




Bei Neutralisationsreaktionen reagieren Säuren und Basen miteinander. Dabei bilden sich aus den Wasserstoff-Ionen (Hydronium-Ionen) der Säuren und den Hydroxid-Ionen der Basen Wassermoleküle.
Neutralisationsreaktionen nach BRÖNSTED:

Die wesentliche Reaktion ist immer die Bildung der Wassermoleküle aus den Hydronium- und Hydroxid-Ionen. Deshalb wird bei allen Neutralisationsreaktionen die gleiche Wärmemenge von 57 kJ pro mol frei.
Setzt man äquivalente Stoffmengen der Basen und Säuren bei der Reaktion ein, erhält man den eine neutrale Lösung mit dem pH-Wert von 7. Dieser Fakt wird in der Technik, in der Medizin bzw. auch in der Landwirtschaft häufig bewusst ausgenutzt, spielt aber auch in der oft in der Natur eine Rolle.
Antazida
Antazida sind Arzneimittel, die
gegen "Sodbrennen" eingesetzt werden. Sodbrennen kommt u. a.
zustande, wenn die Säureproduktion im Magen zu stark ist. Wenn der
Verschlussmechanismus des Magens nicht richtig funktioniert, gelangt die
Magensäure in die Speiseröhre. Das saure Aufstoßen und
das brennende Gefühl sind nicht nur unangenehm, sondern kann auch
zu Entzündungen der Speiseröhre führen. Die Ursache kann
in der Lebensweise bestehen, beispielsweise kann diese Überproduktion
durch Stress oder auch falsche Ernährung ausgelöst werden (Bild 1).
Zur Bekämpfung der Symptome können Antazida eingesetzt werden.
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Name des Medikaments (Beispiele)
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Inhaltsstoff |
| Bullrich-Salz® | Natriumhydrogencarbonat |
| Kompensan® | Aluminiumnatriumcarbonatdihydroxid |
| Talcid® | Hydrotalcid (Aluminiummagnesium-hydroxidcarbonathydrat) |
| Maloxan® | Aluminiumhydroxidgel, Magnesiumhydroxidgel |
| Aludrox® | Aluminiumhydroxid |
| Rennie® | Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat |
Alle Wirkstoffe der verschiedenen Arzneimittel reagieren mit Wasser basisch. Durch ihre Reaktion mit der Salzsäure wird die Konzentration der Wasserstoff-Ionen (Hydronium-Ionen) vermindert.
Reaktionen nach BRÖNSTED:

Auch das alte Hausmittel, bei Sodbrennen einen Löffel Natron
in Wasser aufzulösen, führt natürlich zur Neutralisation
der Säure und hilft somit gegen den niedrigen pH-Wert (siehe zweite
Beispielreaktion). Sieht man sich aber die Reaktionsgleichung genauer
an, bemerkt man, dass als Reaktionsprodukt Kohlenstoffdioxid entsteht.
Das Gas wiederum kann zu einem unangenehmen Völlegefühl führen,
sodass Omas Hausmittel zwar wirkt, aber nicht das Mittel der ersten Wahl
sein sollte.
Neutralisationsraktionen im Boden
Überprüft man den pH-Wert
von Böden mit einer guten Krümelstruktur, stellt man meist
Werte fest, die im neutralen oder im leicht basischen Bereich liegen.
Saurer Regen beeinflusst diesen pH-Wert in bestimtem Maße (Bild 2).
Überprüft man die Veränderungen des pH-Wertes bei Zugabe
von sauren Lösungen zu Bodenproben, stellt man allerdings fest, dass
der pH-Wert bis zu einer bestimmten Säuremenge fast konstant bleibt.
Ganz einfach ist dieses unerwartete Ergebnis nicht zu erklären. Zuerst
einmal denkt man natürlich an eine einfache Neutralisationsreaktion,
die im Boden abläuft. Dabei würden sich die Hydroxid-Ionen und
die Wasserstoff-Ionen (Hydronium-Ionen) zu Wassermolekülen verbinden.
Dann müsste sich der pH-Wert aber schneller ändern. Da das nicht
passiert, spricht man von der Pufferwirkung
des Bodens.
Diese Wirkung beruht im pH-Bereich von 6,2-8,3 auf einem Kohlensäure-Hydrogencarbonat-System.
Im Boden ist Kohlensäure enthalten. Sie gelangt durch die Reaktion
von Kohlenstoffdioxid mit Wasser hinein. Die Kohlensäure reagiert
mit Wasser. Dabei bilden sich Hydrogencarbonationen.
Reaktion nach BRÖNSTED:

In der Natur läuft diese Reaktion ständig ab. Gleichzeitig
bildet sich aber aus den entstandenen Reaktionsprodukten ständig
wieder der Ausgangsstoff. So entsteht ein Gleichgewicht, in dem immer
ein bestimmtes Verhältnis zwischen dem Ausgangsstoff (Kohlensäure)
und den Reaktionsprodukten (Hydrogencarbonat-Ionen und Wasserstoff-Ionen)
vorliegt.
Durch dieses Puffersystem werden neu hinzukommende Wasserstoff-Ionen (Hydronium-Ionen),
beispielsweise aus dem sauren Regen, praktisch "weggefangen".
Die Hydrogencarbonat-Ionen reagieren mit den "neuen" Wasserstoff-Ionen
(Hydronium-Ionen) zu undissoziierter Säure. Die Wasseratome als Bestandteil
der Säuremoleküle beeinflussen den pH-Wert der Lösung nicht.
Kommen jedoch zu viele Wasserstoff-Ionen (Hydronium-Ionen) hinzu, funktioniert
dieses Puffersystem nicht mehr. Dann fällt der pH-Wert relativ stark
ab.
Das Besondere an Puffersystemen ist, dass nicht nur Wasserstoff-Ionen
(Hydronium-Ionen), sondern auch Hydroxid-Ionen in gewissem Maße
abgepuffert werden. Hydroxid-Ionen reagieren mit der undissozierten Säure
und bilden dabei Salze und Wasser. Dadurch wird der pH-Wert ebenfalls
kaum beeinflusst.
Das Puffersystem aus Kohlensäure und Hydrogencarbonat-Ionen spielt bei natürlichen Vorgängen häufig eine große Rolle. Für biochemische Prozesse ist es oft wichtig, dass ein konstanter pH-Wert eingehalten wird. Dies ist u. a. in der Mundhöhle der Fall. Speichel enthält ebenfalls die genannten Ionen. Dadurch können durch eine gute Speichelproduktion Säuren in der Mundhöhle abgepuffert werden. Aber auch im Blut wird der pH-Wert unter anderem durch dieses Puffersystem konstant gehalten.
Sinkt der pH-Wert des Bodens durch sauren Regen oder durch Austauschvorgänge
zwischen Pflanzen und Boden zu stark ab, werden die Pflanzen nicht nur
direkt beeinträchtigt, sondern es erfolgt auch eine Mineralstoffauswaschung.
Außerdem werden an die Bodenteilchen gebundene Schwermetall-Ionen
freigesetzt, die eine zusätzliche Belastung für die Pflanzen
darstellen. Nur wenige Spezialisten ertragen pH-Werte im sauren Bereich.
Die meisten Nutzpflanzen benötigen neutralen bzw. sogar leicht basischen
Boden. Daher wird neben anderen Werten der pH-Wert des Bodens genau überprüft.
Gegebenenfalls muss durch Düngung
der pH-Wert erhöht werden. Dabei nutzt man Neutralisationsreaktionen
aus.
Beispielsweise ist der Einsatz von Magnesiumoxid möglich, um saure
Böden zu neutralisieren (Reaktion nach BRÖNSTED):

Ähnlich reagiert Calciumoxid. Durch die Verringerung der Konzentration
der Wasserstoff-Ionen (Hydronium-Ionen) steigt der pH-Wert.
Die beschriebenen chemischen Vorgänge bewirken eine sehr schnelle
Änderung des pH-Wertes und können deshalb nicht überall
zum Einsatz kommen. Mit dem Einsatz von Calciumcarbonat oder Magnesiumcarbonat
kann man ebenfalls den pH-Wert beeinflussen. Die Wirkung erfolgt jedoch
langsamer, dafür umso schonender. Sie beruht darauf, dass infolge
der Reaktionen im Boden wiederum der Anteil an Hydrogencarbonat-Ionen
erhöht wird und die oben beschriebenen Prozesse ablaufen.
Im Übrigen wird durch die Gabe von Kalk nicht nur der Ackerboden behandelt. Man versucht auch, durch die Düngung der Wälder mit calciumcarbonathaltigen Düngemitteln die Folgen des sauren Regens zu vermindern (Bild 3).
Kaugummi kontra Säuren?
Mit der Nahrung nehmen wir erstaunlicherweise viele säurehaltige
Nahrungsmittel zu uns. Dazu gehört selbst Mineralwasser und viele
Süßigkeiten. Außerdem bilden sich in Zahnbelägen
(Plaque) unter dem Einfluss von Bakterien aus Zucker ebenfalls Säuren.
Die Säuren greifen den Zahnschmelz
an, unter einem pH-Wert von 5,7 erfolgt die Demineralisierung, das heißt
die Calcium-Ionen werden aus den Zähnen gelöst. Infolge der
bakteriellen Tätigkeit im Plaque kann der pH-Wert auf 3,5 sinken.
Vor nicht allzu langer Zeit wurde daher geraten, nach jedem Essen sofort
die Zähne gründlich mit einer Zahnbürste zu reinigen. Nach
neuesten Erkenntnissen ist diese Hygienevorschrift aber überholt.
Gerade weil die Säuren (die mit der Nahrung aufgenommen werden) den
Zahnschmelz angreifen, soll man die Zähne in dieser Phase möglichst
nicht mit der Bürste bearbeiten, denn dadurch werden Schäden
am Zahn hervorgerufen. Das Milieu in der Mundhöhle muss sich erst
wieder normalisieren, sodass der Schmelz wieder härten kann. Dann
müssen die Zähne natürlich gereinigt werden, um die Ausbildung
von Plaque zu verhindern.
Direkt nach einer Mahlzeit bzw. wenn man säurehaltige Lebensmittel
wie Obstsäfte zu sich genommen hat, kann man die Herstellung des
normalen Milieus unterstützen. Empfohlen wird, den Mund mit Wasser
auszuspülen. Durch das Wasser wird die Konzentration der Säuren
im Mund einfach verdünnt und Essensreste werden fortgespült.
Neutralisation von Abwässern
Abwässer aus Haushalten sind häufig nicht neutral. Sie enthalten
Säuren aus Badreinigern, Säuren aus Lebensmitteln, basischen
Seifenlösungen oder basische Rohrreiniger u. a. Auch die Abwässer
aus der Industrie liegen sind selten pH-neutral. Hinzu kommen saure Lösungen
aus der Regenentwässerung, wenn der pH-Wert durch Reaktionen mit
Industrieabgasen im sauren Bereich liegt. Alle dies Abwässer gelangen
in Klärwerke, denn sie müssen gereinigt werden, ehe sie wieder
in Oberflächengewässer eingeleitet werden können.
Im Klärwerk wird das
Wasser nicht nur mechanisch, sondern auch mithilfe von Mikroorganismen
gereinigt. (In vielen Klärwerken erfolgt zudem noch eine chemische
Phosphat- und Nitratfällung, siehe Bild 5). Die Mirkoorganismen
bauen gelöst vorliegende Verunreinigung ab. Das erfolgt in sogenannten
Belebungsbecken. Für die biochemischen Reaktionen wird Sauerstoff
benötigt, der in diese speziellen Becken durch ein Belüftungssystem
realisiert wird. Die Mirkoorganismen vertragen keine großen Schwankungen
des pH-Wertes. Sie benötigen ein neutrales Milieu. Daher wird der
pH-Wert der Abwässer geprüft und die Lösungen mit Säuren
oder Basen behandelt, um sie zu neutralisieren. Ist das Abwasser sauer,
wird Natriumhydroxid eingesetzt (Reaktion nach BRÖNSTED):

Zu basischen Abwässern wird Säure hinzugefügt. Auch hier erfolgt eine Neutralisation durch die Reaktion der Wasserstoff-Ionen (Hydronium-Ionen) mit den Hydroxid-Ionen zu Wasser.
Neutralisation nach BRÖNSTED:

Neutralisationsreaktionen zur Maßanalyse
Die Säure-Base-Titrationen
(Neutralisationstitrationen) dienen
zur Bestimmung von Konzentrationen von Säure- bzw. Baselösungen.
Dabei wird ausgenutzt, dass die Wasserstoff-Ionen (Hydronium-Ionen) der
Säurelösung mit den Hydroxid-Ionen der Baselösung zu Wassermolekülen
reagieren und sich entsprechend der pH-Wert der Lösung ändert.
Am Äquivalenzpunkt sind die Mengen der Säure und der Base exakt
gleich. Man bestimmt diesen Punkt, indem zu einer Analysenlösung
mit einem bekannten Volumen, aber unbekannter Konzentration eine Maßlösung
mit einer bekannten Konzentration hinzufügt. Mithilfe eines geeigneten
Indikators kann man der Punkt erkennen, an dem sich die Säure und
die Base in ihrer Wirkung aufheben, also weder ein Überschuss an
Wasserstoff-Ionen noch an Hydroxid-Ionen vorliegt. Mithilfe der ermittelten
Messwerte kann die Konzentration der Analysenlösung berechnet werden
(Rechenbeispiel).
Der Ablauf von Säure-Base-Titrationen ist in einem anderen Beitrag
auf dieser CD beschrieben. Diese maßanalytischen Titrationsverfahren
kommen vielfältig zum Einsatz: für die Überwachung von
Umweltprozessen, wie die Analyse der Wasser- und Bodenqualität, für
die Prozessführung bei der Herstellung von Lebens- und Arzneimitteln,
bei der Aufdeckung von Umweltskandalen usw.