



Aromaten
Aromatische Verbindungen sind grundsätzlich cyclische
Verbindungen, die folgende Kriterien
erfüllen:
hybridisiert
und liegen somit in einer Ebene.
System
delokalisiert. Sie sind über den gesamten Ring verteilt, was zu
einer Energieabsenkung der Mesomerieenergie oder Resonanzenergie führt.Erfüllt eine cyclische Verbindung die vier Kriterien, hat sie einen aromatischen Zustand.
Einteilung der aromatischen Verbindungen
Die Einteilung der aromatischen
Verbindungen kann in zwei Hauptgruppen erfolgen:
Beide Hauptgruppen werden noch einmal in monocyclische und kondensierte Aromaten/Heteroaromaten (Heterocyclen) unterteilt (Bild 1).
Heteroaromaten
Der Name Heteroaromaten besagt, dass es aromatische Verbindungen sind,
die aber ein oder mehrere Heteroatome enthalten. Diese Heteroatome sind
nicht wie im Anilin als Substituenten an den Benzenring gebunden sondern
selbst Bestandteil des Ringes. Heteroaromaten kommen in der Natur sehr
häufig vor. So sind die vier "Basen" der DNA und auch der
RNA Heteroaromaten. Aber auch das ATP und ADP enthalten Adenin, einen
Heteroaromaten.
A) Heteroaromaten mit einem Heteroatom
1. Sechs-Ring-Heteroaromaten mit dem Atom
Stickstoff
Geht man vom Benzen aus und ersetzt ein Kohlenstoffatom durch ein Stickstoffatom
kommt man zur Struktur des Pyridins
(Bild 2). Im Stoffwechsel besonders wichtig ist ein Derivat des Pyridins,
das Nicotinamid (Nicotinsäureamid = Pyridin-3-carbonsäureamid,
Bild 3). Das Nicotinamid gehört zu den Stoffen des Vitamin B-Komplex.
Die Nicotinsäure wurde übrigens beim oxidativen Abbau des Naturstoffes
Nicotin entdeckt. Daher trägt sie auch diesen Trivialnamen.

Analog dem Benzen kann man auch Kohlenstoffatome der kondensierten Aromaten durch Stickstoffatome ersetzen. Im Falle des Naphthalins gibt es zwei Möglichkeiten ein Kohlenstoffatom gegen ein Stickstoffatom auszutauschen. Befindet sich das Stickstoffatom in der Position 1 heißt der Heteroaromat Chinolin (Bild 5). Das entsprechende Konstitutionsisomere, das Stickstoffatom ist in Position 2 heißt Isochinolin (Bild 6). Ausgehend vom Anthracen ist der Heteroaromat besonders interessant, der das Stickstoffatom am mittleren Ring trägt. Die Verbindung heißt Acridin (Bild 7).

Hinweis: Es gibt keine neutralen sechsgliedrigen
Heteroaromaten, die als Heteroatom ein Sauerstoff- oder Schwefelatom enthalten.
Analog dazu ist das Pyran (Bild 8). Pyran muss aber immer ein Kohlenstoffatom
enthalten, das
hybridisiert
ist, somit kann der Ring nicht mehr eben sein. Das aber ist eine der Voraussetzungen
für aromatische Verbindungen.

2. Fünf-Ring-Heteroaromaten
Im Unterschied zu den aromatischen Kohlenwasserstoffen gibt es bei den
Heteroaromaten auch cyclische Verbindungen, die nur fünf Atome enthalten.
Das Cyclopentadien ist
ein fünfgliedriger Kohlenwasserstoff, der maximal dehydriert ist,
also die größt mögliche Anzahl an Doppelbindungen trägt.
Im Cyclopentadien ist aber immer noch ein Kohlenstoffatom
hybridisiert,
und die Anzahl der
Elektronen
entspricht mit vier nicht der Hückel-Regel. Spaltet man vom Cyclopentadien
ein Proton am
hybridisierten
Kohlenstoffatom ab, erhält man das Cyclopentadien-Anion.
Durch die Deprotonierung findet gleichzeitig eine Änderung der Hybridisierung
statt. Das Kohlenstoffatom ist jetzt
und das freie Elektronenpaar befindet sich in einem p-Orbital (Bild 9).
Der Ring ist dadurch eben, die p-Orbitale können überlappen
und es kann sich ein delokalisiertes p-System mit sechs Elektronen ausbilden.
Das Cyclopentadien-Anion ist aromatisch, man spricht von nichtbenzoiden
Aromaten. Das Cyclopentadien-Anion tritt vor allem in Komplexen
mit Ionen der Übergangsmetalle auf.
Ersetzt man das anionische Kohlenstoffatom des Cyclopentadien-Anion durch
ein Heteroatom wie Sauerstoff, Stickstoff oder Schwefel kommt man zu den
aromatischen Fünf-Ring-Heteroaromaten.
Da diese Heteroatome über ein freies ungebunden Elektronenpaar verfügen,
kann das
System
aus sechs Elektronen auch im ungeladenen Zustand gebildet werden. Der
Fünf-Ring mit einem Stickstoffatom heißt Pyrrol
(Bild 10), der Fünf-Ring mit einem Sauerststoffatom wird als Furan
und der Fünf-Ring mit einem Schwefelatom wird Thiophen
(Bild 11) genannt.

B) Heteroaromaten mit mehreren Heteroatomen
1. Sechs-Ring-Heteroaromaten
Es gibt eine große Anzahl von Heteroaromaten, die zwei und mehr
gleiche oder auch unterschiedliche
Heteroatome enthalten. Vorgestellt werden hier zwei, die auch physiologisch
wichtig sind. Der aromatische Sechsring mit zwei Stickstoffatomen in den
Positionen 1 und 3 heißt Pyrimidin
(Bild 13). Das Pyrimidin ist der Grundkörper der Nucleinsäure-Basen
Cytosin (C), Thymin
(T) und Uracil (U, Bild 14). In der
DNA die Basen C und T benutzt, in der RNA werden für die Kodierung
die Basen C und U verwendet.
2. Fünf-Ring-Heteroaromaten
Der entsprechende Fünf-Ring mit zwei
Heteroatomen in den Positionen 1 und 3 ist das Imidazol
(Bild 15). Das Imidazol kommt in der Aminosäure L-Histidin vor. Die
Kondensation von Pyrimidin und Imidazol ergeben den Heteroaromaten Purin
(Bild 16). Die korrekte Bezeichnung ist 9H-Purin. Damit wird eindeutig
bezeichnet, dass das Stickstoffatom in der Position 9 ein Wasserstoffatom
trägt. Das Purin ist das Grundgerüst der Nucleinsäure-Basen
Adenin (A) und Guanin (G). Das Adenin kommt aber auch in anderen für
den Stoffwechsel wichtigen Verbindungen vor, so zum Beispiel im ATP und
im ADP. Das Purin ist ebenfalls das Grundgerüst des Stoffwechselproduktes
Harnsäure.
