Setzt man in einem verschlossenen Kolben 1 mol Wasserstoff und 1 mol
Iod bei 100 °C um, dann bildet sich Iodwasserstoff. Erhitzt man dagegen
in einem anderen Kolben 2 mol Iodwasserstoff auf 100 °C, dann entstehen
Iod und Wasserstoff. Die Analyse der Zusammensetzung der Gasgemische in
beiden Kolben zeigt, dass sich absolut gleiche Konzentrationen an HI,
I2 und H2 eingestellt haben. In beiden Fällen wird der gleiche Zustand
erreicht, unabhängig davon, ob die Reaktion von links nach rechts
oder von rechts nach links geführt wird.
Wird dieser Zustand von außen nicht weiter beeinflusst, z. B. durch
Veränderung der Temperatur, bleiben die Konzentrationen der Reaktanten
beliebig lange unverändert (Bild 1).

Es erfolgt nur ein unvollständiger Stoffumsatz, da die Hinreaktion und Rückreaktion gleichzeitig ablaufen. Gekennzeichnet wird diese Tatsache durch den Doppelpfeil in der Reaktionsgleichung. Die bereits gebildeten Reaktionsprodukte reagieren unter Rückbildung der Ausgangsstoffe, während gleichzeitig aus den Ausgangsstoffen neue Endprodukte entstehen. Es handelt sich um ein dynamisches Gleichgewicht.
Reaktionen, bei denen Hin- und Rückreaktion gleichzeitig und ungehemmt
erfolgen, nennt man reversible
Reaktionen. Reaktionen können
nur dann reversibel ablaufen, wenn während der Umsetzung kein Reaktionspartner
das System verlässt, also in einem geschlossenen
System, das zwar Energieaustausch
mit der Umgebung zulässt, jedoch keinen Stoffaustausch.
Auch Reaktionen, wie die Knallgasreaktion
zwischen Wasserstoff und Sauerstoff, bei denen normalerweise ein vollständiger
Stoffumsatz erfolgt, sind unter bestimmten Bedingungen umkehrbar.

Die Rückreaktion, die chemische Zersetzung von Wasser wird jedoch
nur im geschlossenen System bei extrem hohen Temperaturen beobachtet.
Beispielsweise liegen bei ca. 2 000 K 94 Vol.-% Wasser, 4 Vol.-% Wasserstoff
und 2 Vol.-% Sauerstoff im Gasgemisch vor.
Man kann diese freiwillig ablaufende Umsetzung von Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser aber auch in einer Brennstoffzelle ablaufen lassen und gewinnt dabei elektrische Energie. Umgekehrt lässt sich Wasser durch Zufuhr elektrischer Energie wieder zu Sauerstoff und Wasserstoff zersetzen.. Wegen der Überspannungs-Effekte muss aber bei der Elektrolyse mehr Energie aufgewendet werden als in der Brennstoffzelle gewonnen wird.