


Radioaktive Strahlung wird bei kernchemischen Reaktionen wie dem Spontanzerfall, der Kernspaltung oder der Kernfusion frei. Dabei ist zwischen Alphastrahlung, Betastrahlung und Gammastrahlung zu differenzieren, die sich in ihren Eigenschaften, Wirkungen, und ihren Anwendungen unterscheiden.
Energie radioaktiver
Strahlung
Radioaktive Strahlung besitzt Energie, wobei diese Energie von den jeweiligen
Bedingungen abhängig ist. Es gibt deshalb zwei unterschiedliche Möglichkeiten,
die Energie anzugeben:
Nachfolgend sind für die einzelnen Strahlungsarten die Energiebereiche angegeben, innerhalb derer die Energie der radioaktiven Strahlung in den meisten Fällen liegt:
.
Die
Energiedosis
Eine physikalische Größe zur Beschreibung der Energie, die
ein Körper bei Bestrahlung aufnimmt, ist die physikalische Größe
Energiedosis.
Die
Energiedosis gibt an, wie viel Energie ein Kilogramm eines Stoffs durch
Strahlung aufnimmt.
| Formelzeichen: | D |
| Einheit: | ein Gray (1 Gy = 1 J/kg) |
Benannt ist die Einheit nach dem englischen
Radiologen und Physiker LOUIS
HAROLD GRAY (1905-1965). Früher wurde auch die Einheit Rad (Abkürzung:
1 rd) verwendet (Rad = radiation
absorbed dose).
Für die Umrechnung gilt:
Ein Körper erhält die Energiedosis 1 Gy, wenn er durch Strahlung
eine Energie von 1 Joule je Kilogramm aufnimmt. Beim Menschen führt
eine kurzzeitige Ganzkörperbestrahlung
mit einer Energiedosis von über 4 Gy zum Tode. Die gleiche Energiedosis
über einen langen Zeitraum hinweg bewirkt in der Regel keine erkennbaren
Veränderungen.
Bei der Strahlentherapie wird mit einer relativ hohen Energiedosis von 40-70 Gy gearbeitet, die in einzelnen Dosen über einen längeren Zeitraum
hinweg verabreicht wird. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der bestrahlte
Bereich nur der des Tumors ist, die Strahlung also auf einen kleinen und
sorgfältig ausgewählten Bereich konzentriert wird.
Ausbreitung
radioaktiver Strahlung
Die Ausbreitung radioaktiver Strahlung erfolgt
von einer Strahlungsquelle aus geradlinig. Eine Ablenkung von Alpha- und
Betastrahlung kann durch elektrische oder magnetische Felder erfolgen.
Im elektrischen (Bild 2) und im magnetischen
Feld werden Alphastrahlung (doppelt positiv geladene Heliumkerne) und
Betastrahlung (Elektronen oder Positronen) abgelenkt. Die Richtung der
Ablenkung ergibt sich aus der
Richtung des Feldes und aus der Ladung der Teilchen. Gammastrahlung als
elektromagnetische Welle wird durch elektrische und magnetische Felder
nicht abgelenkt.
Durchdringungsvermögen
und Absorptionsvermögen radioaktiver Strahlung
Trifft radioaktive Strahlung auf Stoffe, so wird sie z. T. hindurchgelassen
und z. T. absorbiert (aufgenommen). Wie viel Strahlung durch einen Stoff
hindurchgeht bzw. von ihm absorbiert wird, hängt ab von
Das Durchdringungsvermögen ist für Alphastrahlung am kleinsten und für Gammastrahlung am größten. Das Verhältnis beträgt zwischen den drei Arten von Strahlung:

Umgekehrt ist das Absorptionsvermögen
für Alphastrahlung am größten und für Gammastrahlung
am kleinsten (Bild 3). In Luft beträgt die Reichweite von Alphastrahlung
4 cm - 6 cm, die von Betastrahlung mehrere Meter.
Besonders geeignet zur Abschirmung radioaktiver
Strahlung ist Blei.
Radionuklide dürfen wegen möglicher Strahlenbelastungen nur in speziellen Behältern transportiert werden. Diese sind so aufgebaut, dass ein Großteil der Strahlung absorbiert wird.
Bei Kernreaktoren existieren mehrere Schutzbarrieren, die ein Austreten von radioaktiver Strahlung und auch von radioaktiven Stoffen unter allen Umständen verhindern sollen:
Aufgrund der hohen Energie der radioaktiven Strahlung sind alle drei Arten in der Lage, chemische Bindungen zu spalten. Dabei entstehen energiereiche, reaktive Teilchen (Radikale oder Ionen), die wiederum mit anderen Teilchen reagieren und dabei lawinenartige Kettenreaktionen auslösen.
In biologischen Organismen werden infolge dieser Kettenreaktionen Moleküle
von Eiweißen oder Nucleinsäuren zerstört, sodass die Erbinformation
nicht mehr korrekt weiter gegeben wird oder andere biologische
Schäden (Zellschäden, Blutkrankheiten, Krebs)
hervorgerufen werden.