






Die Nebengruppen sind die Gruppen im Periodensystem, die in der älteren Darstellung (Kurzperiodensystem) neben den entsprechenden Hauptgruppen stehen, und den Einruck erwecken, als wären sie mit diesen "verwandt". Alle Nebengruppenelemente sind Metalle. So finden wir in dieser Darstellung die Elemente der I. Nebengruppe, die Münzmetalle Kupfer, Silber und Gold, neben der Gruppe der Alkalimetalle, der I. Hauptgruppe.
In einigen Fällen sind gewisse verwandtschaftliche Beziehungen zu erkennen, was besonders bei den Oxidationszahlen sichtbar wird. So bilden die Elemente der I. Nebengruppe wie die Alkalimetalle häufig Verbindungen in denen einfach positiv geladene Kationen vorliegen wie z. B. Silbernitrat und Kupfer(I)-chlorid.
Auch die Elemente der II. Nebengruppe weisen Eigenschaften auf, die denen
der Elemente der II. Hauptgruppe, wie Magnesium und Calcium ähnlich
sind. Z. B. sind
isomorph und bilden Mischkristalle.
Diese Ähnlichkeiten
treten auch beim Vergleich in höheren Gruppen auf. So löst sich
Chrom(VI)-oxid,
wie das
in Wasser, zu einer sauren Lösung
Sowohl die Chromate als auch die Sulfate bilden mit Erdalkalimetallionen
wie
schwerlösliche Verbindungen, während die analogen Magnesiumverbindungen
in
Wasser gut löslich sind.
Schließlich kann als weiteres Beispiel gelten, dass die bei Normalbedingungen
flüssigen und explosiven Verbindungen Dichlorheptoxid,
und Dimanganheptoxid,
in Wasser die entsprechenden Säuren
(Perchlorsäure, Chlor(VII)-säure) bzw. Permangansäure,
bilden.
Für die Erklärung der genannten Ähnlichkeiten können
wir, wie so oft beim Vergleich chemischer Eigenschaften, die Valenzelektronenkonfiguration
heranziehen. Die Alkalimetalle verfügen über ein Valenzelektron,
sie haben die Valenzelektronenanordnung
(n = 2, 3, 4, 5, 6, 7). Dieses eine Valenzelektron ist mit steigender
Hauptquantenzahl n immer weiter vom positiven Kern entfernt. Außerdem
wird die positive Kernladung durch die zwischen dem Valenzelektron
und dem Kern zu formulierenden abgeschlossenen, also vollständig
mit Elektronen besetzten, Energieniveaus, gut abgeschirmt. Das Valenzelektron
wird deshalb mit zunehmender Hauptquantenzahl immer leichter abgegeben,
die Ionisierungsenergie sinkt.
Bei den Elementen der I. Nebengruppe formulieren wir die Valenzelektronenkonfiguration
formal
also wieder 1 Valenzelektron, was die Existenz der oben genannten Verbindungen
mit
(E = Cu, Ag, Au) erklärt. Aber der energetische Unterschied zu den
d-Niveaus ist nur gering, so dass auch aus diesen Niveaus Elektronen abgespalten,
oder zur Verbindungsbildung genutzt werden können, und Verbindungen
wie
gebildet werden. Wesentlich ist, dass die Radien der Elemente der 1. Nebengruppe
deutlich kleiner sind und damit das s-Valenzelektron fester gebunden ist.
Die 1. Ionisierungsenergie der Elemente ist höher, die Metalle sind
edler.
Die Valenzelektronenkonfiguration der Elemente der II. Nebengruppe ist
und
ist damit der Konfiguration der Elemente der II. Hauptgruppe ähnlich.
Das erklärt das Auftreten von
die einige, den Erdalkalimetallionen
ähnliche Eigenschaften haben und auch vergleichbar große Ionenradien
aufweisen.
Obwohl wir noch weitere Beispiele für die "Verwandtschaft von Haupt- und Nebengruppen" finden können, ist ein durchgängiges Prinzip nicht zu erkennen. Stattdessen sind auch deutliche Unterschiede zu erkennen, so z. B. beim Vergleich der Metalle der VII. Nebengruppe mit den stark elektronegativen Nichtmetallen der VII. Hauptgruppe. Zur VIII. Nebengruppe gehören im Kurzperiodensystem sogar 9 Elemente, während bei den anderen Nebengruppen nur 3 Elemente genannt werden.
Deshalb hat sich die Darstellung des Langperiodensystems (Bild 1)
durchgesetzt, die das dem PSE innewohnende Aufbauprinzip deutlicher macht.
Nach dem Calcium, Elektronenkonfiguration
,
folgt als nächstes Element das Scandium mit der Valenzelektronenkonfiguration
. Das
erste d-Block-Element verfügt über insgesamt 3 Valenzelektronen
und bildet zusammen mit den Elementen Yttrium, Lanthan und Actinium die
3. Gruppe. Bei ihm sind die 1. bis 3. Ionisierungsenergie vergleichsweise
niedrig, so dass
gebildet werden können.
Die Gruppenbezeichnung der d-Block-Elemente kann auch mit arabischen Zahlen von der 3. bis zur 12. Gruppe (Bild 2) erfolgen. Die Nummer der Gruppe ist bei diesem Prinzip identisch mit der Anzahl der Valenzelektronen.
Da insgesamt 10 Elektronen in die d-Orbitale eingebaut werden können,
entspricht die Valenzelektronenzahl des Chrom
und des Mangan
denen von Schwefel
bzw. Chlor 
Eine für die Nebengruppenelemente charakteristische Eigenschaft,
die Farbigkeit ihrer Verbindungen, tritt bei den Elementen auf, die Verbindungen
mit Oxidationsstufen bilden, in denen im jeweiligen d-Niveau eine Teilbesetzung
vorliegt.
So sind Titan(IV)-Verbindungen farblos, Titan(III)-Verbindungen dagegen
violett, weil bei einer Valenzelektronenkonfiguration
durch
Absorption von Licht in einen angeregten Zustand übergeführt
werden kann. Auch Zink(II)-verbindungen sind mit einer Elektronenkonfiguration
farblos.
In der folgenden Übersicht sollen die Nebengruppen z. T. tabellarisch vorgestellt werden.
III. Nebengruppe, 3. Gruppe
Die Elemente Scandium, Yttrium, Lanthan
und Actinium bilden diese Gruppe. Es
sind keine seltenen Metalle, aber sie sind in der Erdkruste fein verteilt.
Das bekannteste Mineral ist Thortveitit,
Die Metalle sind unedel und ihre Chemie ähnelt der des Aluminiums.
Yttriumverbindungen werden als Lumiphore in Farbfernsehröhren genutzt.
dient
zur Herstellung optischer Gläser.

IV. Nebengruppe, 4. Gruppe
Die Metalle Titan,
Zirkonium und Hafnium sind hochschmelzend
und korrosionsbeständig und finden Verwendung im Maschinen- und Apparatebau
(Bild 3). Die wichtigsten Mineralien sind die Oxide
wird
mit Koks und Chlor in
übergeführt, das durch Destillation gereinigt und mit Magnesium
oder Natrium zum Leichtmetall Titan reduziert wird. Es dominiert die Oxidationszahl
IV. Die Verbindungen sind überwiegend kovalent.
sind instabil und werden in wässriger Lösung zu
umgewandelt. Die Oxide sind hochschmelzende Verbindungen, die als Weißpigment
und
als hochfeuerfeste Materialien
bedeutsam sind. Die Basizität der Oxide nimmt mit steigender Ordnungszahl
zu.
Als Folge der Lanthanoidenkontraktion sind die Atomradien von Zirkonium
und Hafnium fast gleich und damit die Eigenschaften der Verbindungen sehr
ähnlich.

V. Nebengruppe, 5. Gruppe
Die Elemente Vanadium,
Niob und Tantal spielen als
Stahlveredler, z. B. für Baustähle eine große Rolle. Tantal
ist ein Werkstoff für chirurgische Instrumente und Materialien (Knochennägel,
Prothesen). Entsprechend der Elektronenkonfiguration ist die wichtigste
Oxidationszahl V. Vanadium ist ein essenzielles Spurenelement und stimuliert
die Chlorophyll-Synthese.
Wichtige Quelle für die Synthese von Vanadium und seine Verbindungen
ist ein Ti-Fe-Erz, bei dessen Verhüttung in der Schlacke ca. 20%
vorliegen.
Daraus wird entweder Ferrovanadium, eine V-Fe-Legierung, oder über
die thermische Zersetzung von
mit
dem VAN ARKEL-DE-BOER-Verfahren reines Vanadium gewonnen. Durch Reduktion
der Oxide
(M = Nb, Ta) mit Kohlenstoff können Niob und Tantal gewonnen werden.
Die Metalle reagieren bei höheren Temperaturen mit Nichtmetallen
wie
Oxidierende Säuren und Alkalihydroxidschmelzen lösen die Metalle.

VI. Nebengruppe, 6. Gruppe
Die Elemente Chrom,
Molybdän und Wolfram sind
als Stahlveredler und für den Korrosionsschutz z. B. durch Verchromen
von Bedeutung und werden häufig in Form der Eisenlegierungen gewonnen
und eingesetzt. Aus dem warmfesten Wolfram werden Glühdrähte
und Heizleiter hergestellt.
Während sich Chrom leicht in nichtoxidierenden Säuren löst,
sind Molybdän und Wolfram nur in heißen oxidierenden Säuren
lösbar. Die chemischen Eigenschaften von Molybdän und Wolfram
sind auf Grund der Lanthaniodenkontraktion ähnlich; die Chemie des
Chroms (chroma = Farbe) ist wesentlich variabler.
Verbindungen mit niedrigen Oxidationszahlen, also Reduktionsmittel treten
als Kationenkomplexe
in höheren Oxidationszahlen (Oxidationsmittel) als Anionenkomplexe
auf.
Die Tendenz zur Bildung von Polyanionen
ist groß. Die Acidität der Oxide steigt mit zunehmender Oxidationsstufe.
Chrom ist für den Glucosestoffwechsel und Molybdän in der Atmungskatalyse
ein essenzielles Element.

VII. Nebengruppe, 7. Gruppe
Während Mangan als essenzielles
Element zu den häufigsten Elementen der Erdkruste gehört, sind
Technetium und Rhenium
sehr selten. Die chemischen Eigenschaften von Mangan unterscheiden sich
deutlich von denen der schwereren Elemente, die wegen der Lanthanoidenkontraktion
ähnliche Eigenschaften aufweisen.
Der saure Charakter der Oxide und die Tendenz zur Bildung anionischer
Komplexe steigt mit zunehmender Oxidationszahl.
Als wichtiger Legierungsbestandteil wird Mangan überwiegend als Ferromangan
eingesetzt. Mangan ist in der Wärme reaktiv, löst sich in nichtoxidierenden
Säuren und überzieht sich an der Luft mit einer dünnen
Oxidschicht, die weitere Einwirkung verhindert. Auffällig ist die
Vielfarbigkeit von Mn-Verbindungen:

Technetium (griech. technetos = künstlich) wird bei der
Wiederaufbereitung von Kernbrennstäben als
gewonnen und isoliert.
Aus den Röstgasen der Molybdän-Produktion wird
und daraus Rhenium gewonnen. Es dient zur Herstellung von Thermoelementen
und Katalysatoren für bleifreies Benzin.

VIII. Nebengruppe, 8.-10. Gruppe
Die VIII. Nebengruppe umfasst 9 Elemente. In der Kurzperiodendarstellung
stehen diese Elemente neben den Edelgasen (8. Hauptgruppe). Die Reaktionsträgheit
der Edelmetalle und die maximale Wertigkeit acht weisen auf diesen formalen
Zusammenhang hin. Im Langperoidensystem bilden die Elemente die 8. (Eisen,
Ruthenium, Osmium), die 9. (Cobalt,
Rhodium, Iridium) und die 10. Gruppe (Nickel,
Palladium, Platin) des Periodensystems und werden hier auch getrennt
betrachtet.
8.Gruppe
Eisen ist das häufigste Nebengruppenelement
der Erdkruste. Es wird aus Oxiden durch Reduktion mit Koks meist in Hochöfen
(>10.000t pro Tag und Ofen), teilweise aber auch in Drehrohröfen
gewonnen. Aus dem nicht schmiedbaren Roheisen, welches einen hohen Kohlenstoffgehalt
aufweist, wird schmiedbarer Stahl mit einem Kohlenstoffanteil < 2,1%,
hergestellt. Über 1800 verschiedene Stahlsorten sind bekannt.
Eisen ist ein wichtiges Biometall (Hämoglobin, Ferredoxine) und mit
ca. 4 g in jedem Menschen enthalten.

9. Gruppe
Cobalt ähnelt in seinen chemischen und physikalischen Eigenschaften
dem Eisen. Es ist ein Permanentmagnet und wichtiges Legierungsmetall für
hochwarmfeste Werkstoffe. In Verbindungen tritt es als zweifach oder dreifach
geladenes Kation auf.
Iridium und Rhodium sind chemisch besonders resistent. Iridium ist das
dichteste chemische Element.

10. Gruppe
Nickel ist in seinen Eigenschaften
(Ferromagnetismus, Ionenwertigkeit) den Elementen Cobalt und Eisen ähnlicher
als den schwereren Elementen der 10. Gruppe. Es ist allerdings im Gegensatz
zu Eisen luftbeständig. Nickel wird in Speziallegierungen (Monel;
Cu-Ni-Legierung) und vielen Katalysatoren, speziell für Hydrierungen
verwendet. Auch Platin, Palladium und Rhodium finden Verwendung als Katalysatoren
(Autoabgaskatalysator /Pt, katalytische Oxidation von Ammoniak / Rh, katalytische
Hydrierung /Pd) und wegen der chemischen Beständigkeit als Kontaktmetalle
in der Elektrotechnik bedeutsam. Ein cm³ Palladium ist in der Lage
unter Aufweitung des Gitters 350 cm³ Wasserstoff, aufzunehmen.

I. Nebengruppe, 11. Gruppe
In dieser Gruppe sind die seit dem Altertum bekannten sogenannten Münzmetalle,
das technisch bedeutsame Kupfer und
die beiden Edelmetalle Silber und Gold
enthalten. Sie kommen als Sulfide (
)
oder auch gediegen (Au) in der Natur vor. Der Anteil der Wiederaufarbeitung
ist sehr hoch.
Wegen der Korrosionsbeständigkeit wird Gold für Kontakte in
der Elektronik verwendet. Kupfer ist ein bedeutsames Metall der Bauindustrie
(Rohre, Rinnen, Dächer) und ein wichtiges Legie-rungsmetall (Bronzen,
Messing). Silberhalogenide spielen in der Fotografie eine wichtige Rolle.

2. Nebengruppe, 12. Gruppe
Dazu gehören die Elemente Zink,
Cadmium und das einzige bei Raumtemperatur flüssige Metall
Quecksilber. Wie für die Nebengruppen
charakteristisch, nimmt der edle Charakter mit steigender Ordnungszahl
zu.
Durch Verzinken werden Stahl und Eisen wirkungsvoll vor Korrosion duirch
Rosten geschützt. Zink ist in über 200 Enzymen enthalten.
Die drei Metalle kommen in der Natur häufig als Sulfide vor.
Cadmium- und Quecksilberverbindungen sind im Gegensatz zu den Zinkverbindungen
toxisch, die Metalle werden an schwefelhaltigen Spezies fixiert. Quecksilber
wird vor allem bei der Chloralkalielektrolyse als Katodenmetall verwendet.
