Ein markantes Beispiel
für symbolistische Prosa ist HUGO VON HOFMANNSTHALs "Brief des
Lord Chandos" (1900). Dieser fiktive Brief des Lord Chandos an den
Philosophen und Naturwissenschaftler Francis Bacon verbalisiert die Krise
des Denkens und der Welthaltung insgesamt, deren sichtbarer Ausdruck die
Krise der Sprache ist. Die Sprache als ästhetisches und soziales Problem
geht einher mit der Abkehr von der Realität. Lord Chandos findet immer
weniger Zugang zum Kommunikationsprozess, zum sprachlichen Austausch zwischen
Menschen, vielmehr fühlt er sich zu Außersprachlichem, zum Unterbewusstsein
der Dinge hingezogen. "Sehr tief gefasste Symbole
sind Realitäten", meinte HOFMANNSTHAL. HOFMANNSTHAL drückt
im "Brief des Lord Chandos" zum ersten Mal die für die moderne
Literatur charakteristische Sprachskepsis aus - ein Thema, das auch
seine späteren Werke bestimmt.
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