


Ungesättigte Polyester
Bei der Polykondensation von Dicarbonsäuren mit Diolen werden normalerweise
gesättigte Polyester gebildet, die nicht mehr zu einem größeren
Makromolekül weiterreagieren können. Setzt man jedoch als Monomere
ungesättigte Dicarbonsäuren bzw. deren Anhydride ein, so enthält
der gebildete Polyester noch die ursprüngliche C=C-Doppelbindung
und somit eine reaktive Stelle im Molekül. Häufige Verwendung
als ungesättigte Monomere finden z. B. Maleinsäure oder Maleinsäureanhydrid
(Bild 2).
In der Regel sind solche ungesättigten Polyester Mischkondensate,
d. h. es wird nur ein kleiner Anteil ungesättigter Dicarbonsäuren
mit einer gesättigten Dicarbonsäure im Gemisch kondensiert.
Die reaktive Stelle im Makromolekül ermöglicht die anschließende Umsetzung des Polyesters mit einem polymerisationsfähigen Monomer wie z. B. Styren. In der Praxis kommen solche Polyesterharze als Lösung des ungesättigten Polyesters in Styren in den Handel. In dieser Lösung liegen die Polyesterketten von Styrenmolekülen umgeben vor. Die Mischung ist gut fließfähig und in dieser Form dauerhaft haltbar, solange kein Polymerisationsstarter zugefügt wird. Gibt man jedoch gezielt z. B. ein Peroxid zu, so setzt eine dreidimensionale Vernetzung ein. Dabei reagieren die Monomere des Lösungsmittels mit den ungesättigten Gruppen des Polyesters und bilden so Brücken zwischen den Polyestermolekülen.

Derartige Harze sind schnellhärtend und eignen sich z. B. als Lacke. Ihre mechanische Stabilität lässt sich durch Einarbeiten von Glasfasern oder -matten wesentlich erhöhen. Solche glasfaserverstärkten Polyester besitzen bei geringem spezifischen Gewicht hohe Zug- Biege-, Stoß- und Schlagfestigkeit. Sie sind wasser- und wetterfest und gegen verdünnte Säuren und Laugen ebenso beständig wie gegenüber unpolaren Lösungsmitteln. Dadurch erschließt sich ein weites Anwendungsgebiet z. B. im Fahrzeugbau, in der Elektroindustrie und im Bau- und Sanitärbereich oder auch beim Bootsbau.
Lebende Polymere
Lebende Polymere entstehen durch anionische
Polymerisation geeigneter Monomere. Dazu wird ein ungesättigtes
Monomer mit einer starken Base wie z. B. Butyllithium (
)
oder einem reaktionsfähigen Metall wie Natrium umgesetzt. Dabei entstehen
Moleküle, die an einem Ende am Kohlenstoff-Atom eine negative Ladung
tragen und Carbanionen genannt werden. Aufgrund dieser negativen Ladung
können sie eine Bindung zu einem Kohlenstoffatom ausbilden, das an
einer Doppelbindung beteiligt ist. Die Doppelbindung wird dabei zur Einfachbindung.
Die negative Ladung bleibt am Ende der verlängerten Kette erhalten
und kann an einem anderen Monomer erneut angreifen, sodass die Kette länger
wird.

Wenn alle Ketten gleichzeitig zu wachsen beginnen und man unter so reinen
Bedingungen arbeitet, dass es nicht zu vorzeitigen Abbruchreaktionen kommt,
ist eine genaue Kontrolle der Kettenlänge und damit der Molmasse
und der Molmassenverteilung im Polymer möglich.
Wesentliches Merkmal ist, dass die aktiven Enden der wachsenden Polymerkette
nicht nur so lange "überleben", bis alle Monomeren verbaut
sind, sondern noch darüber hinaus erhalten bleiben. Dadurch wird
es möglich,
Da die aktiven Kettenenden hochreaktiv sind, laufen einerseits die Polymerisationen sehr leicht ab, aber kleinste Verunreinigungen stellen ebenso willkommene Reaktionspartner dar. So genügen schon Spuren von Wasser um die wachsenden Carbanionen zu protonieren und so den Prozess zu stoppen:

Daher lassen sich anionische Polymerisationen industriell
nur mit einer extrem aufwändigen Technik beherrschen. Das hat zur
Folge, dass derartig strukturelle Perfektion nur dann realisiert wird,
wenn der Verwendungszweck dies erfordert.