der Farbstoff besitzt eine reaktive Gruppe, die mit der Farbigkeit selbst
nichts zu tun hat. Diese reaktive Gruppe ist in der Lage, mit den Hydroxy-Gruppen
von Cellulosefasern eine Atombindung einzugehen. Eine wichtige reaktive
Gruppe ist der Dichlortriazin-Rest. Er reagiert unter Abspaltung eines
Chloratoms mit der Cellulosefaser (Bild 5). Dadurch ist der Farbstoff
besonders fest mit der Faser verknüpft, sodass eine sehr haltbare
Färbung entsteht.
3. Dispersionsfärbung
Die Dispersionsfärbung
wird bei unpolaren Fasern wie z. B. Polyesterfasern angewandt. Die wasserunlöslichen
Farbstoffe, bei denen es sich in der Regel um Azofarbstoffe handelt, werden
mit Hilfsstoffen zu einer Suspension verarbeitet. Die Fasern "extrahieren"
die Farbstoffmoleküle sozusagen aus der Suspension. Sie diffundieren
in die Faser hinein, wodurch eine sehr waschechte Färbung entsteht.