


Unter einer Kernumwandlung versteht
man die Umwandlung von Atomkernen in andere Kerne. Diese kann spontan
oder durch äußere Einflüsse und Bedingungen erfolgen.
Zu den Kernumwandlungen gehören der spontane
radioaktive Zerfall, die Kernspaltung
und die Kernfusion. Darüber hinaus
gibt es eine Vielzahl weiterer Kernumwandlungen, die meist infolge äußerer
Einflüsse vor sich gehen. Häufig werden sie künstlich hervorgerufen,
z. B. durch Beschuss von Atomkernen mit anderen Teilchen (Bild 1).
Bild 2 gibt einen Überblick über die verschiedenen Arten von Kernumwandlungen. Genauere Informationen zu den speziellen Formen Kernspaltung und Kernfusion sind unter den entsprechenden Stichwörtern zu finden. Fusionsprozesse finden als natürliche Prozesse im Inneren von Sternen und Sonnen statt. Die Kernspaltung wird heute schon in Atomkraftwerken zur Energiegewinnung genutzt, was bei der Kernfusion leider noch nicht möglich ist. Auch für militärische Zwecke wurden die Kernspaltung (Atombombe) und die Kernfusion (Wasserstoffbombe) bereits genutzt.
Spontane radioaktive Zerfallsreaktionen finden in geringem Maß in der Natur statt. Der Spontanzerfall und die damit verbundene Radioaktivität in unserer Umwelt führt dazu, dass wir ständig einer schwachen radioaktiven Strahlung ausgesetzt sind (siehe unten).
Künstliche Kernumwandlungen
Kernumwandlungen kann man auch künstlich durch Beschuss
von Atomkernen mit Neutronen, Alphastrahlung (doppelt positiv geladenen
Heliumkernen) oder anderen leichten Teilchen hervorrufen. Nachfolgend
sind dafür einige auch historisch bedeutsame künstliche Kernumwandlungen
genannt.
1. Die erste künstliche Kernumwandlung wurde 1919 von ERNEST RUTHERFORD (1871-1937) realisiert (Bild 1). Er beschoss Stickstoffatome mit Alphastrahlung (doppelt positiv geladenen Heliumkernen). Es entstanden Sauerstoff und ein Proton:

2. Im Jahre 1932 entdeckte JAMES CHADWICK (1891-1974), ein Schüler von RUTHERFORD, bei der Bestrahlung von Beryllium mit Alphastrahlung das Neutron (Bild 3). Die Reaktionsgleichung lautet folgendermaßen:

3. Im Jahre 1934 entdeckten IRENE JOLIOT-CURIE (1897-1956) und FREDERIC JOLIOT-CURIE (1900-1958) die künstliche Radioaktivität. Sie bestrahlten Aluminium mit Alphateilchen. Es bildete sich Phosphor, das seinerseits in Silicium und ein Positron zerfiel:

4. Die von Alchemisten jahrhundertelang versuchte Herstellung von Gold gelang ENRICO FERMI (1901-1954) im Jahre 1934 durch eine Kernumwandlung. Er bestrahlte Platin mit Neutronen und erhielt Gold:

5. Ebenfalls ENRICO FERMI erzeugte erstmals durch Beschuss von Uran
mit Neutronen Elemente mit einer Ordnungszahl von über 92. Diese
Elemente werden als Transurane bezeichnet.
Eine solche Reaktion lautet:

6. Bei der Entdeckung der Kernspaltung
durch OTTO HAHN
(1879-1968), FRITZ STRASSMANN (1902-1980) und LISE MEITNER (1878-1968)
im Jahre 1938 wurde als ein Spaltprodukt Barium festgestellt. Beschossen
wurde Uran-235 mit Neutronen. Die Gesamtreaktion lautet:

7. Die im Inneren der Sonne vor sich gehende Kernfusion geht in mehreren Schritten vor sich: Aus Wasserstoff bildet sich zunächst Deuterium, aus Deuterium und Wasserstoff Helium-3 und aus Helium-3 das stabile Helium-4. Der gesamte Vorgang vollzieht sich nach folgendem Reaktionsschema:

Durch künstliche Kernumwandlungen konnten bisher ungefähr 2 700 künstliche Radionuklide erzeugt werden. Diese sind jedoch meist instabil und zerfallen spontan in stabilere Nuklide.
Spontanzerfall - eine
Form der Kernumwandlung
Instabile Nuklide wandeln sich freiwillig unter Freisetzung von Energie
in Form radioaktiver Strahlung in neue Nuklide um. Diese Form der freiwilligen
Kernumwandlung wird als
Spontanzerfall bezeichnet, da sie ohne jeglichen Einfluss von außen
vonstatten geht.
Von den in der Natur vorkommenden 91 Elementen sind ca. 300 natürliche Nuklide bzw. Isotope bekannt, von denen etwa 50 spontan zerfallen und deshalb radioaktiv sind. Das schwerste stabile Nuklid ist Bismut-209. Alle schwereren Nuklide stabilisieren sich durch verschiedene radioaktive Zerfallsreaktionen.
Dabei unterscheidet man zwischen
.
Beispiele für spontane
radioaktive Zerfallsreaktionen
Zu den natürlichen Radionukliden
gehören z. B. Uran-238, Radium-226, Polonium-214, Caesium-137 oder
Kohlenstoff-14. Wir betrachten nachfolgend einige charakteristische Beispiele.
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(1)
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Beim spontanen Zerfall sehr schwerer Nuklide
wird häufig Alphastrahlung
ausgesendet: |
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(2)
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Es wird beim spontanen Zerfall Betastrahlung
ausgesendet: |
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(3)
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Bei fast allen Kernumwandlungen wird Gammastrahlung
freigesetzt. Oftmals verlaufen solche Prozesse als Elektroneneinfangreaktionen: |
| Uran-Radium-Reihe, | |
| Thorium-Reihe, | |
| Uran-Actinium-Reihe, | |
| Neptunium-Reihe. |
In Bild 5 sind alle natürlichen radioaktiven Zerfallsreihen mit
ihren Halbwertszeiten angegeben. Nur drei dieser Reihen spielen in der
Natur noch eine wesentliche Rolle. Die Neptunium-Reihe hat eine vergleichsweise
geringe Halbwertszeit - gemessen am Alter der Erde. Dadurch ist der Zerfall
schon so weit fortgeschritten, dass diese Reihe heute kaum noch praktische
Bedeutung besitzt.