




Der russische Dichter ALEXANDER
SERGEJEWITSCH PUSCHKIN war der Neffe des Dichters WASSILIJ LWOWITSCH
PUSCHKIN (1770-1830). Er gilt als der größte Dichter Russlands.
Lebensgeschichte
ALEXANDER PUSCHKIN (Bild 1) entstammte dem alten Erbadel, er war mütterlicherseits
Urenkel HANNIBALs, des Mohren PETERS DES GROSSEN. PUSCHKIN war 1811-1817
Schüler des Lyzeums in Zarskoje Selo (heute Puschkin), danach im Staatsdienst.
Noch während der Lyzeumszeit gewann er Zutritt zu den Petersburger literarischen
Salons und Gesellschaften ("Arsamas" "Seljonaja lampa").
Wegen satirischer und politischer Gedichte wurde er 1820 nach Jekaterinoslaw,
später nach Kischinjow und Odessa versetzt und 1824-1826 nach Michajlowskoje
(Gouvernement Pskow) auf das Gut seines Vaters verbannt. Danach lebte
er in Moskau und Sankt Petersburg, wo er der persönlichen Zensur Zar NIKOLAUS' I. unterstand. 1836 gründete er die Zeitschrift "Sowremennik"
(Zeitgenosse). Intrigen und Angriffe auf die Ehre seiner Frau NATALJA
GONTSCHAROWA (seit 1831) führten zu einem Duell mit dem französischen
Emigranten GEORGES D'ANTHÈS, an dessen Folgen er starb.
Literarisches Werk
PUSCHKIN gilt als der eigentliche Schöpfer der russischen Literatursprache.
Er ließ sich von den älteren Zeitgenossen W. A. SCHUKOWSKIJ, P. A. KATENIN,
K. N. BATJUSCHKOW anregen und war vertraut mit den literarischen Konventionen
seiner Zeit, die er, anfangs mit Zitaten, Anspielungen, Titeln und Paraphrasen
spielend, als solche dem Leser vor Augen führte, bis er allmählich zur
Parodie und Kontrastierung verschiedener Konventionen überging. Der formale
Aspekt erhält dabei eine tiefere Bedeutung, indem die Überschneidungen
zwischen
zugleich die Diskussion verschiedener Weltmodelle und ihrer Gebundenheit an literarische Klischees auslösten und dadurch nach den Beziehungen zwischen Ästhetik und Ethik, "Literatur" und "Leben" gefragt wurde.
Lyrik
Den Schwerpunkt des Werkes PUSCHKINs bildet die Lyrik, die
durch ihren Reichtum an Stilmitteln sowie klanglichen und rhythmischen
Formen bei gleichzeitiger Klarheit des Ausdrucks und Verhaltenheit des
Gefühls unübertroffenes Vorbild der russischen Poesie bleibt. Ihre Skala
reicht
Versdichtung
Eine wichtige Rolle spielen die Großformen der Versdichtung,
angefangen vom frühen heroisch-komischen Märchenepos "Ruslan i Ljudmila"
(1820; deutsch "Ruslan und Ludmilla") über die von Lord BYRON
beeinflussten "Südlichen Poeme" ("Kavkazskij plennik",
1822, deutsch "Der Gefangene im Kaukasus"; "Bachcisarajskij
fontan", 1824, deutsch "Der Springbrunnen von Bachtschisaraj";
"Cygani", 1824, deutsch "Die Zigeuner"), die historisch-heroischen
Verserzählungen ("Poltava", 1829, deutsch "Poltawa";
"Mednyj vsadnik", entstanden 1833, herausgegeben 1837, deutsch
"Der eherne Reiter") und ironischen Poeme ("Graf Nulin",
1825, deutsch; "Domik v Kolomne", 1833, deutsch "Das Häuschen
in Kolomna") bis zu seinem Hauptwerk, dem Versroman "Evgenij
Onegin" (1825-1832, vollständig herausgegeben 1833; deutsch
"Eugen Onegin").
Diese im Lauf von acht Jahren aus Szenen und Reflexionen gefügte Lebens-
und Liebesgeschichte der kritisch gesehenen byronistischen Titelfigur
spiegelt die Spannung zwischen Leben und Literatur wider; von W.G. BELINSKIJ
wurde er als ein treffendes Panorama der russischen Gesellschaft gesehen.
Als der erste große psychologisch-gesellschaftskritische Roman der russischen
Literatur vermittelte er vielfältige Impulse an spätere Autoren, u. a.
an MICHAIL J. LERMONTOW, IWAN S. TURGENJEW, LEO N. TOLSTOI.
Das dramatische Werk
Das dramatische Werk umfasst zum einen die an SHAKESPEARE orientierte historische Tragödie
im Blankvers "Boris
Godunov" (entstanden 1825, herausgegeben 1831; deutsch), die
sich jedoch in Fabel, Charakterdarstellung sowie der Kontrastierung von
Weltanschauungen dem historischen Roman annähert, zum anderen die kleinen
Versdramen "Kamennyj gost" (entstanden 1830, herausgegeben 1841;
deutsch "Der steinerne Gast") und "Mocart i Salieri"
(1831; deutsch "Mozart und Salieri"), die sich ebenfalls der
Prosa nähern.
Prosa
Nach 1830 verstärkte sich PUSCHKINs Interesse an der Prosa.
Dem unvollendeten Roman "Arap Petra Velikogo" (entstanden 1827,
herausgegeben 1837; deutsch "Der Mohr Peters des Großen") folgten
die "Povesti Belkina" (1831; deutsch "Erzählu te Schriften. ngen Belkins"),
die, wie die gesamte Novellistik PUSCHKINs ("Dubravskij", entstanden
1832/1833, herausgegeben 1841, deutsch "Dubrowsky", PDF 1; "Pikovaja
dama", 1834, deutsch "Pique Dame"), Motive
der romantischen Novelle mit volkstümlich stilisierter oder betont
sachlicher Erzählweise verbinden.
Die Zeit der Kosakenaufstände unter J. I. PUGATSCHOW behandelt PUSCHKIN
in "Istorija Pugaceva" (1834; deutsch "Geschichte des Pugatschew'schen
Aufruhrs"), einer historischen Analyse der Rebellion vor dem Hintergrund
sozialer, politischer und wirtschaftlicher Unterdrückung, sowie in der
Erzählung "Kapitanskaja docka" (1836; deutsch "Die Hauptmannstochter"),
die er ebenfalls zu einem historiografischen Kommentar über diese nationale
Krise nutzt.
1940 spielte HEINRICH GEORGE, Vater des Schauspielers GÖTZ GEORGE, eine Hauptrolle in der Literaturverfilmung "Der Postmeister" (PDF 2). Dies wurde einer seiner größten Publikumserfolge und auch filmschauspielerischen Leistung.
Namhafte Komponisten vertonten PUSCHKINs Werke. Die bekanntesten sind:
Werke
PUSCHKINs Hauptwerke sind:
