




Die Farbigkeit
einer Verbindung ist abhängig vom Grad der Delokalisierung ihrer
.
| 1. | Dieser wird von mehreren Faktoren beeinflusst,
nämlich von der Struktur der Verbindung, insbesondere von Zahl und Lage der Mehrfachbindungen und von Substitution durch sogenannte chromophore Gruppen |
| 2. | vom pH-Wert, weil Protonierung bzw. Deprotonierung das mesomere System beeinflussen |
| 3. | vom Lösungsmittel, in dem eine Verbindung gelöst wird (Solvatochromie) |
1. Struktur der Verbindung
Durch Absorption elektromagnetischer
Strahlung können Elektronen angeregt werden, sodass sie auf höhere
Energieniveaus gelangen. Wird Licht aus dem sichtbaren Bereich absorbiert,
erscheint eine Verbindung farbig. Welche Wellenlängen absorbiert
werden, hängt von den Abständen der Energieniveaus und somit
von der Struktur einer Verbindung ab.
Gesättigte organische Verbindungen sind farblos, da hier nur energiereiche
stattfinden,
deren Absorptionsbereich sich außerhalb des sichtbaren Bereichs
im Ultravioletten Bereich (200 nm - 400 nm) befindet. Verbindungen, die
über Mehrfachbindungen verfügen, absorbieren elektromagnetische
Strahlung durch Übergänge der
im längerwelligen Bereich. Dabei gilt, dass die Absorption desto
weiter im sichtbaren Bereich liegt, je länger das System von konjugierten
Doppelbindungen ist.
In Molekülen, die konjugierte Doppelbindungen enthalten, sind die
delokalisiert.
Das bedeutet, dass sie sich gleichmäßig über den gesamten
konjugierten Bereich im Molekül verteilen und nicht einer bestimmten
Bindung zugeordnet werden können. Man kann sie nur durch mesomere
Grenzformeln korrekt darstellen.

Diese delokalisierten "beweglichen" Elektronen lassen sich
besonders leicht anregen und absorbieren daher relativ energiearme Strahlung.
So sind Polyene mit mehr als sieben Doppelbindungen farbig, wie z. B.
das
Strahlung im blau/violetten Spektralbereich absorbiert und daher gelborange
erscheint (Bild 3).
Polymethine sind Polyene, die Methin-Gruppen
enthalten
und bei denen am Anfang und am Ende des mesomeren Systems aus konjugierten
Doppelbindungen chromophore
Gruppen stehen. Dies sind funktionelle Gruppen, die einerseits Heteroatome
und andererseits freie Elektronenpaare oder Doppelbindungen enthalten
und somit Elektronen liefern (Donatorgruppen mit +M-Effekt) oder Elektronen
an sich ziehen (Akzeptorgruppen mit -M-Effekt).
Abhängig davon, welche Heteroatome in den chromophoren Gruppen vorhanden
sind, werden Polymethine in Cyanine
und Merocyanine unterteilt. Bei den
Cyaninen befinden sich stickstoffhaltige Gruppen an Anfang und Ende des
mesomeren Systems, bei den Merocyaninen eine stickstoffhaltige und eine
sauerstoffhaltige Gruppe.
Im Gegensatz zu den Polyenen erscheinen Polymethine schon farbig, wenn
sie mehr als drei konjugierte Doppelbindungen im Molekül besitzen.
Die Ursache hierfür erkennt man bei einem Vergleich der mesomeren
Grenzstrukturen (Bild 4).
Durch die Mesomerie entstehen in Polyenen
immer Grenzformeln mit einer Ladungstrennung, d. h. im eigentlich ungeladenen
Molekül treten eine negative und eine positive Ladung auf. Diese
Grenzstrukturen sind im Vergleich zu den ungeladenen instabiler und werden
ungern eingenommen. Es sind also nicht alle Grenzstrukturen gleichrangig
und dadurch die
nicht vollkommen delokalisiert.
Die in den Polymethinen enthaltenen
chromophoren Gruppen verlängern nicht nur das mesomere System eines
Moleküls, sondern stabilisieren es zusätzlich. Durch die freien
Elektronenpaare können auftretende Ladungen gleichmäßig
über das gesamte mesomere System verteilt werden, sodass alle Grenzstrukturen
gleichrangig sind. Die
sind daher stärker delokalisiert als bei den Polyenen und lassen
sich leichter anregen.
Die Verschiebung des Absorptionsbereichs zu höheren Wellenlängen durch die Einführung von chromophoren Gruppe nennt man bathochrome Verschiebung.
Chromophore Gruppen sind:
Elektronenliefernde Gruppen nennt man Auxochrome, Elektronen ziehende Gruppen dagegen Antiauxochrome. Die Ladung ist am besten stabilisiert, wenn ein mesomeres System sowohl Donator- als auch Akzeptorgruppen enthält.
2. pH-Wert
Bei vielen Farbstoffen ändert sich die Farbigkeit in Abhängigkeit
vom pH-Wert des Lösungsmittel. Durch Protonierung oder Deprotonierung
des Moleküls ändert sich die Länge des mesomeren Systems
und dadurch auch das Absorptionsmaximum der Verbindung. Wegen dieser Eigenschaft
werden solche Farbstoffe als Säure-Base-Indikatoren eingesetzt.
Ein Beispiel für eine solche Verbindung ist Kristallviolett
(Bild 5). Unprotoniertes Kristallviolett absorbiert Licht im Bereich
von 590 nm und ist violett gefärbt.
Durch die Protonierung eines Stickstoffatoms kommt es zu einem Farbwechsel
nach grün, es hat also eine bathochrome Verschiebung stattgefunden,
obwohl das mesomere System nicht verlängert wurde. Der Grund hierfür
ist in der räumlichen Anordnung der Ringe zu sehen. Beim unprotonierten
Kristallviolett sind alle Ringe gleichwertig. Aus Platzgründen stehen
die Ringe verdreht zueinander, d. h. sie liegen nicht in einer Ebene.
Bei der protonierten Form von Kristallviolett dreht sich der Ring, bei
dem das Stickstoffatom protoniert ist, aus der Ebene heraus und steht
senkrecht zu den beiden anderen. Dadurch haben diese genügend Platz,
um planar in einer Ebene zu liegen, was die Mesomerie begünstigt.
Durch eine zweite Protonierung wird das mesomere System erheblich gekürzt,
da die beiden Ringe mit den protonierten Stickstoffatomen sich nicht an
der Mesomerie beteiligen. Die Verbindung ist nun gelb.