

1.
Die Zeit, in der er lebte
HERMANN STAUDINGER (Bild 1) lebte im zwanzigsten Jahrhundert, in einer sehr
bewegten Zeit. Er stammt aus Worms und studierte in Deutschland.
Den ersten Weltkrieg verbrachte STAUDINGER in der Schweiz, wo er als Professor
an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich lehrte
und forschte. Er kehrte in den zwanziger Jahren wieder nach Deutschland
zurück und blieb auch während des zweiten Weltkrieges hier.
2. Lebenslauf
HERMANN STAUDINGER wurde
am 23. März 1881 in Worms geboren. Sein Vater, Dr. FRANZ STAUDINGER,
war Philosoph in Darmstadt. Er riet ihm, nach der Schule Chemie zu studieren
und eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen.
STAUDINGER ging in Worms zu Schule und interessierte sich schon früh
für Naturwissenschaften.
1899 beginnt er sein Studium zuerst an der Universität von Halle
und studiert in Darmstadt, München und wieder in Halle, wo er 1903
graduiert.
Später, 1907, wird HERMANN STAUDINGER Assistenzprofessor für
organische Chemie an der Technischen Hochschule in Karlsruhe.
Im Jahre 1910 befasst sich der Wissenschaftler für die BASF mit der
Synthese von Isopren. Dabei entdeckt
er, dass die bisher geltenden Theorien über die Struktur von natürlichem
Kautschuk (Bild 2) falsch sein
müssen. Er entwickelt eine neue Hypothese, die von langen Molekülen
ausgeht, hat jedoch Schwierigkeiten, diese experimentell nachzuweisen.
So sucht STAUDINGER nach einfacheren Strukturen, und beschäftigt
sich mit dem Styren (Styrol, Bild 3).
Bis 1912 bleibt STAUDINGER als Professor in Karlsruhe.
1912 wechselt er nach Zürich und lehrt für 14 Jahre an der
Eidgenössischen Technischen Hochschule.
Bis in die zwanziger Jahre hinein wurden in der chemischen Industrie bereits
Kunststoffe hergestellt. Am erfolgreichsten waren dabei die sogenannten
Bakelite, Hartplastikwerkstoffe (Bild 4). Die Wissenschaftler begannen damit, diese systematisch zu erforschen,
um ihre Molekülstruktur zu entschlüsseln.
Von den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten solcher künstlich
hergestellter Werkstoffe fasziniert, beginnt STAUDINGER 1920 damit, ihre
chemischen Eigenschaften zu erforschen.
1922 veröffentlicht der Wissenschaftler einen Artikel in der Schweizer
Wissenschaftszeitung "Helvetica Chimica Acta" über die
Struktur großer Moleküle und prägt den Begriff "Makromoleküle".
Gleichzeitig erklärt er den Vorgang der Polymerisation.
STAUDINGERs Studien besagten, dass Polymere
(Bild 5) aus langen Molekülketten bestehen. Diese sind aus vielen
gleichen oder ähnlichen chemischen Einheiten zusammengesetzt.
Der Wissenschaftler postuliert in seinen Abhandlungen, dass die außergewöhnliche
Zugfestigkeit und Elastizität der hergestellten Polymere das Ergebnis
dieser großen Länge ihrer Moleküle sind.
Für seine Erkenntnisse wird er von seinen Kollegen verspottet, und
die Theorien haben kaum Auswirkungen auf die wissenschaftlichen Forschungen.
Bis 1928 streiten führende Chemiker die Existenz polymerer Kettenmoleküle
ab. Erst KURT MEYER und HERRMANN MARK, die für die I. G. Farben in
Ludwigshafen arbeiten, beweisen die Existenz solcher Molekülketten
durch die Aufklärung der Struktur mittels Röntgenstrahlen.
1926 wird HERMANN STAUDINGER zum Professor an der Universität Freiburg
berufen.
1935 trifft STAUDINGER in Cambridge auf einer Konferenz seinen amerikanischen
Kollegen WALLACE CAROTHERS, der sich ebenfalls mit Polymeren befasst.
Die Wissenschaftler tauschen sich aus und ergänzen ihre Erkenntnisse.
Ab 1940 ist STAUDINGER der Leiter des Instituts für Makromolekulare
Chemie in Freiburg.
Gegen Ende seiner wissenschaftlichen Karriere wendet sich STAUDINGER wieder
den biologischen Makromolekülen zu.
1953 erhält HERMANN STAUDINGER den Nobelpreis
für Chemie in Anerkennung seiner Erkenntnisse zu Polymeren.
Hermann Staudinger stirbt am 8. September 1965 in Freiburg (im Breisgau).
3. Bedeutende Leistungen
Werke (Auswahl):
| - | "Ketene" (1912); |
| - | "Die hochmolekularen organischen Verbindungen" (1932); |
| - | "Makromolekulare Chemie und Biologie" (1947); |
| - | "Organische Kolloidchemie" (1950). |