





Die
Wirkung der Erstsubstituenten auf das aromatische System.
1. Substituenten im Aromaten führen zur
Erhöhung bzw. Erniedrigung der Elektronendichte in definierten Positionen.
Der -M-Effekt
Der -M-Effekt eines Substituenten am Aromaten führt zu einer Verringerung
der Elektronendichte.
Die Grenzstrukturen im Beispiel Nitrobenzen (Bild 1) zeigen, dass dieser
Elektronenabzug insbesondere in den beiden ortho-
und der para-Position lokalisiert ist. Das
heißt, wenn ein Elektrophil diesen elektronenarmen Aromaten angreift,
dann in den meta-Positionen, da hier die Elektronendichte noch relativ
am größten ist.
Der +M-Effekt
Der +M-Effekt eines Substituenten am Aromaten führt zu einer Erhöhung
der Elektronendichte im
System.
Die Grenzstrukturen im Beispiel Anilin (Bild 2) zeigen, dass die Elektronendichte
besonders stark in den ortho- und der para-Position
erhöht wird. Demzufolge wird das Elektrophil bevorzugt in diesen
Positionen angreifen und den
Komplex
bilden.
2. Die Erstsubstituenten haben eine stabilisierende
oder destabilisierende Wirkung auf den Übergangszustand und auf den

Induktive Effekte
Die induktiven Effekte
der Erstsubstituenten wirken sich insbesondere auf die Stabilisierung
oder Destabilisierung des
Komplexes
aus. Der
Komplex
ist einfach positiv geladen, da ein Elektron für die Bildung der
neuen
Bindung
auf das Elektrophil übertragen wurde. Die positive Ladung wird im
Ring über die verbleibenden fünf
hybridisierten
Kohlenstoffatome mesomeriestabilisiert.
Der +I-Effekt
Die Bildung der
Komplexe
einschließlich der mesomeren Grenzstrukturen bei Angriff eines Elektrophils
auf die ortho-, meta-, bzw. para-Position wird in Bild 3 gezeigt.
Man erkennt, dass es bei einem Angriff in ortho-,
bzw. para-Position eine Grenzstruktur gibt,
in der die positive Ladung im Sechsring direkt durch den +I-Effekt
der Methyl-Gruppe stabilisiert werden kann. Diese beiden Strukturen haben
eine deutlich höhere Stabilität als alle anderen. Bei Aromaten
die als Erstsubstituenten eine Gruppe mit einem +I-Effekt tragen, wird
also die Zweitsubstitution in ortho- und para-Position gefördert.
Der -I-Effekt
Es ist völlig klar, dass Substituenten mit einem -I-Effekt
den positiv geladenen
Komplex
nie stabilisieren können. In Bild 4 erkennt man aber, dass es bei
einem Angriff des Elektrophils in ortho- oder para-Position durch den
-I-Effekt des Erstsubstituenten zu einer zusätzlichen Destabilisierung
des
Komplexes
kommt. Deshalb dirigieren Substituenten mit einem -I-Effekt den Zweitsubstituenten
in die meta-Position.
Mesomerie-Effekte
Mesomerie-Effekte werden
im Bild 5 veranschaulicht. Es wird ein Beispiel gezeigt, bei dem ein Elektrophil
das
Elektronensextett des Anisols (Methylphenylether) angreift. Das Schema
verdeutlicht, dass Substituenten mit einem +M-Effekt den
Komplex
zusätzlich stabilisieren können, wenn die Zweitsubstitution
in ortho- oder para-Position erfolgt. Die Grenzstrukturen zeigen, dass
die positive Ladung durch die Erweiterung des
System
jetzt über 6 Atome verteilt werden kann.
Ausnahme
Eine Ausnahme bilden die Halogenbenzene. Der -I-Effekt der Halogenatome
ist größer als der +M-Effekt, was auch folgerichtig zu einer
Deaktivierung des Aromaten führt. Nach den Darlegungen wäre
zu erwarten, dass bei einer Zweitsubstitution die entsprechenden meta-Produkte
gebildet werden. Das ist aber nicht der Fall. Elektrophile Substitutionen
an Halogenbenzenen führen immer zu Gemischen von ortho- und para-Produkten.
Die Ursache ist, dass im Übergangszustand und im
Komplex
der +M-Effekt der Halogenatome an Bedeutung gewinnt und den -I-Effekt
überspielt.
Beispiel
Es werden Toluen (Methylbenzen)
und Nitrobenzen unter den
gleichen Reaktionsbedingungen nitriert.
Es kann festgestellt werden:
und Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen:
1. Die unterschiedliche Geschwindigkeit
Da die Reaktionsbedingungen gleich sind, scheiden Temperatur und Konzentration
als Ursache für die unterschiedlichen Reaktionsgeschwindigkeiten
aus. Auch der Mechanismus ist in beiden Fällen gleich.
Entsprechend der ARRHENIUS-Gleichung:

muss also die Aktivierungsenergie
bei beiden Reaktionen deutlich unterschiedlich sein. Die Aktivierungsenergie
spielt eine entscheidende Rolle bei der Bildung des
Komplexes,
also bei der Ausbildung der
Bindung
zum Elektrophil.
Da die Erstsubstituenten nicht direkt am Reaktionsmechanismus beteiligt
sind, müssen also elektronische Effekte
dieser Substituenten, die sich auf das aromatische System auswirken,
für die unterschiedlichen Reaktionsgeschwindigkeiten verantwortlich
sein.
Substituenten mit einem +I-Effekt oder einem +M-Effekt erhöhen die
Elektronendichte im Aromaten. Substituenten mit einem -I oder -M-Effekt
ziehen Elektronendichte vom aromatischen System ab. Bei der
greift das Elektrophil das
System
des Aromaten an und bildet eine s -Bindung auf Kosten der
Elektronen
aus. Dieser Angriff ist um so leichter, je höher die Elektronendichte
im Aromaten ist. Das heißt also, die notwendige Aktivierungsenergie
ist vergleichsweise gering, wenn sich Substituenten mit einem +I
bzw. +M-Effekt am Aromaten befinden. Sie haben eine aktivierende
Wirkung auf den Aromaten.
Trägt ein Aromat schon einen Substituenten, der die Elektronendichte aus dem aromatischen System abzieht, ist dieser Aromat deutlich "unwilliger" beim Angriff des Elektrophils Elektronen zur Verfügung zu stellen. Um diese Reaktion zu erzwingen braucht das System eine deutlich höhere Aktivierungsenergie. Substituenten mit einem -I- bzw. -M-Effekt haben demzufolge eine deaktivierende Wirkung auf den Aromaten.
Kommen wir zu unserem Beispiel zurück. Toluen trägt eine Methyl-Gruppe
(+I-Effekt), das heißt wir haben einen aktivierten Aromaten,
die Zweitsubstitution verläuft schnell.
Die Nitro-Gruppe im Nitrobenzen hat
einen -I- und -M-Effekt. Wir haben
also einen deaktivierten Aromaten, die Zweitsubstitution verläuft
deutlich langsamer.
2. Die unterschiedlichen Stellungsisomere
Die zweite experimentelle Beobachtung war die Bildung der unterschiedlichen
Stellungsisomeren bei
der Zweitsubstitution. Auch dies wird durch die Erstsubstituenten gesteuert,
man bezeichnet dies als dirigierende Wirkung.
Der +M-Effekt der Methyl-Gruppe am
Toluen führt zu einer Erhöhung der Elektronendichte besonders
in den ortho- und der para-Position
im
System. Demzufolge
wird das Elektrophil bevorzugt in diesen Positionen angreifen und den
Komplex bilden.
Andererseits führt der -M-Effekt der Nitro-Gruppe im Nitrobenzen zu einer Verringerung der Elektronendichte insbesondere in den beiden ortho- und der para-Position. D.h. ein Elektrophil greift in den meta-Positionen an, da hier die Elektronendichte noch am größten ist.
Zusammenfassend kann also gesagt
werden:
Substituenten mit einem +I- und/oder +M-Effekt erhöhen die Elektronendichte
im
System. Das
führt zu einer Aktivierung des Aromaten. Damit steigt die Reaktivität.
Aktivierend
+I-Effekt: Alle Alkylgruppen
+M > -I-Effekt: OH-Gruppe, 
Umgekehrt deaktivieren Substituenten mit einem -I- und/oder einem -M-Effekt
den Aromaten durch Erniedrigung der Elektronendichte im
System.
Die Reaktivität sinkt.
Deaktivierend
-I > +M-Effekt: Halogene
-I, -M-Effekt: CHO- und COR-Gruppe, COOH-Gruppe, 