


Aromaten
Aromatische Verbindungen sind grundsätzlich cyclische
Verbindungen, die folgende Kriterien
erfüllen:
hybridisiert
und liegen somit in einer Ebene.
System
delokalisiert. Sie sind über den gesamten Ring verteilt, was zu
einer Energieabsenkung der Mesomerieenergie oder Resonanzenergie führt.Erfüllt eine cyclische Verbindung die vier Kriterien, hat sie einen aromatischen Zustand.
Einteilung der aromatischen Verbindungen
Die Einteilung der aromatischen
Verbindungen kann in zwei Hauptgruppen erfolgen:
Beide Hauptgruppen werden noch einmal in monocyclische und kondensierte
Aromaten/ Heteroaromaten (Heterocyclen) unterteilt (Bild 1).
Kondensierte Aromaten
Unter kondensierten aromatischen Ringsystemen versteht man höhergliedrige
Ringsysteme, deren Einzelringe gemeinsame Kohlenstoffatome aufweisen.
Formal kann man sie als Kondensate der Einzelringe auffassen. Im Naphthalin
wurde beispielsweise an einen Benzenring ein zweiter Benzenring "ankondensiert".
Sie werden auch als polycyclische
aromatische Kohlenwasserstoffe, PAK,
bezeichnet.
Hier werden nur kondensierte Benzene vorgestellt.
Naphthalin enthält zwei Ringe,
Anthracen und Phenanthren enthalten drei Einzelringe. Durch weitere Ankondensation
von Benzenringen an das Anthracen kommt man zum Tetracen, Pentacen und
Hexacen (Bild 2). Insbesondere die letzteren zeichnen sich durch eine
erhöhte Reaktivität und sind äußerst licht- und luftempfindlich.
Interessant ist die Änderung der Farbigkeit, die mit der Vergrößerung
des
Systems
immer stärker wird. So ist Anthracen
gelb, Tetracen orangegelb, Pentacen
blauviolett und Hexacen tiefgrün.
Neben den linear kondensierten, findet man auch nichtlinear
kondensierte aromatische Kohlenwasserstoffe. Anthracen und Phenanthren
sind isomere Verbindungen (Bild 3).
Noch höher kondensiert sind die Verbindungen Chrysen, Pyren und Benzpyren
(Bild 4). Zur Stoffgruppe der PAK gehören etwa 280 Einzelsubstanzen, davon wurden allein über 150 verschiedene PAK beispielsweise in Aerosolen nachgewiesen. Bei 40 Stoffen geht man von maßgeblicher öko- und humantoxischer Relevanz aus, 11 dieser Verbindungen sind als starke Karzinogene bzw. Erbgut schädigende Stoffe bekannt. Einige weitere Verbindungen weisen schwache entsprechende Wirkungen auf. Allerdings sind relativ wenige Informationen zur akuten Toxizität dieser Stoffe bekannt. Insbesondere das Benzpyren ist verantwortlich
für die bei Arbeitern in der Teerfarbenindustrie früher häufig
auftretenden Hautcarcinome. Diese Verbindung wirkt am stärksten kanzerogen und wird daher bei der analytischen Untersuchung von Stoffen auf den möglichen Gehalt an PAK oft als Leitsubstanz genutzt. Benzpyren entspricht als Aromat ausnahmsweise nicht
der HÜCKEL-Regel.

Ein weiteres Beispiel kondensierter aromatischer Verbindungen ist das
Coronen.
Coronen kann man sich wie einen Benzenring vorstellen, bei dem an alle
Seiten noch ein Benzenring ankondensiert wurde (Bild 5). Die Verbindung
kommt in der Natur vor, sie ist Bestandteil des Steinkohlenteers. Coronen
wurde aber auch zu wissenschaftlichen Zwecken synthetisiert.
Verwendung kondensierter aromatischer Verbindungen
Die Grundkörper kondensierter aromatischer Verbindungen sind eher
von wissenschaftlichem Interesse. Derivate des Naphthalins sind Bestandteil
von Arzneistoffen. Der Naphthalinring und der Anthracenring sind in vielen
Farbstoffen vorhanden, so zum Beispiel im Alizarin, das schon im Altertum
aus der Krapp-Wurzel gewonnen wurde. Oder die Indoanilinfarbstoffe die
im Dreischichtenfarbfilm (Agfacolor-Verfahren,
1936) als blauer Farbstoff eingesetzt werden (Bild 6).
PAK sind u. a. im Steinkohleteer, in Bitumenklebern und im Tabakrauch
enthalten. Sie entstehen außerdem bei unvollständigen Verbrennungsprozessen
organischer Stoffe, z. B. durch Waldbrände oder Verbrennungsmotoren.
Einige Vertreter sind nachweislich krebserregend, sodass die Anwendung
PAK-haltiger Kleber und Holzschutzmittel (Carbolineum) strengen Richtlinien
unterliegt.