




Phosphor ist ein Element der V. Hauptgruppe. Das Phosphoratom besitzt 15 Protonen und 16 Neutronen im Atomkern sowie 15 Elektronen in der Atomhülle. Davon befinden sich 10 Elektronen auf den beiden inneren, voll besetzten Elektronenschalen. Die restlichen 5 Elektronen auf der dritten, nicht vollständig besetzten Elektronenschale sind die Außenelektronen des Phosphors.
Um eine stabile Elektronenkonfiguration, die Edelgaskonfiguration des
Argons, zu erreichen, kann Phosphor drei Elektronen aufnehmen. Mit einigen
elektropositiven Metallen bildet Phosphor ionische Phosphide, die Phosphidanionen,
, enthalten.
Wesentlich häufiger jedoch geht Phosphor polare oder unpolare Atombindungen
mit geeigneten Partnern ein. Anders als Stickstoff bildet Phosphor nur
selten Mehrfachbindungen aus und kommt daher nicht als
-Molekül
vor. Wie alle Elemente der 3. Periode kann auch Phosphor mehr als 4 Atombindungen
eingehen.
Phosphor wurde 1669 von dem Alchimisten Henning Brand (um 1630 - nach 1692) auf der Suche nach Gold bzw. dem "Stein der Weisen" entdeckt, als er im eingedampften Harn unter Luftabschluss eine feste Substanz erhielt. Bei Lufteinwirkung leuchtete diese Substanz im Dunkeln und bekam deshalb den Namen (griech: phosphoros = Lichtträger, Licht tragend).
Modifikationen
Modifikationen sind verschiedene
Erscheinungsformen ein und desselben Stoffes. Modifikationen eines Elements
bestehen aus den gleichen Atomen, haben aber durch unterschiedliche Anordnung
der Atome (Struktur) unterschiedliche physikalische und z. T. auch chemische
Eigenschaften.
Vom elementaren Phosphor existieren mehrere Modifikationen, so z. B. weißer,
roter, violetter oder schwarzer Phosphor. Die einzelnen Modifikation unterscheiden
sich in ihren Strukturen und somit auch in ihren Eigenschaften.
Phosphoratome bilden untereinander keine Mehrfachbindungen. Um ein Elektronenoktett
zu erhalten, werden bei der weißen Modifikation drei unpolare Atombindungen
zu anderen Phosphoratomen und ein freies Elektronenpaar ausgebildet. Dadurch
entstehen tetraederförmige
-Moleküle,
die aber im Gegensatz zu anderen tetraedrischen Strukturen (Kohlenstoff
im Diamantgitter) energiereich sind (Bild 2). Aufgrund dieser Struktur
ist weißer Phosphor außerordentlich
reaktionsfreudig und entzündet sich selbst an Luft. Um zu verhindern,
dass er mit dem Luftsauerstoff reagiert, muss weißer Phosphor unter
Luftabschluss (z. B. unter Wasser) gelagert werden.
Weißer Phosphor ist kristallin, bei Zimmertemperatur wachsartig
und löst sich nicht in Wasser. Er bildet sehr giftige Dämpfe
und leuchtet im Dunkeln. Das Leuchten des weißen Phosphors im Dunkeln
beruht darauf, dass er an der Luft in Spuren verdampft und langsam zu
Phosphor(V)-oxid oxidiert wird. Bei dieser Reaktion wird Energie frei,
die zum Teil als Licht abgegeben wird. Diese Erscheinung bezeichnet man
als Phosphoreszens.
Roter, schwarzer und violetter Phosphor können aus der weißen
Modifikation hergestellt werden. Sie bilden kompliziertere, dafür
aber stabilere Strukturen (Bild 3).
Reaktionen des Phosphors
Das Element Phosphor ist ein typisches Nichtmetall. Es bildet in erster
Linie polare Atombindungen zu anderen Partnern aus, die speziell bei den
Phosphor-Sauerstoff-Verbindungen sehr stabil sind. In salzartigen Verbindungen
ist Phosphor anionisch gebunden.
Der reaktionsfreudige weiße Phosphor ist schon bei tiefen Temperaturen
selbstentzündlich. An trockener Luft verbrennt er zu Phosphor(V)-oxid,
das aus
-Molekülen
aufgebaut ist.

Mit Halogenen, z. B. Chlor, reagiert Phosphor zu Halogeniden.

Phosphor kommt in der Natur nur in gebundener Form vor. Die wichtigsten Mineralien sind die Phosphate, z. B. Apatit

Hydroxylapatit,
, bildet
die Knochensubstanz bei Wirbeltieren. Auch sonst haben Phosphate große
Bedeutung im Organismus. Sie sind u. a. in der DNA (Bild 4) und im Energieträger
ATP (Adenosintriphosphat) enthalten.
Hergestellt wird elementarer Phosphor aus Calciumphosphat, das im Lichtbogenofen bei 1 400 °C mit Koks reduziert wird. Durch den Zusatz von Quarzsand wird das Calciumoxid in eine bei diesen Temperaturen dünnflüssige Schlacke aus Calciumsilicaten überführt.

Weißer Phosphor dient zur Gewinnung verschiedener Phosphorverbindungen, z. B. Phosphor(V)-oxid, Phosphorsäure und Phosphaten. Roter Phosphor wird zur Herstellung von Zündhölzern, Streichholzreibflächen, Feuerwerk und Brandbomben sowie zur Erzeugung künstlichen Nebels genutzt.
Phosphor-Sauerstoff-Verbindungen
Die Sauerstoff-Verbindungen des Phosphors sind verschiedene Oxide, deren
Säuren und die Salze dieser Säuren.
Phosphor bildet Oxide unterschiedlicher Zusammensetzung, die wichtigsten
Vertreter sind Tetraphosphorhexaoxid
und Tetraphosphordecaoxid
.
Technisch bedeutsam ist vor allem Phosphor(V)-oxid oder Tetraphosphordecaoxid,
das nach dem stöchiometrischen Verhältnis der Elemente auch
Phosphorpentoxid
genannt wird, obwohl seine Summenformel
ist. Die
-
Moleküle bilden eine sogenannte Käfigstruktur aus vier Phosphor-
und zehn Sauerstoffatomen, die durch polare Atombindungen miteinander
verbunden sind (Bild 5).
Phosphorpentoxid ist ein weißes geruchloses Pulver. Es reagiert
sehr heftig mit Wasser unter Bildung von Phosphorsäure. Wegen der
Wasser entziehenden Wirkung wird das Oxid als Trockenmittel verwendet.

Phosphor bildet eine Vielzahl von Säuren. Die wichtigste davon ist
die Phosphorsäure
. Phosphorsäure
ist eine mittelstarke Säure, die drei Wasserstoff-Ionen (Protonen)
abgeben kann und somit eine dreiprotonige (dreiwertige) Säure ist.
Sie kann durch Umsetzung von Calciumphosphat mit verdünnter Schwefelsäure
hergestellt werden:

Phosphorsäuremoleküle können durch Wasserabspaltung (Kondensation)
miteinander verknüpft werden, wobei lineare oder verzweigte Ketten
oder ringförmige Moleküle entstehen. Solche Kondensationsreaktionen
spielen im Organismus eine wichtige Rolle, z. B. bei der Umwandlung von
Adenosindiphosphat (ADP) zu Adenosintriphosphat (ATP), das als Energiespeicher
dient. Die Kondensation von Phosphorsäure mit Hydroxy-Gruppen führt
zu Phosphorsäureestern, die z. B. in der DNA (Bild 4) vorkommen und
somit ebenfalls biologisch von großer Bedeutung sind.
Phosphorsäure dient als Ausgangsstoff für die Herstellung phosphathaltiger
Düngemittel und von Wasserenthärtern auf Phosphatbasis. In der
Getränkeindustrie wird sie als säuernder Zusatzstoff, z. B.
in Cola, genutzt.
Bei der Neutralisation von Phosphorsäure entstehen Phosphate.
Da Phosphorsäure eine dreiprotonige Säure ist, verläuft
die Neutralisation über drei Stufen. Je nach den eingesetzten Mengenverhältnissen Phosphorsäure : Lauge erhält man Dihydrogenphospate (primäres Phosphat), Hydrogenphosphate (sekundäres Phosphat) oder Phosphate (tertiäres Phosphat). Da das dritte Proton nur schwer abgegeben wird (der pKs-Wert für die dritte Stufe der Phosphorsäure beträgt 12,3), kann man nur von starken Basen die tertiären Phosphate herstellen. Phosphate, vor allem Calcium- und Ammoniumphosphate, sind wichtige Düngemittel.
Außerdem sind Phosphate als Komplexbildner in Waschmitteln enthalten.
Aus beiden Anwendungen ergibt sich eine umweltschädigende Wirkung
der Phosphate. Über Abschwemmung (Düngemittel) bzw. das Abwasser
(Waschmittel) gelangen Phosphate in Flüsse und Seen. Dort fungiert
Phosphat als Nährstoff für Wasserpflanzen und Algen. Durch das
Überangebot an Phosphaten kommt es zu einem Massenwachstum der Algen. Wenn die abgestorbene Biomasse dann auf den Grund des Gewässers absinkt, wird dort sehr viel Sauerstoff für den Abbau verbraucht. Die Folge ist Sauerstoffmangel in den unteren Gewässerschichten, der letztendlich dazu führt,
dass Fische und Wasserpflanzen absterben (Bild 6).
Aus diesem Grund gibt es in der BRD strenge Richtlinien zum Phosphateintrag
in Gewässer. Moderne Waschmittel sind deshalb phosphatfrei oder zumindest
phosphatarm.
Weitere Phosphor-Verbindungen
Phosphor bildet auch mit Halogenen und Wasserstoff Verbindungen unterschiedlicher
Zusammensetzung - die Phosphorhalogenide und die Phosphane. Da jedoch
die Phosphor-Sauerstoff-Bindung stabiler als die anderen Phosphor-Element-Bindungen
ist, sind die Halogenide und Phosphane an Luft nicht sehr beständig.
Sie sind daher im Alltag und in der Technik nur von untergeordneter Bedeutung.
Phosgen ist keine
Verbindung des Phosphors, sondern nur der Trivialname für das giftige
Gas
. Der Name rührt daher, weil die Verbindung erstmalig von Sir M. DAVY bei Bestrahlung eines Gemisches von Kohlenstoffmonooxid und Chlor mit Licht (phosgen = mit Licht erzeugt) erhalten wurde.