



Magnete und magnetische Erscheinungen kennen die Menschen schon seit Jahrtausenden. Doch warum ziehen sogenannte Dauermagnete manche Metalle an und manche nicht? Was hat der Magnetismus mit Lichterscheinungen wie Polarlichtern zu tun? Wie funktioniert ein Kompass mit seiner Magnetnadel? Haben nur Metalle magnetische Eigenschaften und wodurch werden diese verursacht?
Arten des Magnetismus
Auch wenn wir im Alltag nur die anziehende oder abstoßende Wirkung
von Dauermagneten oder Elektromagneten
kennen, so haben letztlich alle Stoffe magnetische Eigenschaften. Die
damit verbundenen Kräfte sind nur viel schwächer als die der
bekannten Dauermagneten (Bild 1).
Wie für alle stoffliche Eigenschaften liegen die Ursachen für
die magnetischen Eigenschaften in der Struktur der Stoffe und damit letztlich
im Aufbau der Atome und deren Elektronenkonfiguration.
Chemische Verbindungen bestehen aus Elementen, wobei die Atome in der
Regel so verbunden sind, dass eine stabile Elektronenanordnung der Atome
entsteht. So werden beispielsweise bindende Elektronenpaare
gebildet, damit möglichst alle Atome eine stabile Achterschale
aufweisen. Derartige Stoffe (Molekülverbindungen, Salze oder Edelgase)
in denen alle Elektronenschalen voll besetzt sind nennt man diamagnetische
Stoffe. Bringt man diese Stoffe
in ein äußeres Magnetfeld, dann kann man mit sehr empfindlichen
Messgeräten feststellen, dass Diamagneten das äußere Feld
um einen ganz geringen Betrag abschwächen. Im Alltag bemerken wir
diese Erscheinung nicht.
Die meisten Elemente verfügen jedoch nicht über vollständig
besetzte Elektronenschalen. Nichtmetalle wie die Halogene bilden daher
Moleküle mit einer geraden Anzahl von Elektronen und sind ebenfalls
diamagnetisch. Metalle besitzen jedoch freie Elektronen, die mit einem
äußeren Magnetfeld in Wechselwirkung treten können.
Auch in manchen Verbindungen können nicht alle Atome eine Achterschale
ausbilden, z. B. wenn die Gesamtzahl der Elektronen im Molekül
ungerade ist. Beispiele sind die Stickstoffoxide, Oxide von Nebengruppenelementen,
Komplexverbindungen und organische Radikale (Bild 2).
Diese paramagnetischen
Stoffe mit ungepaarten Elektronen verstärken ein von außen angelegtes Magnetfeld. Die
Ursache liegt hauptsächlich darin, dass jedes einzelne Elektron selbst
wie ein mikroskopisch kleiner Magnet wirkt. Bei Elektronenpaaren hebt
sich der magnetische Effekt der einzelnen Elektronen auf, weil die magnetischen Momente der beiden Elektronen im Paar entgegengesetzt gerichtet sind. Die ungepaarten Elektronen richten
sich nach den Feldlinien des äußeren Magnetfeldes aus und verstärken
es.
Der Paramagnetismus ist zwar stärker als der Diamagnetismus aber
im Alltag ebenfalls von geringer Bedeutung, da er sich nur in stärkeren
Magnetfeldern bemerkbar macht. Interessant ist diese Eigenschaft aber
für Chemiker und Physiker, die die Struktur von unbekannten Verbindungen
erforschen wollen. Wenn magnetische Messungen ergeben, dass Stoffe paramagnetisch
sind, dann besitzen diese immer ungepaarte Elektronen und sind fast immer
reaktiver als ähnliche Stoffe mit vollständig besetzten Elektronenschalen.
Zu den paramagnetischen Stoffen gehört überraschenderweise auch molekularer Sauerstoff. Nach der einfachen Vorstellung, dass die beiden Sauerstoffatome durch zwei Elektronenpaare in einer Doppelbindung im Molekül miteinander verbunden sind, sollte man Diamagnetismus erwarten. Der Paramagnetismus des Sauerstoffmoleküls kann aber mittels der MO-Bindungstheorie erklärt werden.
Ein weiterer Grund, warum wir den Paramagnetismus im Alltag kaum wahrnehmen
ist die Tatsache, dass die thermische Bewegung der Atome, Ionen und Moleküle
einer gemeinsamen Ausrichtung der Elektronen in eine Richtung entgegenwirkt.
Nur bei einigen wenigen Stoffen treten die Elektronen der Atome bei Raumtemperatur
in Wechselwirkungen miteinander und ordnen sich von selbst parallel zueinander
an. Durch diese parallele Anordnung vieler Elektronen in sogenannten
Weissschen Bezirken von ungefähr
0,1 mm Durchmesser addieren sich die magnetischen Momente der einzelnen
Elektronen. Legt man jetzt ein starkes äußeres Magnetfeld an,
richten sich alle Weissschen Bezirke in dessen Richtung aus und verstärken
es beträchtlich. Diese Anordnung bleibt teilweise erhalten, wenn
das äußere Feld abgeschaltet wird und der Stoff bleibt dauerhaft
magnetisch (Bild 3).
Da dauermagnetische Eigenschaften schon in der Antike bei verunreinigtem
Eisen und Eisenverbindungen (
,
Magneteisenerz oder Magnetit) beobachtet wurden, bezeichnet man diese
Erscheinung als Ferromagnetismus.
Auch Nickel, Cobalt und einige Metall-Legierungen weisen bei Raumtemperatur
ferromagnetische Eigenschaften auf und können magnetisiert werden.
Oberhalb einer bestimmten Temperatur wird die thermische Bewegung der
Atome jedoch zu stark und die Ferromagneten werden zu Paramagneten. Umgekehrt
können viele Paramagneten unterhalb einer kritischen Temperatur zu
Ferromagneten werden. Diese Temperatur heißt zu Ehren des französischen
Physikers PIERRE CURIE die CURIE-Temperatur (Bild 4).
Der Ferromagnetismus setzt viel stärkere Kräfte frei als der Paramagnetismus und wird daher meist im Zusammenspiel mit Elektromagneten vielfach in der Praxis genutzt. Als Dauermagneten sind jedoch nicht alle Ferromagneten geeignet, weil sich die parallele Anordnung der Weissschen Bezirke beispielsweise bei reinem Eisen sehr schnell wieder verliert. Diesen Effekt kennt jeder, der einen Eisennangel schon einmal magnetisiert hat: Trennt man den Nagel vom Magneten, dann bleibt der Nagel nur wenige Sekunden magnetisch.
Bessere Dauermagneten sind speziell behandelte Gemische aus Eisen-, Barium- und Strontiumoxiden (Ferritmagnete) und die Legierung AlNiCo, die aus den Metallen Aluminium, Nickel und Cobalt besteht. Besonders stark sind Dauermagneten aus Legierungen, die Lanthanoide (z. B. Samarium oder Neodymium) oder Actinoide enthalten.
Anwendungen von Magneten
Die bekannteste Anwendung von Dauermagneten ist wohl die Kompassnadel. Die Kompassnadel
besteht aus einer ferromagnetischen Legierung, die sich nach dem Magnetfeld
der Erde ausrichtet. Dieses Magnetfeld resultiert daher, dass die Erde
im Innern einen festen Kern aus Eisen enthält, der durch seine Rotation
ein Magnetfeld erzeugt.
Um 1820 fanden Physiker heraus, dass Kompassnadeln auch durch stromdurchflossene
elektrische Leitungen beeinflusst werden. Auch hier erzeugen bewegte Elektronen
ein magnetisches Feld. Auf der Basis dieser Entdeckung entwickelte man
Elektromagneten,
die im einfachen Fall aus einem Eisenkern bestehen, um den der stromdurchflossene
Leiter, z. B. ein Kupferdraht gewickelt wird. Die Funktion des ferromagnetischen
Kerns besteht in erster Linie darin, dass durch den Stromfluss erzeugte
Feld noch zu verstärken.
Derartige Elektromagneten werden für viele Zwecke verwendet. Mit ihrer Hilfe erfolgt die Stromerzeugung in Kraftwerken (Generatorprinzip), aber auch in Elektromotoren wird die Energie mithilfe von Magneten in mechanische Arbeit umgewandelt. Antennen, Lautsprecher, Klingeln, Fernseher, Personalcomputer und viele andere Gegenstände des täglichen Bedarfs würden ohne Elektromagneten bzw. ohne ferromagnetische Materialien nicht funktionieren (Bild 5).
Auch bei der NMR-Spektroskopie zur Strukturaufklärung organischer Verbindungen, bei der Magnetresonanztomografie in der medizinischen Diagnostik und beim Speichern von Daten auf der Festplatte geht es ohne Magnetismus nicht.