1.
Die Zeit in der er lebte
Das 19. Jahrhundert war ein Jahrhundert großer Veränderungen.
Das betraf nicht nur die politischen, sondern auch die wirtschaftlichen
Verhältnisse in Europa.
Industrie und Wissenschaft entwickelten sich rasend schnell. Viele neue
Wissenschaftszweige entstanden. Auch in der Chemie entdeckte man zunehmend
neue Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge.
Die Erforschung des Atombaus und die Systematisierung der bekannten Elemente
begann.
Die industrielle Revolution, die schon in der 2. Hälfte des 18.
Jahrhunderts in England begonnen hatte, wurde nun auch in Europa spürbar.
Als neuer Industriezweig entstand der Maschinenbau, welcher Drehbänke,
Bohrmaschinen und Pressen herstellte. Die Zahl der Kokshochöfen wuchs
und neue Verfahren wurden entwickelt. Großstädte und Industriezentren
mit Großbetrieben entstanden.
Das BESSEMER-Verfahren von 1861, das SIEMENS-MARTIN-Verfahren von 1869,
sowie das 1878 eingeführte THOMAS- Verfahren bewirkten große
Veränderungen in der Eisenindustrie und ermöglichte die Herstellung
neuer und besserer Maschinen.
GAUß, WEBER und MORSE (Morsealphabet) legten mit ihren Erfindungen
den Grundstein für die elektrische Telegrafie.
WERNER VON SIEMENS, der Bruder von AUGUST FRIEDRICH VON SIEMENS, entwickelte
die Kabelisolation sowie die industrielle Fertigung derselben, durch welche
die elektrische Übermittlung von Nachrichten möglich wurde.
1851 wurden das erste Seekabel zwischen England und Frankreich und 1866
das erste Tiefseekabel verlegt.
1866 folgte die Entwicklung des elektrodynamischen Prinzips durch WERNER
VON SIEMENS. Dadurch wurde es möglich, elektrischen Strom durch Hochspannungsleitungen
zu führen (ab 1882).
THOMAS EDISON erfand die Glühbirne.
Mit diesen wichtigen Erfindungen und Entwicklungen entstand auch ein neuer
Industriezweig, die Elektroindustrie, welche Elektromotoren, Dynamomaschinen,
Kabel, Schaltanlagen, Glühlampen usw. herstellte. Höhepunkt
dieses Siegeszuges der Elektrotechnik war damals die Entwicklung der ersten
elektrischen Lokomotive.
Ab 1885 entwickelte sich die Automobilindustrie, wobei CARL BENZ das erste
Automobil mit einem Gasmotor betrieb. Der erste Dieselmotor war 1897 serienreif.
1903 gingen das erste Motorflugzeug und 1910 das erste Fluggastluftschiff
in die Luft.
In den Naturwissenschaften wurden u. a. Entdeckungen (Jahreszahl gibt Verleihung des Nobelpreises an) gemacht, die auch für RICHARD ADOLF ZSIGMONDY von Bedeutung waren, z. B.:
2. Lebenslauf
RICHARD ADOLF ZSIGMONDY
wird am 01.04.1865 in Wien geboren.
Sein Vater, Doktor ADOLF ZSIGMONDY, ein Zahnarzt, hatte maßgeblich
zur Entwicklung der Zahnmedizin in Österreich beigetragen. Er erfand
chirurgische Instrumente und Vorrichtungen und veröffentlichte wissenschaftliche
und medizinische Arbeiten.
Durch ihn wurde das Interesse seiner vier Kinder an den Naturwissenschaften
schon früh geweckt.
Er starb, als Zsigmondy nur 15 Jahre alt war.
Schon während seiner Schulzeit in Wien befasste sich ZSIGMONDY mit
Chemie und Physik.
Er studierte die Bücher: "Lehrbuch der Chemie" von STOECKHARDT
und Lehrbücher von ROSCOE, SCHORLEMMER und BERZELIUS und erprobte
viele der dort aufgeführten Experimente in seinem eigenen kleinen
"Labor" zu Hause.
Nach Beendigung seiner Schulzeit begann ZSIGMONDY an der medizinischen
Fakultät in Wien bei Professor E. LUDWIG zu studieren. Sein Hauptgebiet
in Wien war die quantitative Analyse.
Von der medizinischen Fakultät wechselte er an die Technische Hochschule
in Wien und setzte sein Studium ab 1887 in München fort.
Dort belegte ZSIGMONDY das Fach organische Chemie bei Professor W. VON
MILLER.
Nach seiner Promotion blieb er als Assistent von Professor VON MILLER zuerst in München und wechselte anschließend als Assistent zu Professor KUNDT nach Berlin.
Ab 1893 arbeitete, lehrte und forschte RICHARD ADOLF ZSIGMONDY an der
Technischen Hochschule in Graz. Dort beschäftigte sich der junge
Wissenschaftler mit der Erforschung der Herstellung von Farben und Glasuren
für Glas und Porzellan.
Dies führte dazu, dass er auf die damals noch unerforschten Eigenschaften
kolloidaler Flüssigkeiten aufmerksam wurde.
Seine Arbeiten zur industriellen Glasherstellung brachten Kontakte zu
den Glaswerken
"Schott & Gen." in Jena (Bild 2) mit sich und so nahm ZSIGMONDY
1897 eine Stelle bei diesem Unternehmen in Jena an.
Bis 1900 blieb er bei den Glaswerken. Danach verließ er das Unternehmen,
um seine Forschungen ausweiten zu können und arbeitete als Privatgelehrter
in Jena.
1903 erfand ZSIGMONDY gemeinsam mit H. F. W. SIEDENTOPF das Ultramikroskop.
1907 wurde RICHARD ADOLF ZSIGMONDY als Professor und Direktor an das
Institut für anorganische Chemie an der Universität von Göttingen
berufen, wo er bis zu seinem Ruhestand im Februar 1929 blieb.
1918 erfand der Wissenschaftler den Sterndialysator und den Membranfilter
und 1922 den Ultramembranfilter.
Insbesondere in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wurde das Arbeiten
an diesem Institut schwierig, da es an den grundlegenden Chemikalien und
Geräten mangelte. Trotzdem gaben ZSIGMONDY und seine Kollegen nicht
auf, sondern forschten weiter.
Sie untersuchten die Eigenschaften von Kolloiden,
z. B. deren Lichtstreuung und heterogene Natur solcher Lösungen.
ZSIGMONDY fand grundlegende Methoden zur Herstellung kolloidaler Lösungen
und veröffentlichte ein "Lehrbuch der Kolloidchemie".
Er förderte seinen Schüler und Schwiegersohn, Dr. ERICH HUCKEL,
bei der Veröffentlichung des Werkes "Kolloidforschung in Einzeldarstellungen".
1925 erhielt der Wissenschaftler für seine Erkenntnisse auf dem Gebiet der Kolloidchemie den Nobelpreis für Chemie.
RICHARD ADOLF ZSIGMONDY starb am 23.09.1929 in Göttingen.
3. Bedeutende Leistungen