

Freisetzung chemischer Energie durch
Stoffwechselwege
Lebende Systeme befinden sich in einem ständigen Fließgleichgewicht.
Als Stoffwechsel (Metabolismus)
bezeichnet man alle chemischen Reaktionen der Stoff- und Energieaufnahme,
-umwandlung und -abgabe, die in Organismen ablaufen und in Austausch mit
der Umwelt ablaufen. Sie dienen dem Aufbau und der Speicherung von Zellsubstanz
und gliedern sich in Assimilation und
Dissimilation. Beide Vorgänge
treten in verschiedenen Stoffwechselwegen auf. Bei der Assimilation werden
aus der Umwelt aufgenommene Stoffe unter Energiezufuhr in körpereigene
Stoffe umgewandelt (z. B. Fotosynthese). Durch Dissimilation werden
körpereigene Stoffe unter Energiefreisetzung abgebaut (Atmung, Gärung).
Eigentlicher Energieträger im Stoffwechsel ist das Molekül ATP (Adenosintriphosphat). Die die verfügbare Energie in diesem Molekül liegt in den Anhydridbindungen der drei Phosphate vor, die im ATP an die Ribose des Adenosin gebunden sind. Bei der Spaltung dieser Anhydridbindungen wird diese Bindungsenergie frei und aus ATP entsteht ADP (Adenosindiphosphat). In einigen Fällen wird auch noch die zweite Anhydridbindung gespalten, wobei aus ADP dann AMP (Adenosinmonophosphat) entsteht. Bei der Spaltung (Hydrolyse) von ATP werden ca. 30 kJ/mol Bindungsenergie pro gespaltener Anhydridbindung frei.
Bei der Assimilation werden körperfremde Stoffe in körpereigene Substanzen umgewandelt. Diese Prozesse laufen meistens endergon (Energie benötigend) ab. Die gebildeten organischen Substanzen heißen Assimilate. Sie werden für das Wachstum, die Vermehrung der Organismen und zum Aufbau von Speicherstoffen benötigt. Die Speicherstoffe werden im Baustoffwechsel oder zur Energiefreisetzung genutzt. Baustoffe sind Biomoleküle, die dem Aufbau körpereigener Substanzen dienen. Sie unterliegen einem ständigen Abbau und Verbrauch und werden kontinuierlich durch neue ersetzt. Die Gesamtheit der Prozesse zum Auf- und Abbau von Baustoffen nennt man Baustoffwechsel. Dem gegenüber steht der Betriebsstoffwechsel, der mit dem Energiestoffwechsel gleichgesetzt wird. Eine scharfe Abgrenzung zu den Betriebsstoffen ist nicht möglich, da auch Baustoffe im Energiehaushalt eingesetzt werden, z. B. beim Abbau organischer Stoffe im Hungerzustand.
Die beiden Assimilationsformen sind die autotrophe
und die Assimilation heterotropher
Zellen. Autotrophe Organismen können ihre organischen Moleküle
aus anorganischen Rohstoffen herstellen, die sie der Umwelt entnehmen.
Sie werden deshalb auch als Primärproduzenten
der Biosphäre bezeichnet. Zu ihnen gehören alle Moose, Farne,
Blütenpflanzen, Algen, Cyanobakterien und einige andere Bakterien,
z. B. schwefeloxidierende Bakterien. Der wichtigste Vorgang der autotrophen
Assimilation ist die Fotosynthese. Orte der Fotosynthese
bei Pflanzen sind die Chloroplasten, bei Cyanobakterien Membranen mit
Licht sammelnden Pigmenten. Energie liefert das Licht. Aus dem energiearmen
Kohlenstoffdioxid, Wasser und Mineralsalzen entstehen unter Einwirkung
von Lichtquanten energiereiche organische Stoffe. Die Vorgänge nennt
man deshalb fotoautotroph.
Eine weitere Form der autotrophen Assimilation ist die Chemoautotrophie.
(Früher wurde sie als Chemosynthese bezeichnet. Im Gegensatz zur
Biosynthese versteht man unter Chemosynthese aber die Bildung chemischer
Verbindungen aus ein oder mehreren Ausgangsstoffen im Reagenzglas.)
Die Chemoautotrophie
kennzeichnet alle Stoffwechselvorgänge in bestimmten Bakterien, bei
denen aus
organische Stoffe gebildet werden. Die Energie für diese Vorgänge
stammt nicht wie bei der Fotosynthese vom Licht sondern aus der Oxidation
anorganischer Substanzen, z. B. Schwefelwasserstoff, Ammoniak oder Eisenionen.
Deshalb bezeichnet man diese Vorgänge als chemoautotroph.
Die Assimilation heterotropher Zellen liefert aus den organischen Stoffen der Nahrung durch Umbauprozesse die körpereigenen organischen Substanzen. Die Energie liefern bei allen Tieren, Pilzen und den meisten Bakterien die Dissimilationsvorgänge. Sie sind die verbreitetste Form und werden als Chemoheterotrophie bezeichnet. Einige wenige Bakterienarten können für diese Assimilation das Licht als Energiequelle zur ATP-Gewinnung nutzen. Sie benötigen jedoch zelleigene organische Substanzen. Man nennt diese Form deshalb fotoheterotroph.
Unter Dissimilation versteht man den stufenweisen Abbau organischer Verbindungen durch Enzymsysteme in lebenden Zellen. Dieser Abbau kann vollständig bis zu Kohlenstoffdioxid und Wasser erfolgen oder unvollständig zu organischen Verbindungen, die noch Energie enthalten, z. B. Milchsäure oder Alkohol. Der Abbau ist mit Energiefreisetzung verbunden, die in Form energiereicher Phosphate (ATP) entsteht. Stoffwechselprozesse, die Energie freisetzen, haben eine katabolische Wirkung (Katabolismus). Sie liefern die Energie für anabole Stoffwechselreaktionen bei der Biosynthese. Dissimilationsvorgänge können mit (aerob) und ohne (anaerob) Sauerstoff verlaufen.
Bei der aeroben Zellatmung werden
die Reduktionsäquivalente (H-Atome und Elektronen der organischen
Verbindungen) an Sauerstoff gebunden. Einige Mikroorganismen bauen organische
Stoffe nicht vollständig zu
und Wasser ab. So scheiden z. B. Essigsäurebakterien Essigsäure
oder andere Säuren bei der Oxidation von Alkohol aus. Ähnliche
Vorgänge finden auch in anderen Bakterien statt. Diese unvollständige
Oxidation wird als aerobe Gärung
bezeichnet. Die Energiefreisetzung kann auch ohne Sauerstoff als Gärung
oder anaerobe Atmung verlaufen. Zur
anaeroben Atmung sind viele Bakterien (Nitrat-, Sulfat-, Schwefel- oder
Carbonatatmung) befähigt, aber auch Parasiten wie Spulwurm
und Leberegel.
Die H-Atome und Elektronen der organischen Verbindungen werden nicht auf
Sauerstoff sondern auf organische Verbindungen übertragen. Durch
die anaerobe Atmung
wird das Substrat weitgehend oxidiert und der ATP-Gewinn für die
Bakterienzelle ist größer als beim Gärungsstoffwechsel.
Anaerobe Atmungstypen von Bakterien sind Nitrat-Atmung (Denitrifizierer),
Sulfat-Atmung (Sulfatreduzierer), Carbonat-Atmung (Methanbildner) u. a.
Eine weitere Form der Dissimilation unter anaeroben Bedingungen ist die
Gärung. Bekannte Organismen sind
Milchsäurebakterien und Weinhefen. Gärungen sind energiefreisetzende
Stoffwechselwege, bei denen H-Atome und Elektronen der organischen Stoffe
auf Umwandlungsprodukte übertragen werden. Der ATP-Gewinn ist viel
geringer als bei der Zellatmung. Die reduzierten Endprodukte, z. B. Alkohol
enthalten noch Energie im Vergleich zu
und
bei der Atmung.
|
Stoff- und Energiewechsel
|
|
| Assimilation Umwandlung körperfremder Ausgangsstoffe in körpereigene Substanzen. Reaktionen sind meist endergon, Anabolismus |
Dissimilation Abbau organischer Verbindungen, Reaktionen verlaufen meist exergon, Katabolismus |
| Fotosynthese Energie für die Synthese sind Lichtquanten |
Autotrophe
Assimilation Anorganische Stoffe werden in organische umgewandelt. Kohlenstoffquelle: ![]() |
| Atmung H-Atome und Elektronen organischer Verbindungen werden mit Luftsauerstoff zu Wasser oxidiert (aerobe Bedingungen), Freisetzung von Energie |
Chemosynthese Die Energie wird durch Oxidation anorganischer Stoffe bereitgestellt |
| Assimilation
heterotropher Zellen Aus organischen Stoffen der Nahrung erfolgt durch Umbauprozesse die Bildung körpereigener Substanzen. |
aerobe
Gärung unvollständige Oxidation organischer Verbindungen. Einige Bakterien, z. B. Essigsäurebakterien, Pilze |
| Chemoautotrophie Aus werden
organische Stoffe gebildet.Energiequelle: Oxidation anorganischer Substanzen, z. B. Schwefelwasserstoff, Ammoniak, Eisenionen. Einige Bakterien z. B. Nitrobacter |
chemoheterotroph Energiequelle: Dissimilation, alle Tiere, Pilze und die meisten Bakterien |
| aerobe
Bedingungen in Anwesenheit von Sauerstoff |
fotoheterotroph Energiequelle: Licht Einige wenige Bakterienarten können Licht zur ATP-Bildung nutzen, benötigen aber auch die organischen Stoffe aus der Nahrung |
| anaerobe Bedingungen ohne Beteiligung von Sauerstoff |
|
| anaerobe
Atmung H-Atome und Elektronen organischer Verbindungen werden von anorganischen Stoffen aufgenommen, z. B.
Energiegewinn ist größer als bei der Gärungeinige Bakterienarten, z. B. Denitrifizierer, Methanbildner |
aerobe
Atmung (="Zellatmung") vollständiger Abbau organischer Verbindungen H-Atome und Elektronen werden mit Luftsauerstoff zu Wasser oxidiert Entstehung von ,
große EnergiefreisetzungMitochondrien und Cytoplasma |
|
Gärung
unvollständiger Abbau organischer Verbindungen H-Atome und Elektronen der organischen Stoffe werden auf Umwandlungsprodukte übertragen Energiegewinn ist gering, Weinhefe, Milchsäurebakterien |
chemoautotroph fotoautotroph
|