
Analyse
organischer Verbindungen
Das Reaktionsverhalten organischer Verbindungen wird
maßgeblich durch die in den Molekülen enthaltenen funktionellen
Gruppen bestimmt. Um die zu identifizierenden reinen Verbindungen einer
Stoffklasse zuordnen zu können, führt man einfache Nachweisreaktionen
durch, die ebenfalls auf Fällungsreaktionen
oder Farbreaktionen beruhen.
Der Nachteil der meisten einfachen Nachweisreaktionen funktioneller Gruppen
besteht darin, dass diese meist wenig stoffspezifisch sind, sondern nur
Hinweise auf die entsprechende Stoffklasse geben.
In der modernen Chemie weist man funktionelle Gruppen schneller und zuverlässiger
mittels spektroskopischer
Methoden nach, die außerdem noch weitere Informationen zur Struktur
der untersuchten Verbindung liefern.
Nachweis von Halogenverbindungen
Eine Möglichkeit besteht darin, die kovalent gebundenen Halogenatome
in Halogenid-Ionen zu überführen und als Silbersalze auszufällen.
Dazu erhitzt man die Analysensubstanz vorsichtig mit wenig
in
der Bunsenbrennerflamme. Nach dem Abkühlen wird der Rückstand
in verdünnter Salpetersäure aufgenommen und mit einigen Tropfen
-Lösung
versetzt. Die Fällung schwer löslicher Silberhalogenide zeigt
die Gegenwart der Halogenide an, die durch ihre Löslichkeit in Ammoniak
voneinander unterschieden werden können.

Halogenverbindungen können auch mittels Flammenfärbung identifiziert werden. Dazu wird ein sauberer Kupferdraht in die Substanz getaucht und anschließend in die Bunsenbrennerflamme gehalten. Durch Bildung von Kupfer(II)-halogeniden färbt sich die Flamme grün.
Nachweis ungesättigter
Verbindungen
Die Doppel- und Dreifachbindungen ungesättigter
Kohlenwasserstoffe oder Fettsäuren können durch elektrophile
Addition von Halogenen nachgewiesen werden. Für den qualitativen
Nachweis setzt man einige Tropfen Bromwasser
(3 % Brom in Wasser gelöst) zur Analysenlösung, die sich
bei Anwesenheit ungesättigter Verbindungen entfärbt.

Alkene reagieren außerdem noch mit 2 %iger
alkalischer
-Lösung
(BAEYER-Reagenz)
zu Diolen. Permanganat wird dabei zu Braunstein
reduziert, sodass sich die violette Lösung braun färbt. Diese
Redoxreaktion wird von vielen anderen reduzierenden Substanzen, z. B.
Aldehyden, gestört.

Aromatische Verbindungen geben diese Reaktionen nicht. Zur Prüfung, auf aromatische Strukturen, versetzt man die Probe mit trockenem Chloroform und frischem, wasserfreiem Aluminiumtrichlorid. Das Auftreten verschiedener Farbtönungen, z. B. tiefrot bei Benzen und Toluen, weist auf die Anwesenheit von Aromaten hin.
Nachweis von Aldehyden
Zum Nachweis der Aldehyd-Gruppe
nutzt man in erster Linie ihre reduzierende Wirkung. Die klassische Reaktion
ist die Fällung von ziegelrotem Kupfer(I)-oxid mit fehlingscher Lösung,
die auch die Aldehyd-Gruppe der Zucker anzeigt. Bei der Zugabe ammoniakalischer
Silbernitratlösung (Tollens-Reagenz)
zu einem Aldehyd wird die Fällung von schwarzem, elementarem Silber
oder die Abscheidung eines metallischen Silberspiegels beobachtet.

Beide Reaktionen werden
auch von vielen Zuckern, z. B. den Aldosen, und anderen reduzierend wirkenden
Substanzen eingegangen.
Mit fuchsinschwefliger Säure (Schiffs-Reagenz)
wird schon in Gegenwart kleinster Mengen Aldehyde eine rotviolette Färbung
beobachtet, der durch die Anlagerung der Aldehyde an das chromophore System
des Fuchsins zurückgeht. Reduzierende Zucker gehen diese Reaktion
nicht ein.
Nachweis von Alkoholen,
Phenolen und Carbonsäuren
Der chemische Nachweis der Hydroxy-Gruppe
und der Carboxy-Gruppe ist
besonders schwierig, da es kaum einfache Farb- oder Fällungsreaktionen
gibt, die charakteristisch für diese funktionellen Gruppen sind.
Farbreaktionen geben vor allem Phenole
mit 1 %iger
durch die Bildung farbiger Eisen(III)-Komplexe.
Hinweise auf Alkohole oder Säuren
erhält man z. B. durch den Geruch der Proben (z. B. bei Essigsäure
oder Ethanol) sowie ihre Löslichkeit in Wasser und den pH-Wert der
wässrigen Lösungen. Alkohole reagieren neutral (pH=7), Phenole
sind schwach sauer (pH = 3-7), während Carbonsäuren je nach
Säurestärke und Konzentration pH-Werte von 0 bis 6 aufweisen
können.
Als typische Reaktion kann eine Veresterung durchgeführt werden
und die Änderung des pH-Werts während der Umsetzung z. B. mit
Methanol oder mit Benzoesäure verfolgt werden. Da der gebildete Ester
neutral ist, kann man aus der Änderung des pH-Werts gut erkennen,
zu welcher der drei Stoffklassen die Analysensubstanz gehört. Außerdem
sind Ester in der Regel schlecht wasserlöslich, d.h. man beobachtet
die Abscheidung einer zweiten mit Wasser nicht mischbaren Phase, wenn
eine Veresterung mit der Analysensubstanz erfolgt ist.