





Bei einer Polykondensation dienen Moleküle als Monomere, die mindestens zwei reaktionsfähige funktionelle Gruppen aufweisen müssen. Diese werden in einer Kondensationsreaktion miteinander verknüpft, wobei ein niedermolekulares Nebenprodukt, meist Wasser, abgespalten wird. Werden bifunktionelle Monomere, d. h. Moleküle mit zwei funktionellen Gruppen eingesetzt, so entstehen lineare, unverzweigte Polymere (Thermoplaste). Bei der Verwendung von polyfunktionellen Monomeren mit mehr als zwei reaktiven Gruppen erhält man dagegen verzweigte oder gar dreidimensional vernetzte Polymere (Duroplaste).
Polyester
Ausgangsstoffe für die Synthese von Polyestern
sind im einfachsten Fall eine beliebige Dicarbonsäure und ein Diol.
Daraus entsteht zunächst ein Ester, der bifunktionell ist, weil er
immer noch eine Hydroxy- und eine Carboxy-Gruppe besitzt. Durch vielfache
Wiederholung der Veresterung an diesen beiden funktionellen Gruppen bildet
sich ein linearer Polyester, wobei Wasser als Nebenprodukt anfällt.
Der wichtigste Polyester ist Polyterephthalsäureethylester bzw. Polyethylenterephthalat (PET), der aus Terephthalsäure und Ethandiol hergestellt wird. Für die Synthese nutzt man in der Regel den Methylester der Terephthalsäure und setzt diesen mit Ethandiol um. Als Nebenprodukt dieser Umesterung fällt Methanol an (Bild 2). Unter einer Umesterung versteht man die Substitution des Alkoholatrestes im Estermolekül durch einen anderen.
Für die Herstellung von Polyestern kann man auch von den reaktiven Carbonsäurechloriden ausgehen und diese mit einem Diol umsetzen. In diesem Fall entsteht Chlorwasserstoff als Nebenprodukt (Bild 3). Letztlich kommt es bei der Polyestersynthese nur darauf an, Monomere mit zwei funktionellen Gruppen immer wieder miteinander zu einer Esterbindung zu verknüpfen.
Verwendet man ungesättigte Monomere, so bilden sich bei der Kondensation
ungesättigte Polyester, die als Rohstoffe für Lack- und Gießharze
oder in faserverstärkter Form als Werkstoffe dienen können.
Entscheidend ist das Vorliegen von Doppelbindungen im Polymer, sodass
als Folgereaktion eine Polymerisation ablaufen kann, bei der die Polyesterketten
miteinander verknüpft werden.
Polycarbonate
Große Bedeutung haben auch lineare Polyester aus Kohlensäureestern,
die Polycarbonate genannt
werden und z. B. unter dem Handelsnamen Makrolon®
bekannt sind. Als Monomere werden hierfür Diphenylcarbonat und aromatische
Diole wie 2,2-Di-(4-hydroxyphenyl)propan (Bisphenol A) verwendet. Bei
der Kondensation findet wie bei der PET-Synthese eine Umesterung statt,
bei der Phenol abgespalten wird (Bild 4).

Aus Makrolon® können praktisch unzerbrechliche transparente Platten hergestellt werden, die sich als Rohstoff für Dachkonstruktionen ebenso eignen wie für die Datenspeicherung auf einer CD (Bild 5).
Polyamide
Analog zu den Polyestern werden durch Umsetzung von Diaminen mit Dicarbonsäuren
Polyamide gewonnen, wobei Wasser
abgespalten wird. Genauso wie bei den Proteinen sind die Monomere hier
über Amidbindungen (- CO - NH -) verbunden.

Das älteste synthetische Polyamid, Nylon,
wird aus 1,6-Diaminohexan und Hexandisäure (Adipinsäure) synthetisiert.
Da das Produkt auf beiden Seiten der Stickstoffatome der Amidbindung je
sechs C-Atome aufweist, spricht man von einem Polyamid 6,6. Im Labor werden
aufgrund ihrer höheren Reaktivität oft auch die umsatzfreudigeren
Carbonsäurechloride anstelle der reinen Säuren eingesetzt.
Da die Diamine und Dicarbonsäuren oft nicht mischbar sind, nutzt
man die Grenzflächenkondensation, wobei die Polykondensation an der
Kontaktfläche der beiden Monomere abläuft und direkt das Produkt
ausgezogen wird.
Ein weiteres wichtiges Polyamid ist Perlon®
(Polyamid 6), das als Konkurrenzprodukt zu Nylon entwickelt wurde und
sich in seinen Eigenschaften kaum von diesem unterscheidet.
Perlon® wird aus einem einzigen Monomer, dem cyclischen
Caprolactam, gewonnen. Dieses stellt ein innermolekulares Amid der 6-Aminohexansäure
dar und enthält somit beide funktionellen Gruppen, die zur Bildung
einer Amidbindung benötigt werden. Die Zugabe von ein wenig Wasser
reicht aus, um bei einem Teil des Caprolactams die Amidbindung zu spalten,
sodass 6-Aminohexansäure gebildet wird. Reagieren zwei solcher Moleküle
miteinander, wird unter Bildung einer Amidbindung Wasser abgespalten,
das wiederum zur Hydrolyse weiterer Caprolactam-Moleküle führt.
Nach und nach entsteht so das Polyamid Perlon® (Bild 6).
Da sich im Perlon® zwischen zwei Stickstoffatomen immer sechs gleichartige
C-Atome befinden, trägt es auch den Namen Polyamid 6.
Zwischen den Sauerstoff- und Wasserstoffatomen in den Amidbindungen der
einzelnen Makromoleküle bilden sich leicht Wasserstoffbrücken.
Diese stellen relativ schwache Wechselwirkungen dar und sind deutlich
schwächer als gewöhnliche kovalente Bindungen. Daher werden
sie bereits durch mechanische Belastung aufgespalten.

Nach Dehnbelastungen bilden sich die Wasserstoffbrückenbindungen
jedoch zurück, weshalb Nylon- und Perlonfäden bedingt elastisch
sind. Die Länge der Kohlenstoffkette zwischen den Amidbindungen beeinflusst
die Elastizität stark, so sind Polyamide mit kürzeren Kohlenstoffketten
steifer als die mit längeren.
Weitere synthetische Polykondensate
Zu den Polykondensaten gehören außer den bereits genannten
Kunststoffen auch die Phenoplaste, die aus Phenolen (Hydroxybenzenen)
und Methanal (Formaldehyd) hergestellt werden, und die Aminoplaste, zu
deren Herstellung Harnstoff oder Melamin mit Methanal umgesetzt werden.
Der Phenoplast Bakelit war der erste vollsynthetisch hergestellte Kunststoff. Aus diesem mit Fasern verstärkten Duroplast wurde auch die Karosserie des Pkw Trabant hergestellt.
Natürliche Polykondensate
Auch in der Natur finden sich Polykondensate, nämlich Proteine und
Kohlenhydrate.
Proteine (Eiweiße) und
Peptide sind Polyamide, die im Organismus durch enzymatisch katalysierte
Polykondensation aus natürlichen Aminosäuren (α-Aminocarbonsäuren)
gebildet werden. Unter Wasserabspaltung werden die Amino- und die Carboxy-Gruppe
zu einer Peptid-Gruppe verknüpft. Diese entspricht in Struktur und
Eigenschaften der Carbonsäureamid-Gruppe (-CO-NH), Proteine und Peptide
sind also spezielle Polyamide, deren Monomere α-Aminosäuren
sind.
Die Art und Reihenfolge der Aminosäuren in einem Protein bestimmt
die Struktur und damit die Eigenschaften des entsprechenden Eiweißes.