



Aromatische Kohlenstoffverbindungen sind für die chemische Industrie von großer Bedeutung. Benzen dient z. B. als Ausgangsstoff für Farbstoffe, Kunststoffe und Arzneimittel. Toluen und die verschiedenen Xylene werden z. B. als Lösemittel für Lacke verwendet, außerdem werden aus ihnen weitere Aromaten und Polyester hergestellt.
BTX-Aromaten
Die aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzen, Methylbenzen (Toluen), sowie
die
,
zu denen die Isomeren 1,2-Dimethylbenzen, 1,3-Dimethylbenzen, 1,4-Dimethylbenzen
(Xylene) und Ethylbenzen gehören, werden in der Petrochemie als BTX-Aromaten
bezeichnet.
Diese Aromaten sind zusammen mit Nichtaromaten in wechselnden Anteilen
insbesondere in Reformat-Benzin und Pyrolysebenzin, also in Erdölfraktionen,
die beim Reformieren von Benzin bzw. bei der Pyrolyse von Benzin anfallen,
in großen Mengen enthalten. Eine weitere Rohstoffquelle für
Aromaten sind die Öle, die bei der Entgasung von Kohle, der sogenannten
Steinkohle-Verkokung, anfallen. Letztere waren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts
die wichtigste Aromatenquelle für die chemische Industrie, heute
ist Erdöl die wichtigste Quelle (Bild 2).
Eine Gewinnung der Aromaten aus diesen Gemischen durch Rektifikation ist nicht möglich, da einerseits die Siedepunktsdifferenzen zwischen den Aromaten und verschiedenen nichtaromatischen Kohlenwasserstoffen nicht groß genug sind (Bild 3) und außerdem Azeotrope zwischen Aromaten und Nichtaromaten gebildet werden.
Azeotrope
Bei verschiedenen Zwei- und Mehrkomponenten-Gemischen gibt es die Erscheinung,
dass bei einem bestimmten Mischungsverhältnis, dem sogenannten azeotropen
Punkt, der Dampf trotz unterschiedlicher
Siedepunkte der einzelnen Komponenten die gleiche Zusammensetzung wie
die Flüssigkeit besitzt. Das Gemisch verhält sich also so, als
hätten beide Komponenten denselben Siedepunkt. Durch die Verdampfung
findet damit kein Anreicherungseffekt der normalerweise tiefer siedenden
Komponente statt.
Ein bekanntes Gemisch, bei dem dieses Phänomen auftritt, ist Wasser/Ethanol
mit einem azeotropen Punkt bei 95,6 % Ethanol und 4,4 % Wasser. Verdünntes
Ethanol lässt sich daher durch Rektifikation nur auf eine Konzentration
von 95,6 % aufkonzentrieren, nicht aber auf 100 %.
Zur vollständigen Trennung azeotroper Gemische in ihre Komponenten
muss man andere Trennverfahren wie z. B. die Extraktion
einsetzen.
Auf diese Weise werden in der Petrochemie die aromatischen Kohlenwasserstoffe
aus den Erdölfraktionen, in denen sie enthalten sind, von den Nichtaromaten,
mit denen sie Azeotrope bilden, abgetrennt. Das so erhaltene Aromatengemisch
wird anschließend durch Destillation in die einzelnen Komponenten
aufgetrennt.
Extraktion - theoretische Grundlagen
Bei einer Extraktion werden unter Verwendung geeigneter flüssiger
Lösemittel als Extraktionsmittel
ein oder mehrere Stoffe aus einem Stoffgemisch, dem sogenannten Extraktionsgut,
herausgelöst. Der mithilfe des Lösemittels herausgelöste
Stoff wird auch Extrakt genannt.
Handelt es sich beim Extraktionsgut um einen Feststoff, wird der Vorgang
als Fest-Flüssig-Extraktion bezeichnet. Das Herauslösen eines
Stoffes aus einem flüssigen Gemisch wird als Flüssig-Flüssig-Extraktion
bezeichnet.
Ziel einer Extraktion ist es, entweder Verunreinigungen zu entfernen oder
diejenigen Stoffe herauszulösen, die zu Produkten aufgearbeitet werden
sollen. Alle weiteren im Extraktionsgut vorliegenden Stoffe sollen nicht
gelöst werden, insbesondere darf das Ausgangslösemittel bei
einer Flüssig-Flüssig-Extraktion nicht mit dem zur Extraktion
verwendeten Lösemittel mischbar sein. Deshalb muss die Löslichkeit
des Extraktes im ausgewählten Lösemittel höher sein als
die Löslichkeit aller übrigen Bestandteile des Gemisches. Solche
Lösemittel werden als selektiv wirkend oder als Selektivlösemittel
bezeichnet.
So kann man beispielsweise in Wasser gelöstes Iod mit Benzin extrahieren,
weil sich dieser Stoff in Benzin besser löst als in Wasser und Wasser
mit Benzin praktisch nicht mischbar ist.
Bei der Flüssig-Flüssig-Extraktion verteilt sich ein Stoff zwischen zwei miteinander nicht mischbaren Flüssigkeiten (Phasen), es stellt sich ein Verteilungsgleichgewicht ein. Dieser Vorgang wird durch den nernstschen Verteilungssatz beschrieben.

Das Gesetz besagt, dass das Konzentrationsverhältnis des Stoffes zwischen beiden Phasen konstant ist. Je größer der Verteilungskoeffizient ist, desto vollständiger lässt sich der Stoff extrahieren. Der Verteilungskoeffizient ist in erster Linie abhängig von der Löslichkeit der einzelnen Stoffe in den verwendeten Lösemitteln, also von den Wechselwirkungen zwischen Lösemittel und gelösten Teilchen. Polare Moleküle, z. B. Ethanol oder Essigsäure, oder Ionen lösen sich gut in polaren Lösemitteln wie Wasser, unpolare Moleküle, z. B. Iod, in unpolaren Lösemitteln wie z. B. Hexan. Generell gilt: "Ähnliches löst sich in Ähnlichem". Außerdem ist der Verteilungskoeffizient abhängig von der Temperatur.
Die Vorgehensweise bei der Extraktion besteht in der Regel aus drei Arbeitsschritten:
Aus dem Ablauf der Extraktion ergibt es sich, dass bei der Wahl eines geeigneten Extraktionsmittels daher folgende Forderungen erfüllt werden müssen:
Großtechnische Extraktion
Großtechnisch kann die Extraktion kontinuierlich oder diskontinuierlich
durchgeführt werden.
Als Beispiel für eine kontinuierliche
Extraktion soll die großtechnische Gewinnung von Aromaten aus
Reformat- und Pyrolysebenzin dienen (Bild 5). Sie findet in einer Extraktionskolonne
statt, der stetig Lösemittel und Extraktionsgut zugeführt werden.
In einer solchen Kolonne bewegen sich Extraktionsmittel und Raffinat im
Gegenstrom. Die spezifisch schwerere Phase, im Fall der Aromatenextraktion
ein Gemisch aus Ethandiol und Wasser, wird oben in die Kolonne gegeben
und unten entnommen, die andere Phase, in unserem Beispiel Pyrolyse- oder
Reformatbenzin, wird weiter unten zugegeben und bewegt sich in der Kolonne
entsprechend von unten nach oben. Eine intensive Vermischung beider Phasen
erfolgt durch Siebböden oder Rührer.
Aus der Kolonne werden unten das mit den Aromaten angereicherte Lösemittel
sowie oben das restliche Benzin kontinuierlich entnommen. Im Anschluss daran
werden in zwei aufeinanderfolgenden Rektifikationskolonnen zunächst
Lösemittel und Extrakt voneinander getrennt und das Lösemittel
nach dem Kreislaufprinzip wieder als Extraktionsmittel genutzt.
Das danach erhaltene Aromatengemisch wird destillativ weiter aufgetrennt. Die
Xylene, deren Siedepunkte sehr dicht beisammen liegen, werden anschließend
durch andere Verfahren wie z. B. Extraktion in die einzelnen Isomeren
zerlegt.