

Radioaktiver
Zerfall
Radioaktive Nuklide wandeln sich völlig spontan unter Aussendung radioaktiver
Strahlung in neue Kerne um.
Diese Form der Kernumwandlung wird als
Spontanzerfall bezeichnet.
Die entstehenden Folgekerne sind häufig wieder radioaktiv, sodass in
der Natur ganze Zerfallsreihen existieren. Der Zerfall geht solange weiter,
bis ein stabiles Nuklid entsteht.
Je nach Art der beim spontanen Zerfall von Atomkernen ausgesendeten Strahlung
unterscheidet man zwischen drei grundlegenden Zerfallsarten. Beim
entstehen
Beim
werden
,
entweder Elektronen
oder Positronen
an die Umgebung abgegeben.
Bei den Elektroneneinfangreaktionen
werden keine Teilchen, sondern radioaktive
ausgesendet.
Der Spontanzerfall und die damit verbundene Radioaktivität in unserer
Umwelt führt dazu, dass wir ständig einer schwachen radioaktiven
Strahlung ausgesetzt sind.
sind elektromagnetische
Wellen hoher Frequenz, die auch als energiereiche Photonen bezeichnet
werden. Sie werden als
symbolisiert und sind Träger der überschüssigen Energie,
die bei der Stabilisierung von Kernen abgegeben wird.
Die Energie radioaktiver Strahlung reicht aus, um chemische Bindungen
spalten oder Substanzen ionisieren zu können, wodurch instabile,
außerordentlich reaktive Teilchen entstehen. Dabei werden Radikale
gebildet, die so reaktiv sind, dass sie eine Vielzahl anderer Substanzen
angreifen und ebenfalls in Radikale umwandeln.
Zerfallsreihen
Das bei einem radioaktiven Zerfall gebildete Element ist meist ebenfalls
radioaktiv und zerfällt selbst weiter. Eine solche Serie aufeinanderfolgender, auch verschiedenartiger Kernreaktionen, in deren Ergebnis
ein radioaktives Nuklid in ein stabiles Isotop überführt wird,
bezeichnet man als radioaktive Zerfallsreihe.
Viele natürliche Radionuklide lassen sich in eine der vier Zerfallsreihen
einordnen:
Halbwertszeit
Als Beispiel betrachten wir die Uran-Radium-Reihe (Bild 2). Ausgangspunkt
ist das Uranisotop Uran-238. Es zerfällt unter Abgabe von Alphastrahlung,
der Folgekern ist Betastrahler usw. Schließlich entsteht nach einer
Reihe von Kernumwandlungen das stabile Blei-206.
Eine wichtige Größe, die die Schnelligkeit des Zerfalls der
ursprünglich vorhandenen Atomkerne charakterisiert, ist die Halbwertszeit.
Die Halbwertszeit eines Nuklids gibt an, in welcher Zeit sich jeweils
die Hälfte der ursprünglich vorhandenen Atomkerne in andere
Atomkerne umwandelt.
| Formelzeichen: |
![]() |
| Einheit: | Sekunde (s) |
Eingeführt wurde der Begriff Halbwertszeit 1903 von dem französischen Kernphysiker PIERRE CURIE (1859-1906). Die Halbwertszeit z. B. von Wasserstoff-3 (Tritium) beträgt 12,3 Jahre.
Beispiel: Caesium-137
Das Nuklid Caesium-137 ist ein Beta- und Gammastrahler. Es hat eine Halbwertszeit
von etwa 30 Jahren.
Das bedeutet:
Wie groß sind die Halbwertszeiten?
Die Halbwertszeiten liegen für die verschiedenen Nuklide
zwischen Bruchteilen von Sekunden und Milliarden von Jahren.
Aus Bild 3 ist erkennbar: Radionuklide
zerfallen unterschiedlich schnell. Das gilt auch für die Isotope
eines Elements, wie die Beispiele Uran und Radium zeigen.
Diese unterschiedlichen Halbwertszeiten sind auch für Anwendungen
von Bedeutung. So nutzt man z. B. im medizinischen Bereich Radionuklide
mit kurzen Halbwertszeiten, um die Strahlenbelastung gering zu halten.
Die Halbwertszeit von Kohlenstoff-14 spielt eine entscheidende Rolle bei
der Altersbestimmung
von organischen Stoffen nach der C-14-Methode (Radiokarbonmethode).
Halbwertszeit von Zerfallsreihen
In der Natur existieren einige Zerfallsreihen. Radionuklide zerfallen
über eine ganze Reihe von Folgekernen, die ihrerseits wieder radioaktiv
sind, bis zu einem stabilen Nuklid. Auch für eine solche gesamte
Zerfallsreihe lässt sich eine Halbwertszeit angeben. Die folgende
Übersicht gibt die Halbwertszeiten für die vier Zerfallsreihen
an.
|
Zerfallsreihe
|
Ausgangsnuklid
(radioaktiv) |
Halbwertszeit
in Jahren |
Endnuklid
(stabil) |
| Thorium-Reihe | Thorium-232 |
![]() |
Blei-208 |
| Uran-Radium-Reihe | Uran-238 |
![]() |
Blei-206 |
| Uran-Actinium- Reihe | Uran-235 |
![]() |
Blei-207 |
| Neptunium-Reihe | Neptunium-237 |
![]() |
Bismut-209 |
Für die Uran-Radium-Reihe bedeutet das Folgendes: Von einem Kilogramm
Uran-238 sind nach einer Zeit von 4,51 Milliarden Jahren ein halbes Kilogramm
zu stabilem Blei geworden.
Man beachte bei dieser Zeit:
Das Alter der Erde wird auf etwa 5 Milliarden Jahre geschätzt. Unsere
Zeitrechnung begann vor etwa 2000 Jahren. Das ist nur ein Bruchteil dieser
Halbwertszeit, etwa 0,000 04 % davon.
Die Neptunium-Reihe spielt in der Natur wegen der relativ kurzen Halbwertszeit
keine Rolle mehr. Die in der Natur auftretenden Zerfallsreihen sind eine
Ursache dafür, dass die Menschheit in ihrer Entwicklung ständig
einer geringen radioaktiven Strahlung ausgesetzt war und es auch heute
ist.