


Schwefelsäure
ist eine der wichtigsten Chemikalien überhaupt. Hergestellt wird sie
aus Schwefeldioxid im Kontaktverfahren,
das sogenannt wird, weil der zweite Reaktionsschritt in der Regel an einem
Feststoff-Katalysator (Kontakt) abläuft.
Der Synthese findet in drei Schritten statt:
1. Gewinnung von Schwefeldioxid
Zuerst wird Schwefeldioxid gewonnen, indem üblicherweise Schwefel
in einer stark exothermen Reaktion mit Luft verbrannt wird.

Eine weitere Möglichkeit zur
-Gewinnung
ist das Abrösten sulfidischer Erze wie z. B. Eisensulfid an der Luft:

Auch beim Recycling von industriell gebrauchter, verunreinigter Schwefelsäure, sogenannter Dünnsäure, erhält man Schwefeldioxid. Dieses Verfahren hat stark an Bedeutung zugenommen, seit die Verklappung von Dünnsäure im Meer nicht mehr erlaubt ist.
2. Oxidation des Schwefeldioxids zu
Schwefeltrioxid
Im zweiten Schritt wird Schwefeldioxid im sogenannten Kontaktofen zu
Schwefeltrioxid weiteroxidiert.
Hierbei handelt es sich um eine exotherme Gleichgewichtsreaktion,
die an Vanadium(V)-oxid als Katalysator abläuft.

Da die Reaktion exotherm und unter Volumenverminderung abläuft,
begünstigen niedrige Temperaturen und hohe Drücke die Bildung
von
.
Möglichkeiten der Gleichgewichtsbeeinflussung
Bei Raumtemperatur läuft die Reaktion nicht ab, der technisch eingesetzte
Vanadium(V)oxid-Katalysator führt erst oberhalb 400°C zu einer
ausreichend schnellen Einstellung des Gleichgewichtes. Bisher wurde noch
kein Katalysator gefunden, der schon bei tieferen Temperaturen wirksam
ist.

a) Temperatur
Durch die exotherme Verbrennung von Schwefeldioxid erhitzt sich das Gasgemisch
auf 600 °C und darüber, wodurch sich das Gleichgewicht auf die
Seite der Ausgangsstoffe verschiebt.
Der Katalysator ist daher im Reaktor in mehreren Schichten angeordnet,
zwischen denen das Gasgemisch immer wieder auf die optimale Temperatur
abgekühlt wird. Der Wärmeaustausch erfolgt nach dem Gegenstromprinzip:
Das heiße Reaktionsgemisch wird in außerhalb des Reaktors
liegenden Wärmetauschern an den kalten Ausgangsstoffen vorbeigeleitet,
die auf diese Weise für die Reaktion vorgewärmt werden.
Ein Reaktor in einer modernen Anlage ist über 10 m hoch, der Durchmesser
beträgt auch über 10 m und er enthält bis über 100
Tonnen Katalysator. Die größten Anlagen produzieren bis zu
etwa 3000 t Schwefelsäure täglich.
b) Konzentration der Edukte
Ein Überschuss an Sauerstoff wirkt sich zwar günstig aus, der
Einsatz von reinem Sauerstoff, der durch Luftzerlegung gewonnen werden
müsste, wäre aber in diesem Fall zu teuer.
In der Technik wird Schwefeldioxid aus diesem Grund mit Luft verbrannt,
das Reaktionsgemisch hat ungefähr folgende Zusammensetzung: 10 %
Schwefeldioxid, 11 % Sauerstoff, 79 % Stickstoff. Schwefeldioxid und Sauerstoff
werden also im Verhältnis von ca. 1 : 1,1 eingesetzt, was einem Überschuss
an Sauerstoff von ca. 110 % entspricht.
Unter diesen Bedingungen erhält man nach der 4. Katalysatorschicht
je nach Temperatur einen
- Umsatz von 97 - 98%.
c) Druck
Durch Druckerhöhung wird zwar das Gleichgewicht auf die Seite des
verschoben,
allerdings ist die Volumenabnahme bei der Reaktion im Vergleich z. B. zur
Ammoniaksynthese viel kleiner. Daher ist auch der Effekt nicht so groß.
Außerdem ist die Kompression der Reaktionsgase sehr energieaufwändig,
sodass dieses Prinzip nur in einer Schwefelsäurefabrik weltweit genutzt
wird, weit über 1000 Anlagen arbeiten bei Normaldruck.
d) Entfernung des Reaktionsproduktes
Wenn man das gebildete
zwischendurch durch Absorption aus dem Gleichgewicht entfernt und das
verbleibende Gasgemisch nochmals über eine weitere Katalysatorschicht
leitet, kann man
- Umsätze von über 99,6% erreichen. Dieses sog. Doppelkontaktverfahren
(Doppelkatalyse)
mit Zwischenabsorption von
wird bei allen Anlagen, die auf Basis von Schwefelverbrennung arbeiten,
eingesetzt.
3. Absorption von Schwefeltrioxid
Schwefelsäure wird gebildet, wenn Schwefeltrioxid mit Wasser reagiert.

Bei der Absorption des gebildeten gasförmigen Schwefeltrioxids kann
man jedoch kein Wasser verwenden, weil die Reaktion so heftig verläuft,
dass ganz feine Schwefelsäure-Tröpfchen entstehen. Diese würden
im Absorptionsturm nicht zurückgehalten werden und mit dem Abgas
der Anlage in die Atmosphäre gelangen.
Als Absorptionsmittel wird daher 96-98%ige Schwefelsäure verwendet,
worin sich
gut löst.
Die Absorption kann je nach eingesetztem Mengenverhältnis von 96
%iger Schwefelsäure und Schwefeltrioxid unterschiedlich betrieben
werden.
Wird Schwefelsäure in sehr großem Überschuss eingesetzt,
erhöht sich ihre Konzentration bei der Aufnahme von
nur auf 99 - 100%. Durch anschließende Wasserzugabe wird sie wieder
auf die ursprüngliche Konzentration von 96-96% gebracht.
Wenn weniger Schwefelsäure eingesetzt wird, reagiert Schwefeltrioxid
mit dem in der Schwefelsäure enthaltenen restlichen Wasser, und der
Überschuss löst sich dann physikalisch in der 100 %igen Schwefelsäure.
Die entstehende Lösung wird als Oleum
oder rauchende Schwefelsäure bezeichnet, da beim Öffnen der
Flasche das Schwefeltrioxid teilweise verdampft und an der Luft Nebeltröpfchen
bildet.
Das gelöste Schwefeltrioxid reagiert auch teilweise mit Schwefelsäure
zu Dischwefelsäure.

Bei Zugabe von Wasser bildet sich aus Dischwefelsäure wieder Schwefelsäure.

Hier wird das Gegenstromprinzip nicht zum Wärmetausch, sondern
für die effektivere Durchmischung der Reaktanten genutzt. Schwefeltrioxid
wird von unten in den Absorber geleitet und mit Schwefelsäure, die
in entgegen gesetzter Richtung geführt wird, zur Reaktion gebracht.
das entstehende Oleum wird abgeführt und mit Wasser zu 96 %iger Schwefelsäure
verdünnt. Ein Teil dieser Säure wird dem Absorber wieder zugeführt
und dient der erneuten Absorption von Schwefeltrioxid (Kreislaufprinzip).
Oleum, für das es auch verschiedene Anwendungsgebiete gibt, kommt
direkt in den Handel oder wird mit Wasser verdünnt und als konzentrierte
Schwefelsäure (96%ig) verkauft.
Abgasreinigung bei der Schwefelsäureherstellung
Da im Arbeitsbereich des Katalysators von 420 - 500°C das
-Gleichgewicht
nicht vollständig auf der Seite des Schwefeltrioxids liegt, werden
je nach Arbeitsweise nur etwa 98% des
im Falle der Normalkatalyse bzw. 99,6 % im Falle der Doppelkatalyse umgesetzt.
Das Abgas der Anlage besteht aus etwa 94%
und ca. 6%
und enthält noch 0,05 bis 0,2%
. Eine Schwefelsäureanlage mit einer Tagesproduktion von 1000 Tonnen
würde demzufolge bis zu knapp 20 Tonnen
täglich in die Atmosphäre emittieren.
Aufgrund des hohen Stickstoffanteils kann das Abgas nicht direkt im Kreislauf
gefahren werden, um das enthaltene Schwefeldioxid vollständig umzusetzen.
Schwefeldioxid, das als Umweltschadstoff an der Entstehung des sauren
Regens mit beteiligt ist, muss deshalb aus den Abgasen der Schwefelsäurefabriken
durch eine spezielle Abgasreinigung
entfernt werden.
Für die Abgasreinigung gibt es verschiedene Verfahren. Eine häufig
bei Anlagen mit sogenannter Normalkatalyse eingesetzte Variante ist die
Nutzung folgender Gleichgewichtsreaktion:
Schwefeldioxid wird aus dem Abgas mit einer Natriumsulfit - Lösung
bei Raumtemperatur im Absorber unter Bildung von Natriumhydrogensulfit
ausgewaschen. Diese Lösung wird dann in einem zweiten Reaktor, dem
Desorber, erhitzt. Das Gleichgewicht verschiebt sich dabei auf die Seite
des Sulfits. Die Sulfitlösung wird nach Abkühlen wieder im Kreislauf
in den Absorber gepumpt, das ausgetriebene Schwefeldioxid wird in die
Schwefelsäureanlage zurückgeführt. Über den Umweg
der Abgasreinigung wird das Schwefeldioxid aus dem Abgas dem Kontaktofen
wieder zugeführt und so vollständig umgesetzt.