

PVC-Herstellung
1. Herstellung des Vinylchlorids
Ausgangsstoff für die Polymerisation zum Polyvinylchlorid
(PVC) ist Vinylchlorid (Monochlorethen).

Um es herzustellen, gibt es zwei Möglichkeiten, wobei als Ausgangsstoff einmal Ethin und einmal Ethen dient.
Die erste Möglichkeit ist die Reaktion von Chlorwasserstoff (HCl)
mit Ethin (Acetylen). Bei einer Temperatur von 200 °C und unter Druck
wird Chlorwasserstoff an die Dreifachbindung des Ethins addiert und bildet
Vinylchlorid.
Die Reaktion geschieht in Gegenwart von Quecksilber(II)chlorid als Katalysator.

Dieses Verfahren ist das ältere, es wurde um 1912/1913 von den Chemikern F. KLATTE und E. ZACHARIAS entwickelt. Da jedoch die Herstellung von Ethin teurer ist als die von Ethen, das in großen Mengen durch die Pyrolyse von Erdölfraktionen gewonnen werden kann, wird vorwiegend die folgende Variante durchgeführt:
Bei dieser zweiten Möglichkeit verwendet man Ethen als Ausgangsstoff.
In einem ersten Schritt wird Chlor an Ethen addiert.
Aus dem dabei entstandenen 1,2-Dichlorethan wird dann am Katalysator bei
300 - 350 °C Chlorwasserstoff abgespalten und es entsteht Vinylchlorid.

2. Polymerisation des Vinylchlorides
zu PVC
Die Polymerisation des Vinylchlorides erfolgt nach einem radikalischen
Mechanismus (Bild 2).
Bei der radikalischen Polymerisation geschieht die Aktivierung durch Radikalstarter, auch Initiatoren genannt. Dies sind Moleküle, die bereits bei vergleichsweise geringer Energiezufuhr in Radikale zerfallen und eine Kettenreaktion in Gang setzen. Als Initiatoren dienen bei der Herstellung von PVC z. B. Peroxide wie Dibenzoylperoxid (Bild 3). In der industriellen Produktion werden heute andere Peroxide, die bereits bei niedrigen Temperaturen wirksam sind, als Initiatoren eingesetzt, da diese preisgünstiger sind.
3. Weiterverarbeitung des PVC
Das entstandene PVC-Pulver beginnt bei ca. 80 °C zu erweichen.
Bei stärkerer Erwärmung von PVC wird Chlorwasserstoff freigesetzt,
der den weiteren Zerfall des PVC katalysiert und somit beschleunigt.
Um dies zu verhindern, werden Stabilisatoren
zugesetzt, die z. T. giftige Schwermetallverbindungen enthalten.
Eigenschaften des PVC
Polyvinylchlorid zählt zu den Thermoplasten,
es wird also beim Erhitzen weich und plastisch verformbar.
Polyvinylchlorid ist geruchs- und geschmacksfrei, beständig gegen
Wasser, gegen viele organische Lösungsmittel und gegen schwache Säuren
und Basen. Polyvinylchlorid besitzt eine schlechte Wärmeleitfähigkeit
und eine schlechte elektrische Leitfähigkeit. Bei Wärmeeinwirkung
zersetzt es sich langsam. Seine Dichte beträgt 1,38 und die Druckfestigkeit
55 - 90 MPa. Es ist schwer entflammbar.
Geschichte und Verwendung des PVC
PVC wird seit dem Jahre 1913 technisch hergestellt.
Das Monomer Vinylchlorid war schon seit 1838 bekannt, aber erst 1912 gelang
dem deutschen Chemiker FRITZ KLATTE die Polymerisation, bei der er Peroxide
als Initiatoren einsetzte. Die großtechnische Anwendung dieses Verfahrens
erfolgte allerdings erst kurz vor dem 2. Weltkrieg.
Noch später, erst in den späten 50er Jahren, wurde PVC zu einem
der wichtigsten Kunststoffe des täglichen Gebrauchs.
Die Verwendungsmöglichkeiten von PVC sind sehr vielseitig. Das so
genannte Hart-PVC, das ungefähr zwei Drittel des produzierten PVC
darstellt, wird für Haushaltsgegenstände, Verpackungsmaterial,
Platten, Rohre, Ventile und Hähne verwendet.
Setzt man dem PVC Weichmacher in Mengen von 15-30 % zu, erhält man
Weich-PVC, welches wesentlich elastischer ist.
Als Weichmacher werden z. B. Phthalsäureester oder Adipinsäureester
verwendet.

Wegen seiner Elastizität kann Weich-PVC zur Herstellung von Schläuchen
und Fußbodenbelägen oder Kunstleder verwendet werden.
Probleme mit PVC
Die Vielfalt der PVC-Produkte führte in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts
zu einer starken Verbreitung dieses Kunststoffes.
In dieser Zeit kamen aber auch die ersten Vorbehalte gegen PVC in die
Öffentlichkeit.
Die Arbeiter, die bei der PVC-Produktion mit dem giftigen Vinylchlorid
zu tun hatten, zeigten krankhafte Veränderungen an Haut, Lunge und
Gelenken. Die VC-Krankheit
(Vinylchlorid-Krankheit) wurde von der Berufsgenossenschaft als Berufskrankheit
anerkannt.
Eine Schwierigkeit bei der Entsorgung von Polyvinylchloriden liegt in
der Entstehung von Chlorwasserstoffdämpfen und giftigen Dioxinen
bei der Verbrennung. Dies erfordert den Einbau teurer Vorrichtungen zur
Abgasreinigung in Verbrennungsanlagen für industrielle Abfälle
und für Hausmüll.
Ein weiteres Problem ist die mögliche Freisetzung von Weichmachern,
die potenziell gesundheitsschädlich sind. So wurde z. B. die Verwendung
von PVC für Babyspielzeug in Deutschland verboten, da sich die Weichmacher
beim Lutschen am Spielzeug herauslösen können.
Auf Mülldeponien besteht die Gefahr, dass die Schwermetalle, die
als Stabilisatoren verwendet werden, und die Weichmacher aus dem PVC in
das Grundwasser gelangen können.