



Klebstoffe
In der Natur verwenden die Tiere die unterschiedlichsten Kleber auf vielfältige
Weise. Sei es der Cellulosebrei beim Nestbau der Wespe (Analogie zum Tapetenkleister),
der Latex beim Gummibaum oder das Wachs der Bienen. Menschen nutzten schon
in der jüngeren Steinzeit die natürlich vorkommenden Baumharze
als Klebstoff - etwa zur Befestigung
von Speerspitzen. In Ägypten kannte man den Beruf des Leimsieders (Kellopsos),
die Griechen und Römer entwickelten die Leimher-stellung weiter. Seit
1830 kennt man den Naturkautschuk als Klebstoff. Moderne Entwicklungen haben
die Technik der Materialverbindung revolutioniert. Wir alle kennen den Klebstoffs
aus der Tube oder das Befestigen eines Posters an der Wand mit einem sogenannten
"Power Strip". Weniger bewusst ist uns der Einsatz von Klebstoffen
in Fahrzeugbau oder gar in der Luft- und Raumfahrttechnik.
Was ist ein Klebstoff?
Kleben ist die Verbindung zweier
Werkstoffteile (Fügeteile) mittels eines Klebstoffs.
Nach der DIN-Norm 16920 versteht man unter Klebstoff einen nicht metallischen Werkstoff, der Körper durch Oberflächen-haftung und innere Festigkeit (Adhäsion und Kohäsion) verbinden kann, ohne dass sich das Gefüge der Körper wesentlich verändert.
Daraus ergibt sich das Anforderungsprofil an einen Klebstoff: Er muss an fremden Oberflächen haften bleiben (Adhäsion) und zudem auch in sich selbst kleben (Kohäsion).
Adhäsion und Kohäsion
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Adhäsionskräfte
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Art
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Bindungslänge
in nm |
Bindungsenergie in kJ/mol
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In der Kohäsionszone selbst unterscheidet man zwischen:
Die Kohäsionskräfte eines Klebstoffs beruhen dabei im Wesentlichen auf den zwischenmolekularen Wechselwirkungen zwischen den Polymermolekülen. Entscheidend für die Stärke dieser Kräfte sind die Art und Größe der Seitengruppen im Molekül insbesondere deren Polarität sowie die Größe des Polymermoleküle selbst.
Benetzung als Basis einer guten Klebung
Da sich Kohäsions- und Adhäsionskräfte erst während
des Klebens ausbilden, ist es zwingend erforderlich, dass der flüssige
Klebstoff die Oberfläche des Fügeteils vollständig benetzt.
Daher muss der Klebstoff dünn und gleichmäßig aufgetragen
werden. Zudem muss die Oberfläche des Fügeteils auch zwingend
physikalisch oder chemisch aktive Strukturelemente aufweisen, mit denen
der Klebstoff in Wechselwirkung treten kann. Daher muss der Klebstoff
auf die Chemie der Fügeteiloberfläche abgestimmt werden. Zudem
nutzt man heute verschiedene Verfahren der Oberflächenbehandlung
um die Benetzung zu verbessern.
Arten von Klebstoffen
Es gibt verschiedene Typen von Klebstoffen:
| Physikalisch abbindende Klebstoffe | Chemisch abbindende Klebstoffe (Reaktionsklebstoffe) |
| Das Polymer liegt schon vor der Anwendung vor | Das Polymer wird durch chemische Reaktion (Polymerisation, Polyaddition, Polykondensation oder Vulkanisation) erst bei der Anwendung gebildet. |
| Nassklebstoffe | Einkomponentenklebstoffe |
| Kontaktklebstoffe | Zweikomponentenklebstoffe |
| Schmelzklebstoffe | |
| Haftklebstoffe |
Physikalisch abbindende Klebstoffe liegen beim Auftragen bereits im Endzustand vor, daher können nur solche Polymere als Kleber eingesetzt werden, die sich verflüssigen lassen. Gering vernetzte Elastomere, die stark aufquellen, kommen als Kontaktklebstoffe zur Anwendung.
| Klebstoff | Art der Abbindung | Basisrohstoffe | Anwendungs-beispiele |
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Nass- |
schnell verdunstende Lösungsmittel | Polyvinylester, Polymethyl-methacrylat, Natur- und Synthese-kautschuk |
Klebestifte, Alleskleber, Holzleim, PVC-Rohrklebung Druck- u. Verpackungsindustrie |
| Kontakt-klebstoff | Diffusion in die Oberfläche der Werkstoff-schicht | Butadiene-Acrylnitril-Kautschuk: Polyurethane |
Kraftkleber, Fußbodenverklebung, Schuhe, Automobilindustrie |
| Schmelz-klebstoff | Erstarren der Schmelze | Ethylen-Vinylacetat-Copolymere, Polyamide, Polyester u.a. | Heißkleber, Verpackungs-, Druck-, Textil-, Schuh-, Holzverarbeitende Industrie, Fahrzeugbau, Elektrotechnik |
| Haft-klebstoffe | dauerklebrige Schicht | spezielle Polyacrylate, Polyvinylether, Naturkautschuk | Klebebänder, Heftpflaster, Etiketten |
Chemisch härtende Klebstoffe
Chemisch härtende
Klebstoffe sind Klebstoffe, die in Verbindung mit einer weiteren Komponente
ihre Klebkraft entwickeln.
Einkomponentenklebstoffe benötigen eine zweite Reaktionskomponente wie z. B. die Luftfeuchtigkeit (beim Sekundenkleber) oder das UV-Licht (wie in der Zahnmedizin), die das Abbinden des Klebstoffes einleitet.
Beispiele für Einkomponentenklebstoffe
| Klebstoff | Art der Härtung | Basisrohstoffe | Anwendungs-beispiele |
| Sekunden-kleber | Polymerisation | Cyanacryl-säureester | Kleben von Kleinteilen, Glas, Gewebe, Sprühverband |
| strahlen-härtbare Klebstoffe | Polymerisation | Epoxyacrylate, Polyester-acrylate | Zahnmedizin, Kleben von Glas und transparenten Kunststoffen |
Zweikomponentenklebstoffe härten nach dem Mischen der Komponenten (Reaktionspartner) bei Raumtemperatur spontan aus. Sie werden getrennt bevorratet (Harz und Härter) und erst unmittelbar vor dem Auftragen gemischt.
Beispiele für Zweikomponentenklebstoffe
| Klebstoff | Art der Härtung | Basisrohstoffe | Anwendungs-beispiele |
| Methylmeth-acrylate | Polymeri-satrion | Methacrylsäure-methylester | Verkleben von Kunststoffen (Automobile, Schienenfahrzeuge) |
| Phenol-formaldehyd-harze | Polykonden-sation | Phenol, Methanal (Formaldehyd) | Holzwerkstoffe (Spanplatten), Brems- und Kupplungsbeläge |
| Silicone | Polykonden-sation | organische Polysiloxane | Dichtungen, Automobilbau, Elektrotechnik |
| Polyurethane | Polyaddition | Di- (bzw. tri-) funktionelle Isocyanate und Polyole | Karosseriebau, Glasscheibenkleben in Fahrzeugen, Materialien mit stark unterschiedlichem Temperatur-dehnungsverhalten |
| Epoxidharz-klebstoffe | Polyaddition | Oligomere Diepoxide und Polyamine oder Polyamidoamine | Fahrzeug- und Flugzeugbau, Karosseriebau, Reparaturklebung |
Epoxidharze
Ähnlich wie mit Isocyanaten können Alkohole, Amine und Säuren
auch mit Epoxiden Polyadditionsprodukte bilden. Man setzt dafür so
genannte Bis-Epoxide ein, die z. B. durch eine Kondensationsreaktion aus
dem auch für Polycarbonate eingesetzten 2.2-Di(4-hydroxy-phenyl)propan
und Epichlorhydrin gebildet werden. Diese zähflüssigen oder
schmelzbaren Produkte werden dann z. B. mit einem Diol, Polyol oder Polyamin
gehärtet.
"Epoxy"Klebstoffe sind allgegenwärtig, ob im Fahrzeug-
oder Flugzeugbau, im Haushalt oder auf dem Bausektor. Auch in den sogenannten
Verbundwerkstoffen sind sie unverzichtbar. Dies beruht darauf, dass sie
sich für Metallklebungen eignen und auch auf vielen Kunststoffen
gute Haftung aufweisen. Zudem sind sie beständig gegenüber physikalischen
und chemischen Einflüssen.