


Bedeutung der Fette
So unangenehm für den Menschen zu viel Fett im
Körper ist, so lebenswichtig und von großer Bedeutung
sind die Fette für Pflanzen, Tiere und Menschen.
Zum Aufbau von körpereigenen Fetten müssen Menschen und Tiere
diese Stoffe mit der Nahrung aufnehmen.
Pflanzen bilden die Fette durch Umwandlung von Glucose,
die bei der Fotosynthese entsteht.
Die Fette erfüllen im menschlichen Körper folgende wichtige Funktionen:
Beim Abbau von Fetten wird Energie frei. Diese Energie steht den Organismen zum Ablauf der Lebensprozesse zur Verfügung. Deshalb sind Fette Energiespeicher in den Zellen.
Die mit der Nahrung aufgenommenen Fette werden während der Verdauung in kleinste wasserlösliche Bestandteile zerlegt, gelangen ins Blut
und können als Ausgangsstoffe für körpereigenen Fette dienen.
Nicht sofort benötigtes Fett wird gespeichert und dient als Energiereserve.
Ein Teil umhüllt die inneren Organe und wird als Baufett bezeichnet.
Viele Tiere besitzen eine dicke Schicht körpereigenen Fetts, um
sich vor Kälte und vor Feuchtigkeit zu schützen. Ein ausgeprägtes
Unterhautfettgewebe, z. B. bei Robben, ist eine gute Isolationsschicht.
Das Gefieder der Vögel oder das Fell der Säuger wird durch Einfetten
wasserabweisend (Bild 2).
Fette haben aber auch im Zusammenhang mit gesunder Ernährung Bedeutung:
Da die Vitamine A, D und E wasserunlöslich, aber fettlöslich
sind, kann sie der Körper nur gelöst in fetthaltige Nahrung
aufnehmen.
Aufbau und Eigenschaften der Fette
Fette sind Stoffgemische, die aus Estern des Propan-1,2,3-triols (Glycerin)
mit drei langkettigen organischen Säuren bestehen. Diese unverzweigten Fettsäuren mit gerader Anzahl von Kohlenstoffatomen bestimmen maßgeblich die Eigenschaften der Fette.
Jede Hydroxylgruppe des Glycerols kann dabei mit einer anderen Säure verestert sein, dadurch ist eine große Vielfalt unterschiedlicher Fette gegeben.

Fettsäuren
Die am Bau der Fette beteiligten Carbonsäuren bezeichnet man als
Fettsäuren.
Bei den Fettsäuren handelt es sich um meist langkettige Carbonsäuren.
Eine Ausnahme bildet Butter, die auch kürzerkettige Fettsäuren
im Molekül aufweist.
In den natürlichen Fetten sind die Ketten immer unverzweigt und aus
einer geradzahligen Anzahl von Kohlenstoffatomen aufgebaut. Es handelt
sich entweder um langkettige gesättigte (Alkansäuren) oder um
ungesättigte bzw. mehrfach ungesättigte Verbindungen. Tierische Fette enthalten teilweise auch geringe Anteile an Fettsäuren mit einer ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen.
Die ungesättigten Fettsäuren enthalten eine oder mehrere Doppelbindungen
im Molekül.
Bezeichnung wichtiger gesättigter Fettsäuren:
Kettenlänge |
Abkürzung |
Trivialname |
C4 |
4 : 0 |
Buttersäure |
C12 |
12 : 0 |
Laurinsäure |
C14 |
14 : 0 |
Myristinsäure |
C16 |
16 : 0 |
Palmitinsäure |
C18 |
18 : 0 |
Stearinsäure |
C20 |
20 : 0 |
Arachinsäure |
Bezeichnung wichtiger ungesättigter Fettsäuren:
Kettenlänge |
Position der Doppelbindung |
Abkürzung |
Trivialname |
C12 |
C9 |
12 : 1 |
Lauroleinsäure |
C14 |
C9 |
14 : 1 |
Myristoleinsäure |
C16 |
C9 |
16 : 1 |
Palmitoleinsäure |
C18 |
C9 |
18 : 1 |
Ölsäure |
C9, C12 |
18 : 2 |
Linolsäure |
|
C9, C12, C15 |
18 : 3 |
Linolensäure |
|
C20 |
C9 |
20 : 1 |
Gadoleinsäure |
C5, C8, C11, C14 |
20 : 4 |
Arachidonsäure |
Dass ungesättigten Carbonsäuren in den Fetten enthalten sind, kann man durch die Entfärbung von Bromwasser (Brom in Wasser) nachweisen (Bild 3).
Die Tabelle (Bild 4) zeigt den Anteil verschiedener Fettsäuren in wichtigen pflanzlichen und tierischen Fetten und Ölen (in %). (16 : 0 bedeutet eine gesättigte Fettsäure mit 16 C-Atomen im Molekül, 18 : 2 bedeutet eine ungesättigte Fettsäure mit 18 C-Atomen und zwei Doppelbindungen im Molekül.)
Einteilung der Fette
Nach dem Aggregatzustand sind feste
Fette, halbfeste und flüssige zu unterscheiden.
Am Aufbau fester Fette sind fast ausschließlich gesättigte
Fettsäuren beteiligt.
Die festen Fette sind bis auf wenige Ausnahmen, z. B. Kokosfett, tierischer
Herkunft.
Die flüssigen Fette enthalten ungesättigte Fettsäuren in
verschiedenen Anteilen. Sie sind vorwiegend pflanzlicher Herkunft, aber auch das Fett von Fischen ist reich an ungesättigten Fettsäuren. Sie
sind sehr gesund, da der Körper des Menschen diese ungesättigten
Fettsäuren nicht selber herstellen kann und deshalb dringend benötigt.
Fette, die bei Zimmertemperatur flüssig sind, bezeichnet man auch
als fette Öle.
Die ungesättigten Fettsäuren werden zudem in sogenannte ω-Gruppen eingeteilt. Die Zählung geht dabei von der Methylgruppe aus. Bei einer ω-3-Säure ist die erste Doppelbindung im Molekül drei C-Atome von der Methylgruppe entfernt. Die Linolensäure ist somit eine ω-3-Säure, die Linolsäure eine ω-6-Säure und die Ölsäure eine ω-9-Säure. Die ω-3-Fettsäuren sind darunter ernährungsphysiologisch besonders wertvoll.
In den ungesättigten Fettsäuren sind alle Doppelbindungen cis-ständig. Bei der technischen Fetthärtung zur Herstellung von Margarine aus flüssigen Fetten entstehen auch in gewissem Umfang trans-Fettsäuren. Auch in der Kuhmilch sind trans-Fette zu etwa 8 % enthalten. Die trans-Fette werden im Körper genauso gut verwertet wie cis-Fette. Ob sie negative gesundheitliche Wirkungen haben, ist noch nicht mit Sicherheit geklärt. Es steht aber mit Sicherheit fest, dass trans-Fettsäuren die essentiellen cis-Fettsäuren im Stoffwechsel nicht ersetzen können.
Die Doppelbindungen in den ungesättigten Fettsäuren sind reaktiv und werden auch durch Luftsauerstoff angegriffen. Das betrifft besonders die mehrfach ungesättigten, wie die Linolensäure. Die vom Geschmack und vom Geruch her wahrnehmbaren Veränderungen bei zu lange gelagertem Leinöl rühren von Oxidationsprodukten her.
Eigenschaften der Fette
Da Fette keine einheitlichen Stoffe, sondern Stoffgemische sind, haben
sie keine exakte Schmelztemperatur. Sie besitzen einen Schmelzbereich.
Alle Fette sind in Wasser unlöslich. Ihre Dichte liegt unterhalb
1
.
Sie schwimmen deshalb auf dem Wasser. Aus Geweben können sie wegen
ihrer Wasserunlöslichkeit nur mit organischen Lösungsmitteln
entfernt werden.
Durch kräftiges Rühren oder Schütteln können Fette
mit Wasser vermischt werden, es entsteht eine Emulsion,
die kleinste Fetttröpfchen enthält, aber nicht lange beständig
ist.
Die Fetttröpfchen können aber durch die Anlagerung oberflächenaktiver Stoffe (Tenside) stabilisiert werden. So sind in der Milch Eiweißmoleküle an die Fetttröpfchen angelagert. Dadurch rahmt die Milch erst nach einiger Zeit auf, das Milchfett schwimmt an der Oberfläche. Die im Handel erhältliche Milch rahmt allerdings auch nach mehreren Tagen nicht mehr, weil sie homogenisiert ist. Dabei wird die Milch mit hoher Geschwindigkeit durch Düsen gepresst und die Fetttröpfchen werden zerkleinert. Sie können sich dann nicht mehr zu großen Tropfen zusammenlagern. Da diese kleinen Fetttröpfchen aber die Darmwand passieren können, besteht die Vermutung, dass sie eventuell andere Stoffe mit durchschleusen. Diese können dann bei empfindlichen Personen beispielsweise Allergien auslösen.
Gewinnung der Fette
Die Gewinnung der Fette aus
Tieren oder Pflanzen kann durch Ausschmelzen, Auspressen, Extrahieren
und Raffinieren erfolgen.
.
Beim Ausschmelzen werden tierische Teile, die reich an Depotfett sind,
auf den Schmelzbereich der enthaltenen Fette erhitzt. Bindegewebsanteile
bleiben im festen Aggregatzustand und können vom flüssigen Fett
abgetrennt werden.
Ölhaltige Samen werden gut zerkleinert. Unter Druck erfolgt das Auspressen
des Öls. Der noch ölhaltige Rückstand ist ein nährstoff-
und energiereiches Futtermittel.
Beim Extrahieren wird über die zerkleinerten Ölfrüchte
(Samen) ein Lösungsmittel gesprüht. Es löst das Öl
aus den Samen heraus. Durch das Stofftrennungsverfahren der Destillation
kann das Öl vom Lösungsmittel getrennt werden.
Das durch Auspressen oder Extrahieren gewonnene Öl enthält noch freie Fettsäuren sowie störende Geschmacks- und Geruchsstoffe. Diese störenden Begleitstoffe (z. B. Eiweiße) werden dann in der Raffination beispielsweise durch Filtrieren abgetrennt.
Verwendung
Fette und Öle dienen nicht nur der Ernährung, sie sind auch ein wichtiger Rohstoff für die chemische Industrie. Durch Hydrolyse der Ester gewinnt man die Fettsäuren, die unter anderem zur Herstellung von Waschmitteln dienen. Rapsöl wird zur Gewinnung von Motortreibstoff, dem Biodiesel, genutzt. Dabei wird der Glycerolester mit Methanol zu den Methylestern der Fettsäuren umgearbeitet, da diese günstigere verbrennungstechnische Eigenschaften aufweisen.