





Wasserstoffoxid, wurde erstmals von HENRY CAVENDISH (1731-1810) erkannt.
Das Wassermolekül ist gewinkelt. Die unterschiedlichen Elektronegativitäten
von Sauerstoff und Wasserstoff führen zu polaren O - H -Bindungen,
sodass das Wassermolekül ein Dipol ist. Diese Dipole (Bild 2) werden
über Wasserstoffbrückenbindungen
zu großen Aggregaten zusammengehalten, was zu außergewöhnlichen
Eigenschaften des Wassers führt:
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Hoher Schmelz- und Siedepunkt des Wassers im Vergleich zu verwandten binären Element-Wasserstoff-Verbindungen wie Methan oder Ammoniak |
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Die größte Dichte hat Wasser bei + 4°C. Unterhalb dieser Temperatur nimmt die Dichte wieder ab (Anomalie des Wassers), da sich auch schon im flüssigen Aggregatzustand weniger dicht gepackte Strukturen bilden. |
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Eis hat eine um 10% geringere Dichte als Wasser bei 0°C und schwimmt auf der Wasseroberfläche (Eisberge). |
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Wasser ist ein gutes Lösungsmittel für ionische und kovalente Verbindungen |
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Wasser besitzt eine hohe Verdampfungswärme |
Hydratation / Dehydratation
Wasser ist ein gutes Lösungsmittel
für ionische Substanzen. Beim Lösen muss die mitunter hohe Gitterenergie
der Salze überwunden werden. Das erfolgt durch Bildung von Hydraten
in der wässrigen Lösung. Die Hydratationsenergie wird frei.
In grober Näherung lässt sich aussagen, dass eine ionische Substanz
dann in Wasser löslich ist, wenn die Hydrationsenergie höher
als seine Gitterenergie ist.
Die Hydratation ist ein Spezialfall
der Solvatation, also auf das Lösungsmittel, das Solvens Wasser bezogen.
Besonders kleine Kationen
und kleine Anionen
lagern Wasserdipole um sich, weil die von ihnen ausgehende elektrostatische
Wechselwirkung besonders groß ist. Das führt auch dazu, dass
sich nicht nur eine Wasserschicht um das zentrale Kation oder Anion anlagert
(Bild 3), sondern dass mehrere Schichten Wasser um solche Ionen ausgebildet
und durch zusätzliche Wasserstoffbrückenbindungen zusammen gehalten
werden.
So ist das in Wasser hydratisierte Lithium-Ion so groß, dass es sich beim Anlegen einer äußeren Spannung, z. B. bei der Elektrolyse infolge der großen Hydrathülle nur sehr langsam im Lösungsmittel Wasser bewegen kann. Durch die Wasserhülle werden die Nucleophilie der Anionen und die Elektrophilie der Kationen herabgesetzt.
In der Regel ist die Anzahl der Wasserteilchen in der Hydrathülle
kaum zu bestimmen. Einige Salze bilden jedoch definierte Hydrate mit einer ganz bestimmten Hydratationszahl x
bzw. beispielsweise
.
Das Wasser kann nicht nur beim Lösen, sondern auch aus der Luft
aufgenommen werden, sodass solche Substanzen, die stabile Hydrate bilden,
als Trockenmittel in Labor und Technik eingesetzt werden 

Die Rückreaktion, d. h. das Entfernen von Hydratwasser wird als Entwässern oder Dehydratisierung bezeichnet. Auch hierbei spielt die Ionengröße wieder eine große Rolle.
Protolyse
Auch nach intensiver Reinigung des Wassers, z. B. durch mehrfache Destillation
in absolut sauberen Platinapparaturen wird eine geringe Leitfähigkeit
gemessen, die auf die Dissoziation des Wassers zurückzuführen
ist. Aufgrund der Eigendissoziation
sind in 5 000 t Wasser ca. 1 mol Hydroxid-Ionen,
und 1 mol hydratisierte
vorhanden.

Da von den bei der Dissoziation einer OH-Bindung entstehenden
ein sehr starkes elektrostatisches Feld ausgeht, lagern sich diese an
an. Das
führt zu Oxonium-Ionen,
oder meist zu weiteren Aggregationen wie
in denen ein
von
-Molekülen
tetraedrisch umgeben ist (Bild 4).
Entsprechend der oben stehenden Reaktionsgleichung ist Wasser also ein Ampholyt, der je nach Reaktionspartner als Brönsted-Säure oder Brönsted-Base reagieren kann.

Ammoniak reagiert in Wasser basisch, da es ein Proton vom Wassermolekül aufnimmt. Chlorwasserstoff reagiert dagegen in Wasser sauer, da das HCl-Molekül sein Proton an das Wassermolekül abgibt.
Diese Protonenaustauschreaktionen werden als Protolyse
bezeichnet.
Auch beim Auflösen von Salzen in Wasser sind solche Protolysereaktionen
zu beobachten. Eine wässrige Lösung von Natriumcarbonat reagiert
in Wasser alkalisch, weil die bei der Dissoziation des Salzes entstehenden
Carbonat-Ionen als Protonenakzeptoren mit Wasser reagieren.

Wird Ammoniumchlorid in Wasser gelöst, so reagiert die Lösung schwach sauer, weil die bei der Dissoziation gebildeten Ammonium-Ionen mit Wasser als Protonendonatoren reagieren.

Hydrolyse
Hydratation und Protolyse finden hauptsächlich mit ionischen Verbindungen
oder stark polaren Molekülverbindungen statt. An polare Atombindungen
kann der Dipol Wasser aber auch angreifen, ohne dass Protonen übertragen
werden.
So lagert sich das Wassermolekül an die polare B - Cl - Bindung im
Bortrichlorid so an, dass das O - Donatoratom am Boratom und ein H - Akzeptoratom
am Chloratom in Wechselwirkung treten. Es kommt zur Abspaltung von Chlorwasserstoff
und zur Ausbildung einer B - OH - Bindung. Diese Spaltung kovalenter Bindungen
durch Wasser unter Ausbildung neuer Molekülverbindungen nennt man
Hydrolyse.
So werden viele kovalente Halogenverbindungen durch Wasser hydrolytisch
gespalten, wobei die Reaktion stufenweise abläuft und die Zwischenprodukte
auch isoliert werden können.

Die Hydrolyse beruht auf der Polarität von polaren Atombindungen
infolge der unterschiedlichen Elektronegativität der Atome. Im Wassermolekül
ist das Sauerstoffatom partiell negativ geladen und tritt immer mit dem
elektropositiveren Atom des Partners in Wechselwirkung. Das Wasserstoffatom
lagert sich immer an das Atom, das die negative Partialladung trägt
(Bild 5).
Die direkten Reaktionsprodukte der Hydrolyse sind fast immer Molekülverbindungen.
Häufig können diese in Folgereaktionen protolysieren (z. B.
HCl) und die dabei entstehenden Ionen auch solvatisiert werden.
Wasser als Oxidations- und Reduktionsmittel
Wasser enthält die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff in verschiedenen
Oxidationsstufen. Die Sauerstoffatome mit der Oxidationsstufe -II können
von einem geeigneten Reaktionspartner oxidiert werden und würden
dann z. B. in elementaren Sauerstoff überführt. Ein Reaktionsbeispiel
ist die Reduktion von Cobalt(III)-Ionen in wässriger Lösung
zu Cobalt(II)-Ionen:

Solche Redoxreaktionen
geht Wasser nur mit sehr starken Oxidationsmitteln ein. Mit geeigneten
Reduktionsmitteln dagegen können die Wasserstoffatome mit der Oxidationsstufe
+I in Wasserstoff
überführt werden. Das passiert z. B. bei der Umsetzung von Calciumhydrid
mit Wasser.

Die Reaktion von Hydriden mit Wasser ist die einzige Redoxreaktion, die gleichzeitig eine Hydrolyse ist. Im Normalfall ändern sich bei der Hydrolyse die Oxidationszahlen der Atome nicht.
Bei hohen Temperaturen geht gasförmiges Wasser noch weitere Redoxreaktionen ein, z. B. bei der Vergasung von Kohle

Wasser als Komplexbildner
Nebengruppenelemente bilden Verbindungen mit Wasser. Hier wird das Wasser
als ein Ligand betrachtet, der über die freien Elektronenpaare des
Wassermoleküls (Elektronenpaardonator) mit den leeren d-Niveaus der
Nebengruppenelemente (Elektronenpaarakzeptor) in Wechselwirkung tritt.
Durch die Elektronenpaare des Wassers erreichen die Metall-Ionen eine
stabile Valenzelektronenkonfiguration mit 18 Elektronen. Davon hängt
die Anzahl der in aquo-Komplexen
gebundenen Wassermoleküle, also die Koordinationszahl ab (Bild 7).
Oft beträgt die Koordinationszahl 4, wie z. B. im Tetraaquokupfer(II)-Ion,
oder
6 wie im Hexaaquoeisen(II)-Ion, 
Hydratisierung /Dehydratisierung
Wird Wasser an organische Verbindungen unter Spaltung der H-O-Bindung
angelagert, so spricht man von Hydratisierung.
In Gegenwart starker Säuren lässt sich Wasser z. B. an Ethen
anlagern wobei Ethanol gebildet wird.

Wasser läßt sich auch nucleophil an Alkine anlagern. Bei dieser Reaktion bildet sich aus Ethin Vinylalkohol, der säurekatalysiert in Ethanal umgewandelt wird. Aus anderen Alkinen werden bei der Hydratisierung Ketone gebildet.

Die Begriffe Hydratisierung und Dehydratisierung sind nicht mit denen der Hydrierung und Dehydrierung (Dehydrogenierung) zu verwechseln. Darunter werden in der Chemie die Einführung von Wasserstoff z. B. an Mehrfachbindungen und die entsprechende Abspaltung verstanden.
Zusammenfassend betrachtet werden die einzelnen Reaktionen von Stoffen
mit Wasser in Bild 8.