



Zur besseren Veranschaulichung des Zusammenhangs zwischen Struktur und Eigenschaften der Makromoleküle betrachtet man verschiedene Strukturebenen, indem man das komplexe Polymer gedanklich zerlegt.
Die Primärstruktur erfasst die elementaren atomaren Bausteine und deren chemische Verknüpfung. Die Sekundärstruktur beschreibt die regelmäßige, räumliche Anordnung der Makromoleküle, die durch zwischenmolekulare Kräfte bewirkt wird. Wie sich mehrere Makromoleküle zu mikroskopisch oder gar mit bloßem Auge sichtbaren Aggregaten zusammenfinden stellt die Tertiärstruktur dar.
Primärstruktur
Monomere im Makromolekül
Die Anzahl, Art und Anordnung der Monomere
beeinflussen die Werkstoffeigenschaften wesentlich. Die Anzahl der Monomere
bestimmt die Größe der Makromoleküle und ermöglicht
enorme Variationsmöglichkeiten ihrer Gestalt und Ordnung.
Unterschiedliche Substituenten an gleichartigen Monomeren beeinflussen
maßgeblich das chemische Verhalten und damit die Materialeigenschaften.
So hängt die chemische Beständigkeit von Kunststoffen davon
ab, ob nur relativ stabile C-C-Bindungen im Makromolekül vorliegen
oder z. B. hydrolyseanfällige Ester- bzw. Amidbindungen.
Auch die Polarität der funktionellen Gruppen der Monomere beeinflusst
die Eigenschaften. So weist z. B. Polyvinylchlorid infolge der zwischen
dem negativ polarisierten Chlor- und dem positiv polarisierten Kohlenstoffatom
wirkenden Dipolkräfte eine deutlich höhere Erweichungstemperatur
auf als Polyethylen und ist zudem auch spröder.
Der Grad der Verzweigung in der Polymerstruktur hängt sowohl von
der Art der verwendeten Monomere als auch von den Bedingungen der Synthese
ab. Aus Monomeren mit zwei reaktiven Gruppen erhält man lineare
oder verzweigte Makromoleküle. Tri- oder höherfunktionelle
Monomere, die auch als Vernetzer bezeichnet werden, führen zu dreidimensional
vernetzten Makromolekülen. Vernetzte Polymere quellen bei Lösemittelkontakt
nur an, sind jedoch immer unlöslich.
Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere
Thermoplaste sind bei normaler
Temperatur spröde oder zähelastisch, lassen sich durch Erwärmen
jedoch reversibel in den plastischen Zustand bringen und verformen. Sie
bestehen aus linearen unverzweigten und nicht vernetzten Molekülen.
Die mittlerer molare Masse beträgt zwischen
Sie weisen infolge der unterschiedlichen Polymerisationsgrade keine definierten
Schmelztemperaturen auf und die Erweichungstemperatur ist umso höher
je größer die kristallinen Bereiche sind.
Duroplaste bestehen aus dreidimensional
vernetzten Makromolekülen. Sie werden daher auch bei Erwärmung
nicht weich, lassen sich also auch nicht verformen. Bei hohen Temperaturen
brechen die kovalenten Bindungen, der Kunststoff zersetzt sich.
Elastomere bestehen ebenfalls aus Netzstrukturen,
diese sind aber viel weitmaschiger als bei den Duroplasten. So lassen
sie sich durch Zug oder Druck leicht verformen, da die verknäuelten
Kettenteile zwischen den Netzbrücken streckbar sind, kehren dann
aber durch thermische Bewegung wieder in die ursprüngliche Form zurück.
Copolymere
Copolymere oder Mischpolymere
entstehen, wenn zwei oder mehr unterschiedliche Monomere in eine Polymerkette
eingebaut sind.
Meist werden Monomere mit ganz unterschiedlichen Strukturen verknüpft. Auf diese Weise lassen sich die günstigen Eigenschaften von Polymeren, die nur aus einem Monomer aufgebaut sind, kombinieren. Abhängig von der Abfolge (Sequenz) der im Makromolekül enthaltenen Monomere A und B unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten von Copolymeren.

Isomerie und Werkstoffeigenschaften
Die Primärstruktur
und damit die Werkstoffeigenschaften der Kunststoffe werden auch durch
die Konstitution und Konfiguration der Moleküle wesentlich geprägt.
Ein Beispiel ist die infolge der symmetrischen Anordnung energetisch
stabilere 1,3 Stellung der Substituenten in einem Ethenpolymer. Noch offensichtlicher
wird die Auswirkung der Isomerie
für die Bildung von kristallinen Strukturen im Feststoff am Beispiel
von 1,3-Dienen.

Das Verhältnis von cis- zu trans-konfigurierten Doppelbindungen hat
genau wie das von 1,2- und 1,4-Polymerisaten entscheidenden Einfluss auf
die Materialeigenschaften. Naturkautschuk
entspricht dem ausschließlich cis-konfigurierten Polyisopren, und
sind die Ursache für dessen elastische Eigenschaften. Demgegenüber
findet man im kristallinen unelastischen Guttapercha ausschließlich
das trans-1,4-Polyisopren. Guttapercha dient zur Isolierung von Unterseekabeln
und zur Herstellung chemikalienbeständiger Kitte.
Auch die unterschiedliche Anordnung der Seitengruppen an tertiären,
asymmetrischen Kohlenstoffatomen führt zu anderen Eigenschaften der
Kunststoffe. Diese Form der Stereoisomerie von Makromolekülen bezeichnet
man als Taktizität.
Normalerweise entstehen bei einer Polymerisation
bei hohen Temperaturen und Drücken ataktische
Produkte ohne regelmäßige sterische Anordnung. Diese Hochdruckpolymere
haben geringe Dichten, sind weich, elastisch oder gummiartig.
Die mithilfe von Metall-Komplex-Katalysatoren bei geringen Temperaturen und Drücken erzeugten iso-
und syndiotaktischen Polypropylene weisen ein hohes Maß
an Kristallinität und damit auch eine höhere Steifigkeit auf.
Sekundärstruktur
Die Stärke der Sekundärbindungen und damit Bedeutung der Sekundärstruktur
für die Eigenschaften der Werkstoffe hängt von der Größe
der Moleküle, dem Ordnungsgrad, der Molekülart sowie den äußeren
Bedingungen ab.
Zwischen den Molekülen der Makromoleküle bilden sich je nach
Art der in den Monomeren vorliegenden Atomgruppen van-der-Waals-Kräfte,
Dipol-Dipol-Wechselwirkungen oder Wasserstoffbrückenbindungen aus.
Die zwischenmolekularen Kräfte wachsen mit der Größe (Oberflächeneffekt)
und dem Ordnungsgrad der Moleküle. Allerdings schwanken die Molekülgrößen
und Ordnungsgrade und damit auch die zwischenmolekularen Kräfte stark.
Dies führt beim Erwärmen dazu, dass die Anziehungskräfte
in einem mehr oder weniger breiten Temperaturfenster überwunden werden
und Kunststoffe daher keinen definierten Schmelzpunkt aufweisen. Die Temperatur,
bei der ein Kunststoff in den weichen plastischen Zustand übergeht,
bezeichnet man als Glasübergangs- bzw. Glastemperatur.

Gefaltete Ketten und Helix erfordern starke Dipol-Wechselwirkungen bzw.
Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Seitengruppen.
Tertiärstruktur
Die Tertiärstruktur
der Kunststoffe beschreibt den Zusammenhang zwischen der Kristallinität
und den Eigenschaften der Kunststoffe.
Die amorphen (glasartigen und spröden)
Strukturen sind am besten durch die Vorstellung eines statistisch in völliger
Unordnung verworrenen Bindfadenknäuels charakterisiert. Es können
auch Bereiche mit kristalliner Struktur
auftreten, in denen die Moleküle entweder parallel zueinander oder
lammellenartig gefaltet bzw. in kugelförmigen
Kristallen (Sphärolite) auftreten. Dazwischen treten immer wieder
amorphe Bereiche auf. Je regelmäßiger die Makromoleküle
gebaut sind, desto größer werden die kristallinen Bereiche
und umso stärker steigen die Schmelzintervalle, die Härte und
die Zugfestigkeit der Makromoleküle an.
In faserartigen Strukturen liegen die
Moleküle streng räumlich gerichtet nebeneinander, woraus eine
hohe Zugfestigkeit in Faserrichtung resultiert. Beim Nylon
oder Perlon wird die verstreckte kristalline
Form z. B. durch Wasserstoffbrückenbindungen fixiert.
Polymerisationsgrad
Der Polymerisationsgrad
gibt die Anzahl der Monomermoleküle an, die zu einem Makromolekül
verbunden sind. Er schwankt stets um einen Mittelwert.
| Im Gegensatz zu niedermolekularen Stoffen sind die Makromoleküle nicht einheitlich, sondern stellen immer ein Gemisch aus Molekülen mit ähnlicher Beschaffenheit dar. Man unterscheidet | |
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polymereinheitliche Stoffe, die aus Molekülen mit gleichem Aufbau bestehen und sich nur in der Größe unterscheiden. |
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polymerisomere Stoffe, bei denen die Anordnung der Grundbausteine innerhalb der Makromoleküle variiert |
Der Polymerisationsgrad hat wesentlichen Einfluss auf typische hochmolekulare
Eigenschaften wie Zugfestigkeit, Dehnung, Bruchfestigkeit, Viskosität, Erweichungspunkt
usw.