



Epochen der englischen Literatur
Die Geschichte der englischen Literatur lässt sich, der Sprachentwicklung entsprechend, in drei Hauptepochen einteilen:
| ca. 450–1066 | ca. 1066–1500 |
ab ca. 1500 |
Entstehung der englischen Sprache aus den Dialekten der Angeln, Sachsen und Jüten |
Verschmelzung französisch- |
Vereinfachung des Englischen, sich seiner heutigen Form annähernd |
Altenglische Literatur |
Mittelenglische Literatur |
Literatur der Neuzeit |
Die mittelenglische Epoche (1066–1500)
Diese Epoche folgt auf die Eroberung Englands durch die Normannen im Jahr 1066. Durch den normannisch-französischen Einfluss gelangten Neuerungen wie der Reim und die höfische Literatur nach England. Höfische Literatur wurde in französischer Sprache und noch immer für den mündlichen Vortrag sowie in Versform geschaffen.
Ein beliebtes Thema der höfischen Erzählungen waren die Begebenheiten um den legendären Keltenkönig ARTUS, die auf historischen Ereignissen des 6. Jahrhunderts wurzeln. Das Leben des Keltenfürsten wurde fantasievoll ausgeschmückt. Einzelheiten wie
sind Bestandteile der Legendenbildung dieser Epoche. Dieser Sagen- bzw. Legendenkreis wurde seit dem 20. Jahrhundert in vielen Fantasy-Romanen aufgegriffen, u. a. im Roman „Nebel von Avalon“ von MARION ZIMMER BRADLEY.
Nach dem Vorbild der italienischen Novelle Decamerone von BOCCACCIO (1349–53) schuf GEOFFREY CHAUCER (Bild 3) die Canterbury Tales (1387–1400, PDF 1: englisch, PDF 2: deutsch) in Mittelenglisch. The Canterbury Tales besteht aus einer Rahmenhandlung, in die 23 in Versen erzählte Geschichten eingefügt sind. Die Rahmenhandlung stellt die Reise einer Pilgergruppe nach Canterbury dar. Um sich die Zeit der Reise zu verkürzen, haben die Pilger vereinbart herauszufinden, wer von ihnen die interessanteste Geschichte erzählen kann. Da die Pilger Vertreter typischer Berufe und gesellschaftlicher Schichten des englischen Mittelalters sind (u. a. merchant, a ploughman, a weaver, a dyer, a friar, a squire), erhält der Leser der Canterbury Tales Einblick in gesellschaftliche Zustände des ausgehenden Mittelalters in England.
CHAUCERs Novelle blieb unvollendet; nur 23 der 29 Erzähler kommen zu Wort.
