

Das menschliche
Auge ist in der Lage, einen bestimmten Bereich elektromagnetischer Wellen,
das sichtbare Licht,
wahrzunehmen. Er liegt zwischen 400 nm und 800 nm und wird VIS-Bereich
genannt. Jede Wellenlänge entspricht einer bestimmten Farbe, die wir
sehen, und einer bestimmten Energie.
Schickt man weißes Sonnenlicht durch ein Prisma, stellt man fest,
dass es sich aus vielen Farben, den Spektralfarben, zusammensetzt. Umgekehrt
lassen sich die Spektralfarben mit Hilfe einer Sammellinse wieder zu weißem
Licht vereinigen.
Ein Prisma in der Natur sind Wassertropfen: Scheint Sonnenlicht durch Regentropfen,
entsteht ein Regenbogen (Bild 1).
Dass uns Stoffe farbig erscheinen, liegt an der Fähigkeit dieser Verbindungen, Licht einer bestimmten Wellenlänge im VIS-Bereich zu absorbieren. Der nicht absorbierte Teil des Lichts, also die Komplementärfarbe ist sichtbar.

Dieses Phänomen lässt sich mit Hilfe der Molekülorbital-Theorie
erklären. Die kovalenten Bindungen in einem Molekül entstehen
jeweils durch die Bildung energiearmer bindender Molekülorbitale
(MOs) und dazugehöriger antibindender Molekülorbitale höherer
Energie.
Da die antibindenden MOs nicht oder nicht vollständig mit Elektronen
besetzt sind, können Elektronen aus den tiefer liegenden Orbitalen
in antibindenden MOs übergehen, indem sie genau das dafür nötige
Energiequantum absorbieren, d. h. Licht derjenigen Wellenlänge, die
dieser Energie entspricht.
Die Energie, die nötig ist, um solche Elektronenübergänge zu ermöglichen, und damit die erforderliche Wellenlänge der absorbierten
Strahlung werden von der Struktur der chemischen Bindungen bestimmt. So
ist die benötigte Energie unterschiedlich, je nachdem, ob es sich um
Einfach-, Doppel- oder Dreifachbindungen handelt. Für den Elektronenübergang
in einer Einfachbindung
ist erheblich mehr Energie nötig als für einen
in einer
(Doppel- oder Dreifachbindung) oder einem
von einem nicht bindenden MO eines freien Elektronenpaars in ein antibindendes
MO (Bild 2).
Die Farbigkeit der Komplexverbindungen der Nebengruppenelemente beruht darauf, dass die entarteten d-Orbitale unter dem Einfluss beispielsweise eines oktaedrischen Ligandenfelds aufspalten (Bild 3). Die Energiedifferenz ΔE liegt im Bereich des sichtbaren Lichts. Die Farbe des purpurroten Ti(H2O)63+-Komplexes resultiert aus der Anregung des d-Elektrons in das höhere Niveau mit dem Absorptionsmaximum bei 500 nm.