




Darstellung und technische Synthese
Viele Halogenalkane lassen sich durch Umsetzung der Alkane mit den Elementen
darstellen. Auch die industrielle Herstellung der Chlor- und Bromalkane
erfolgt durch direkte Halogenierung der Kohlenwasserstoffe nach dem Mechanismus
der radikalischen Substitution. Je nach Stoffmengenverhältnis der
Edukte erhält man die unterschiedlich substituierten Produkte.
Halogenalkane kann man auch durch Reaktion eines Alkohols mit einem Halogenwasserstoff nach dem Mechanismus einer nucleophilen Substitution herstellen..
CH3OH + HCl
CH3Cl + H2O
Eine weitere Herstellungsmöglichkeit besteht in der Addition von Halogenen an Alkene (Halogenierung) oder Halogenwasserstoffen an Alkene (Hydrohalogenierung).

Aromatische
Halogenkohlenwasserstoffe müssen dagegen durch elektrophile Substitution
in Gegenwart von LEWIS-Säuren als Katalysatoren synthetisiert werden
(Bild 3).
Struktur und Eigenschaften
Die Polarität der Kohlenstoff-Halogen-Bindungen führt zu unterschiedlich
stark ausgeprägten Dipolmomenten der Moleküle. Deswegen und
wegen der größeren molaren Massen sind die Schmelz- und Siedepunkte
höher als die der vergleichbaren Alkane (Bild 4). Der Unterschied
ist um so größer, je höher die Zahl der Halogenatome im
Molekül und je größer das Dipolmoment ist. Viele Halogenalkane
sind farblose Flüssigkeiten mit einem charakteristischen süßlichen
Geruch. Trotz ihres Dipolmoments sind sie in Wasser nicht, in vielen organischen
Lösungsmitteln jedoch gut löslich. Chloralkane sind gut fettlöslich.
Viele Halogenalkane wirken narkotisch.
Die halogenierten Aromaten sind chemisch sehr beständig und ebenfalls
fettlöslich.
Bedeutung und Verwendung von Halogenalkanen
Das Einsatzgebiet der preiswert herzustellenden und chemisch beständigen
Halogenalkane war früher außerordentlich vielfältig. Sie
wurden als lang wirkende Insektizide (DDT), Pestizide (Brommethan), Kühlmittel
(FCKW), Treibgase und in Feuerlöschern (Halone) verwendet. In der
Medizin setzte man Chloroform als Narkotikum ein. Erkrankungen wie Malaria,
Typhus oder Cholera konnten durch die Bekämpfung ihrer Überträger
stark eingedämmt werden. Viele Halogenalkane sind sehr gute Lösungsmittel
für hydrophobe Stoffe und wurden deshalb als Lösungsmittel zur Textilreinigung und Reinigungsmittel in der Metallindustrie (Tetrachlormethan, Trichlorethen (Tri) und Tetrachlorethen (Ter)) verwendet.
Wegen ihrer Nichtbrennbarkeit und ihrer günstigen elektrischen Isolierwirkung dienten PCB auch als Kühlmittel in Transformatoren.
Umweltschäden durch Halogenkohlenwasserstoffe
Halogenalkane, insbesondere niedermolekulare Chlorfluoralkane, umgangssprachlich
als Fluorchlorkohlenwasserstoffe
(FCKW) bezeichnet, sind mitverantwortlich für Zerstörung der
Ozonschicht in der Stratosphäre. Diese Verbindungen sind chemisch
sehr stabil und leicht flüchtig. Sie können deshalb in die höheren
Schichten der Atmosphäre gelangen und dort Radikale ausbilden, die
Ozonmoleküle spalten. Die Chlorradikale werden in einem katalytischen
Reaktionszyklus immer wieder zurückgebildet und können mehrere
Tausend Ozonmoleküle zerstören (Bild 5). Insgesamt wird über
diesen Mechanismus mehr Ozon abgebaut als im gleichen Zeitraum durch die
UV-Strahlung nachgebildet werden kann. Der Ozongehalt in der Stratosphäre
nimmt ab. Trotz zunehmender Verbote der Verwendung von FCKW ist aufgrund
der langen Verweildauer dieser Stoffe mit einer schnellen Behebung der
Situation nicht zu rechnen. Es sind aber schon Anzeichen einer Besserung zu erkennen, sodass innerhalb der nächsten 20-30 Jahre das Ozonloch in der Antarktis kein Problem mehr darstellen sollte.
Unter den aromatischen Halogenkohlenwasserstoffen findet man eine Reihe
starker Umweltgifte. Dadurch dass diese Verbindungen stabil und fettlöslich
sind, gelangen sie in die Nahrungskette und werden bei den Endkonsumenten der Nahrungskette, wie Raubvögeln, Robben, Eisbären und auch im menschlichen Körper
angereichert. Die Abbauprodukte im Stoffwechsel wirken häufig cancerogen.
Verbindungen wie Dichlor-diphenyl-trichlorid (DDT) und polychlorierte
Biphenyle (PCB) wurden in der Vergangenheit als Insektizide oder als
Additive zu Werkstoffen genutzt. Ihre Anwendung ist inzwischen verboten.
Ebenfalls sehr starke Umweltgifte sind chlorierte Dibenzo-para-dioxine,
die umgangssprachlich als Dioxine
bezeichnet werden. Diese wurden zwar nie gezielt technisch synthetisiert
und angewendet. Sie entstehen jedoch als unerwünschte Nebenprodukte
bei der Synthese von Halogenkohlenwasserstoffen und bei deren Entsorgung.
Aufgrund der außerordentlichen Stabilität der Dioxine reichern
sie sich ebenfalls im Fettgewebe an und gelangen in die Nahrungskette.
Sowohl zu den PCB als auch zu den Dioxinen findet man ausführliche
Informationen in entsprechenden anderen Beiträgen.
Warum sind gerade halogenierte Kohlenwasserstoffe für so viele Umweltprobleme verantwortlich? Es könnte daran liegen, dass es nur wenige natürliche organische Halogenverbindungen gibt, vor allem fast keine polyhalogenierten. Deshalb haben sich in der Evolution nur wenige Mikroorganismen auf den Abbau dieser Verbindungen spezialisiert.
Die vom Menschen hergestellten und genutzten halogenierten Kohlenwasserstoffe sind nun in vielen Fällen gerade solche polyhalogenierten Verbindungen, die deshalb lange in der Umwelt verbleiben.
Die meisten umweltschädlichen Chlorkohlenwasserstoffe sind in der
BRD seit langem verboten. Auch in anderen Ländern wurden diese Stoffe
inzwischen zum großen Teil ersetzt. So verwendet man Fluorkohlenwasserstoffe
(FKW) anstelle der FCKW als Kühlmittel und Butan als Treibgas. Chloroform
(Trichlormethan) wurde z. B. durch das verträglichere Halothan
als Anästhetikum ersetzt.
Das Hauptanwendungsgebiet liegt heute in der Kunststoffherstellung des
Polyvinylchlorids (PVC).
Dazu benötigt man das Chlorethen
als
Ausgangsstoff. Auch dieser Halogenkohlenwasserstoff ist giftig und führt
bei längerem Kontakt zu Haut- und Gelenkbeschwerden. Außerdem
entstehen bei der PVC-Verbrennung ebenfalls Dioxine, sodass große
Anstrengungen unternommen werden, PVC durch andere Kunststoffe zu ersetzen.
PVC ist jedoch in der Herstellung so preiswert und in den Eigenschaften
so flexibel (Bild 6 und 7), dass es noch Jahre dauern wird, gleichwertigen
Ersatz zu finden.