







Wasserstoffbrückenbindungen
Wasserstoffbrückenbindungen
entstehen zwischen Molekülen, in denen Wasserstoffatome an besonders
stark elektronegative Atome (z. B. Fluor, Sauerstoff oder Stickstoff)
gebunden sind.
Die Atombindung zwischen stark elektronegativen Atomen und Wasserstoffatomen
ist in hohem Maße polarisiert, da das Fluor-, das Sauerstoff- und
das Stickstoffatom bindende Elektronenpaare besonders stark anziehen.
An den kovalent gebundenen Wasserstoffatomen herrscht dadurch Elektronenmangel,
sodass diese partiell positiv geladen sind und mit den freien Elektronenpaaren
von anderen elektronegativen Atomen in Wechselwirkung treten (Bild 2).
Die Wasserstoffbrückenbindungen sind zwar schwächer als normale Atombindungen, beeinflussen aber die Eigenschaften des Stoffs gravierend. So wäre Wasser mit einer molaren Masse von 18 g/mol trotz des Dipolcharakters des Wassermoleküls nicht flüssig, wenn nicht viele Wassermoleküle untereinander durch Wasserstoffbrücken verbunden wären. Dadurch wird der Phasenübergang von flüssigem Wasser zu gasförmigem Wasserdampf erschwert.
Die Bindungsenergie von Wasserstoffbrücken liegt zwischen 10 und
50 kJ/mol und ist damit geringer als bei "normalen" Atombindungen.
Trotzdem ist die Wechselwirkung stärker als andere zwischenmolekulare
Kräfte und beeinflusst auch die Siedetemperaturen von anderen Element-Wasserstoff-Verbindungen
entscheidend (Bild 3).
Auch Alkohole weisen deutlich
höhere Siedepunkte als Alkane vergleichbarer molarer Masse auf. Ursache
ist hier ebenfalls die Ausbildung von Wasserstoffbrücken zwischen
den Alkoholmolekülen. Diese starke zwischenmolekulare Wechselwirkung
führt dazu, dass die Alkoholmoleküle in der Flüssigkeit
zurückgehalten werden und erst bei starker Energiezufuhr, also deutlich
höheren Temperaturen in die Gasphase übergehen.
Wenn man das Verteilungsgleichgewicht von Essigsäure zwischen den zwei Phasen Wasser und Hexan bestimmt, muss man zwei Dinge beachten:
Die im Verteilungssatz zu berücksichtigende Konzentration in Wasser wäre die Konzentration an undissoziierter Essigsäure, und nicht etwa die Totalkonzentration.
In Hexan liegt Essigsäure nicht als Monomer sondern als Dimer vor. Zwei Moleküle lagern sich zusammen und bilden jeweils eine Wasserstoffbrückenbindung von der OH-Gruppe eines Moleküls zum Carbonylsauerstoff des zweiten Moleküls.
Nicht nur die Flüchtigkeit von flüssigen Stoffen auch die Struktur
fester Stoffe wird durch Wasserstoffbrückenbindungen beeinflusst.
Das bekannteste Beispiel ist auch hier das Wasser, das im gefrorenen Zustand
verschiedene Strukturen ausbilden kann. Die häufigste Modifikation
ist die von normalem Eis (Bild 4).
Darin ist jedes Sauerstoffatom tetraedrisch von vier Wasserstoffatomen
umgeben. Zwei Wasserstoffatome sind kovalent im Wassermolekül gebunden,
zu den beiden anderen werden dagegen Wasserstoffbrückenbindungen
mit etwas größerer Bindungslänge ausgebildet. Diese Anordnung
führt zu einer weitmaschigen Gitterstruktur, sodass die Dichte des
Eises geringer ist als die des flüssigen Wassers. Diese Eigenschaft
gehört neben anderen zur Anomalie
des Wassers, die in der Natur von
großer Bedeutung ist. So beruht u. a. das Zufrieren von Gewässern
im Winter, die Verwitterung von Gesteinen und das milde Klima in den Regionen
um den Golfstrom letztlich auch auf den Wasserstoffbrückenbindungen
zwischen Wassermolekülen.
Diese beeinflussen auch die Struktur von Eiweißen
und Nucleinsäuren. Bei der Sekundärstruktur
von Eiweißen unterscheidet man zwischen der
Helix
und der
Faltblatt-Struktur
(Bild 5). Beide räumliche Anordnungen einzelner Abschnitte der Peptidketten
werden durch Wasserstoffbrücken stabilisiert. Auch bei der Ausbildung
der Tertiärstruktur der gesamten Peptidkette spielen Wasserstoffbrückenbindungen
eine Rolle (Bild 9, siehe unten).
Selbst an der Weitergabe des genetischen Codes von Lebewesen sind Wasserstoffbrücken beteiligt. Die Desoxyribonucleinsäure (DNA) als Träger liegt in Form einer gewundenen Doppelhelix vor (Animation). Die beiden Stränge der Helix sind untereinander durch Wasserstoffbrücken verbunden. Die einzelnen Bausteine der DNA, die Nucleotide sind so strukturiert, dass nur bestimmte Kombinationen von Nucleotiden möglich sind (Bild 6). Dadurch dass nur Cytosin zu Guanin und Thymin zu Adenin passen, ist der genetische Code über die Reihenfolge dieser Basen in der Nucleotidkette sicher gespeichert. Zur Weitergabe der Erbinformation werden die Wasserstoffbrücken aufgebrochen und eine exakte Kopie der DNA synthetisiert. Daraus entstehen in einer komplexen Folge biochemischer Reaktionen letztendlich Eiweiße als Bestandteile der Zellen.
Angesichts dieser Beispiele (Anomalie des Wassers, Struktur von Eiweißen,
DNA) wird klar, dass Wasserstoffbrückenbindungen für das Leben
auf der Erde von essenzieller Bedeutung sind. Aber auch bei Säure-Base-Reaktionen,
der Bindung von Farbstoffen auf Textilien und vielen weiteren chemischen
Prozessen spielen diese besonderen zwischenmolekularen Kräfte eine
wichtige Rolle.
VAN-DER-WAALS-Kräfte
Eine schwächere, aber trotzdem häufige Art von Wechselwirkungen
zwischen Molekülen oder Edelgasatomen sind die nach einem niederländischen
Physiker benannten VAN-DER-WAALS-Kräfte.
Diese unterteilt man je nach Art der wechselwirkenden Teilchen in:
| - | Dipol-Dipol-Kräfte |
| - | Wechselwirkungen zwischen unpolaren und Dipolmolekülen |
| - | Wechselwirkungen zwischen unpolaren Molekülen bzw. Atomen |
Aufgrund der unterschiedlichen Elektronegativität der Atome in einem
Molekül bilden sich polare Atombindungen aus. Daraus ergibt sich
in vielen Fällen (z. B. Wasser, Chlorwasserstoff) ein permanentes
Dipolmoment des Moleküls. Permanente Dipole richten sich ohne äußeren
Einfluss entsprechend der elektrostatischen Anziehung ihrer Ladungsschwerpunkte
aus (Bild 7). Um diese Anziehung zu überwinden, müssen in der
Regel weniger als 20 kJ/mol aufgebracht werden.
Unter dem Einfluss eines äußeren elektrischen Felds verschiebt sich das Elektronensystem von Molekülen. Auf diese Weise werden selbst an sich unpolare Moleküle zu Dipolen. Man spricht von einem induzierten Dipolmoment, das sogar schon unter dem Einfluss des elektrischen Feldes eines anderen permanenten Dipols ausbildet. Auch diese unterschiedlichen Dipole ziehen sich an (Bild 8).
Selbst an sich völlig unpolare Teilchen wie Wasserstoffmoleküle
oder Heliumatome treten untereinander in Wechselwirkung. Durch kurzzeitige
unsymmetrische Verteilungen der Elektronenwolken kommt es ebenfalls dazu,
dass den normalerweise unpolaren Teilchen kurzzeitig Dipolmomente induziert
werden. Daraus resultieren weitere temporäre induzierte Dipolmomente
von benachbarten Teilchen, die sich untereinander schwach anziehen. Dabei
handelt es sich um einen dynamischen Prozess, weil die Dipolmomente sich
ständig verändern.
Je größer das Elektronensystem von Atomen oder Molekülen
ist, desto leichter lässt es sich deformieren. Aus diesem Grund kann
beispielsweise Xenonatomen ein höheres Dipolmoment induziert werden
als Heliumatomen, sodass Xenon einen höheren Siedepunkt als Helium
aufweist. Aufgrund der VAN-DER-WAALS-Kräfte zwischen unpolaren Molekülen
lassen sich die Edelgase bei tiefen Temperaturen überhaupt verflüssigen.