



Aus der Geschichte des Periodensystems
der Elemente
Die Geburtstunde für eine Vorstufe des heutigen Periodensystems der Elemente schlug bereits
im Jahr 1829, als der Jenenser Chemiker JOHANN WOLFGANG DOEBEREINER (Bild
4) in dem Buch "Annalen der Physik" seinen "Versuch zur Gruppierung
der elementaren Stoffe nach ihrer Analogie" veröffentlichte.
Er hatte Dreiergruppen chemischer Elemente mit ähnlichen Eigenschaften
zusammengestellt und dabei bemerkt, dass die Atommasse des jeweils zweiten
Elements etwa dem arithmetischen Mittel aus den Werten des ersten und
dritten Elements entsprach.
| Zwei Triaden von DOEBEREINER: | Li (7) Na (23) K (39) |
| Cl (35) Br (80) I (127) |
1850 stelle MAX VON PETTENKOFER größere Gruppen chemischer Elemente als DOEBEREINER zusammen, z. B. Stickstoff (N) - Arsen (As) - Antimon (Sb) - Bismut (Bi)
BEGUERDE CHANCOURTOIS entwarf 1862 ein Modell, bei dem die Elemente nach ihrer steigenden Atommasse auf einer Schraubenlinie um einen Zylinder angeordnet waren.
Mehr als 30 Jahre später ordnete der englische Chemiker JOHN ALEXANDER
NEWLAND (1837 bis 1898) 35 der damals bekannten Elemente einfach nach
steigender Atommasse. Dabei stellte er fest, dass nach jeweils sieben
Elementen periodisch ein achtes Element folgte, das dem Ersten ähnelte.
Allerdings war sein "Law of Oktaves" mit vielen Störungen
behaftet. Schließlich waren zahlreiche Elemente noch nicht entdeckt.
Der deutsche Chemiker LOTHAR MEYER verwendete 1869 bei Vorlesungen bereits
eine ebenfalls noch lückenhafte, aber unserem heutigen Periodensystem
stellenweise schon sehr ähnliche Anordnung der Elemente.
In Bezug auf die Lücken warnte er jedoch vor "höchst anziehenden
Spekulationen über Existenz und Eigenschaften von Elementen, welche
bis jetzt noch nicht entdeckt sind".
Anders reagierte der russische Chemiker DIMITRI IWANOWITSCH MENDELEJEW
(1834 bis 1907), der zeitgleich, aber unabhängig von MEYER, ein Periodensystem
aufgestellt hatte. Er setzte konsequent Fragezeichen, wenn ihm der Unterschied
zwischen den Atommassen zweier benachbarter Elemente mit ähnlichen
Eigenschaften zu groß erschien. An solchen Stellen vermutet er noch
nicht entdeckte Elemente und sagte ihre Eigenschaften voraus.
MENDELEJEW schrieb beispielsweise in Bezug auf das hinter Silicium noch
fehlende Element, das er zunächst Eka-Silicium nannte, Folgendes:
"Das Atomgewicht muss sich 72 nähern; das höchste Oxid
muss
...
sein ...; Sodann muss es eine flüchtige und flüssige Cl-Verbindung
vom Siedepunkt
90 °C und dem spezifischen Gewichte 1,9 bilden ... das metallische
Eka-Silicium muss sich ziehmlich leicht aus dem Oxide ... durch Reduktion
herstellen lassen und das spezifische Gewicht von 5,5 zeigen."
Eka-Silicium wurde 1886 von dem Freiberger Chemiker CLEMENS WINKLER entdeckt
und Germanium (Bild 6) genannt. Es zeigten sich große Übereinstimmungen
mit Eigenschaften, die MENDELEJEW vorausgesagt hat.
Das von MENDELEJEW ebenfalls vorausgesagte Element Eka-Aluminium (Gallium - Bild 7) wurde 1875 von dem Franzosen PAUL-EMILE LECOQ de BOISBAUDRANU und das Eka-Bor (Scandium) 1879 durch den Schweden LARS FREDERIK NILSON entdeckt.
Atomhülle und Periodizität
In den folgenden Jahrzehnten wurden noch viele bestehende Lücken
im Periodensystem durch Entdeckungen geschlossen. Unter anderem wurden
ab 1894 die chemisch schwer zugänglichen Edelgase gefunden.
Es waren die offenbar gesetzmäßigen Zusammenhänge zwischen
Atomgewicht und Charakter des Elements, die MENDELEJEW seinen Voraussagen
zugrunde legte, besonders das Gesetz
der Periodizität, dem schließlich
das Ordnungssystem der Elemente seinen Namen verdankt. Es wurde damals
so formuliert:
"Die nach steigenden Atomgewichten geordneten Elemente zeigen deutlich
Periodizität ihrer Eigenschaften."
Erst zu Beginn des 20 Jh. wurde allmählich klar, worauf die Periodizität
der Elemente, die in vielfältigen regelmäßig wiederkehrenden
Ähnlichkeiten und Veränderungen zum Ausdruck kommt, eigentlich
beruht.
Als die Chemiker das damals bekannte Periodensystem der Elemente mit den
neuesten Erkenntnissen über den Atombau (Kern, Hülle, Protonen,
Elektronen mit unterschiedlichem Energieniveau) verglichen, entdeckten
sie, dass eine neue Periode immer dort beginnt, wo hinzukommende Elektronen
ein sprunghaft höheres Energieniveau einnehmen.
Am Anfang aller sieben Perioden befinden sich Elemente mit einem Elektron
auf der Außenschale der Atome. Innerhalb der Periode steigt die
Anzahl der Außenelektronen an. Daraus ergibt sich, dass die im Periodensystem
unter- oder übereinanderstehenden Elemente die gleiche Anzahl von
Außenelektronen besitzen. Daraus resultieren gemeinsame Gruppeneigenschaften.
Die schrittweise Zunahme der Anzahl der Elektronen in der Außenschale
innerhalb einer Periode führt zwangsläufig zur periodischen
Änderung der von den Außenelektronen ihrer Atome abhängigen
Eigenschaften.