

Kunststoffe in der Elektroindustrie
Naheliegend ist die Verwendung von Kunststoffen als Isolationsmaterial
und für die Gehäusekonstruktion. Bereits die ersten Bakelite
wurden für die Herstellung von Gehäusen für Steckdosen
und Schalter in der industriellen Fertigung genutzt. Ausschlaggebend ist
die hervorragende Isolationswirkung der reinen Phenoplaste, die aufgrund
ihrer Struktur keine elektrische Leitfähigkeit aufweisen. Hinzu kommt
die einfache formgebende Verarbeitung der preiswerten Duroplaste.
Ein anderes Beispiel ist die Ummantelung von Kabeln durch Polyester oder
elastische Polyamide.
Elektrisch leitende Kunststoffe
Leitende Kunststoffe
kennt man schon lange, jedoch handelte es sich dabei zunächst um
"gewöhnliche", isolierende Polymere, die erst durch Zusatz
von elektrisch leitenden Partikeln wie Metallstäuben oder Ruß
leitfähig wurden.
1976 entdeckte der Japaner HIDEKI SHIRAKAWA
durch Zufall den ersten wirklich leitfähigen Kunststoff. Durch versehentliches
Abweichen von der Synthesevorschrift erhielt er eine neue Form des Polyacetylens
(PA),
Statt des üblichen schwarzen Pulvers entstand eine silberglänzende,
elastische Folie. Das "neue" PA war zwar noch ein Isolator,
jedoch entdeckten SHIRAKAWA und die Amerikaner ALAN
HEEGER und ALAN MAC DIARMID
bald, dass sich durch "Dotierung" mit Iod seine Leitfähigkeit
immens steigern lässt. Heute kennt man schon PA-Folien, deren Leitfähigkeit
fast so gut ist wie die des Kupfers und das bei viel geringerer Masse.
Am Beispiel des PA lassen sich leicht die Voraussetzungen aufzeigen,
die für leitende Kunststoffe erfüllt sein müssen:
Die Polymerketten weisen ein weitverzweigtes delokalisiertes
Elektronensystem
aus lauter konjugierten Doppelbindungen auf (Bild 2).
Damit die Kettenmoleküle den elektrischen Strom leiten, müssen sie dotiert werden. Chemisch bedeutet dies, dass durch Oxidation oder Reduktion der Polymerfolien entweder einige Elektronen auf den Ketten entfernt (p-Dotierung) oder hinzugefügt (n-Dotierung) werden. Auf diese Weise verbleiben einzelne freie Elektronen, die wie bei den Metallen nicht mehr an die Atomrümpfe gebunden sind, sondern an den Molekülen entlanggleiten und so elektrische Ladung transportieren können.
SHIRAKAWA und MAC DIARMID erreichten dies, indem sie oxidierenden Ioddampf
auf Polyacetylen einwirken ließen.
Besonders einfach gelingt die Synthese von leitfähigem Polypyrrol
(Bild 3).
Pyrrol kann auf elektrolytischem Wege zu einem leitenden Polymer oxydiert
werden. Daher ist keine Dotierung erforderlich.
Als Elektrolyt dient eine Lösung von Pyrrol und einer organischen
Sulfonsäure in 2- Propanol.
Anwendungen
Kunststoffbatterie
Zunächst hatte man vor allem die Idee, wiederaufladbare Kunststoffbatterien
zu entwickeln, da die Materialien nicht nur den Strom leiten, sondern
auch Ladungen speichern können. Die BASF-AG hat schon 1986 auf der
Kunststoffmesse eine derartige Batterie vorgestellt, bei der die positive
Elektrode aus Polypyrrol besteht. Als Elektronendonator kommt Lithium
in einem organischen Elektrolyten zum Einsatz. Die Spannung dieser wiederaufladbaren
Batterie liegt bei etwa 3 V. Über einige hundert Lade- und Entladezyklen
gleicht die Energiedichte der eines herkömmlichen Ni/Cd Akkumulators. Ein Vorteil einer Kunststoffbatterie und anderer Anwendungen leitender Kunststoffe wäre die Möglichkeit der beliebigen Formgebung.