Der Schriftsteller, Pädagoge und "begeisterte Landschaftsmaler"
(mehr als 160 Zeichnungen, Aquarelle und Ölbilder stammen aus seiner Hand)
ADALBERT STIFTER (1805-1868) veröffentlichte seine Erzählungen
"Bunte Steine" 1853. Benannt sind diese sechs Geschichten nach
Gesteinsvorkommen in seiner Heimat Oberösterreich. Außer der Erzählung
"Katzensilber" waren sie alle bereits in Zeitschriften abgedruckt
worden. "Kalkstein", z. B., erschien 1848 unter dem Titel "Der
arme Wohltäter", "Granit" 1849 als "Die Pechbrenner"
und "Turmalin" 1852 unter dem Titel "Der Pförtner im Herrenhause".
STIFTER gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Autoren
des 19. Jahrhunderts. Unumstritten ist er jedoch der bedeutendste Biedermeierautor
Österreichs. In unnachahmlicher Detailtreue und Ausdrucksgabe schilderte
er Menschen, Landschaft und Natur. Seine Figuren "sollen
nur durch das wirken, was sie sind ...", bemerkte der Autor
in der Vorrede zu seiner Sammlung. Er bevorzugte den mittleren
Helden: "Großes oder Kleines zu bilden,
hatte ich bei meinen Schriften überhaupt nie im Sinne ..."
THOMAS MANN sagte über den Verfasser der "Bunten Steine":
"Stifter ist einer der merkwürdigsten, heimlich
kühnsten und wunderlich packendsten Erzähler der Weltliteratur".
Der Erzählband war ursprünglich als Kinderbuch geplant. Die Erzählung
"Bergkristall" geht auf eine Begegnung des Autors mit zwei Kindern
in Hallstatt zurück, die beim Erdbeerensammeln von einem Unwetter
überrascht worden waren und unter einem Felsen Schutz gesucht hatten.
Er komponierte daraus eine Weihnachtsgeschichte (1845: "Der heilige
Abend"), der einen glücklichen Ausgang schenkte: Die Kinder
werden zwar von den Gewalten der Natur geprüft, können aber
gerettet werden .