











In einer Zeit der Inquisitionsprozesse und Hexenverbrennungen (1) und offensichtlich in moralisierender Absicht geschrieben; tritt das Sujet vom Teufelsbündnis explizit in die Literatur ein. Träger dieses Sujets ist die Faust-Figur.
(1) Die Hexenverfolgung von ca. 1450–1792 forderte europaweit Millionen von Opfern. Der Höhepunkt des Hexenwahns lag zwischen 1625 und 1630. Während dieser 5 Jahre wurde fast ein 20stel der europäischen Bevölkerung auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.
Bei JOHANN SPIES erschien 1587 das Volksbuch
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"Historia von D. Johann Fausten/dem weitbeschreyten Zauberer vnnd Schwartzkuenstler Wie er sich gegen dem Teuffel auff eine be= nandte zeit verschrieben / Was er hier zwischen fuer seltzsame Abendtheuwer gesehen selbsangerichtet vnd getrieben biß er endtlich seinen wol verdienten Lohn empfangen. Mehrertheils auß seinen eygenen hinderlassenen Schrifften allen hochtragenden fuerwitzigen vnd Gottlosen Menschen zum schreckiichen Beyspiel abschewlichen Exempel und treuwhertziger Warnung zusammen gezogen und in den Druck verfertiget". |
Das historische
Vorbild des Dr. Faust
Niemand weiß heute genau, wer hinter der Person
des Dr. Faust steckt. Die einen vermuten, es sei der Magister GEORGUIUS SABELLICUS, FAUSTUS junior» (so auf einer Visitenkarte von 1506) gewesen.
Die Stadt Knittlingen beansprucht für sich, Geburtsort FAUSTs zu
sein. Hier soll um 1480 Dr. JOHANN FAUST(in Wirklichkeit wahrscheinlich
GEORG FAUST) geboren worden sein. Er soll, so die Stadtväter, seit
1506 mit Zauberkunststücken und als Horoskopersteller aufgetreten, 1507
Schulmeister in Kreuznach gewesen,1513 in Erfurt,1528 Ingolstadt und 1532
Nürnberg erschienen sein. Überall soll man ihn aber nach kurzem Verweilen
ausgewiesen haben. Faust soll zwischen 1536 und 1539 in Staufen im Breisgau
gestorben sein. Dritte behaupten, beim Faust habe es sich um den historisch
belegten GEORG VON HELMSTADT, auch Helmstetter genannt, gehandelt. Der
soll 1466/67 in der Nähe von Heidelberg geboren sein. 1483 habe er sich
an der Universität in Heidelberg immatrikuliert, habe 1484 das Bakkalaureat
abgelegt und 1487 zum Dr. phil. promoviert. Ein Aufenthalt sei im Mai
1506 in Gelnhausen belegt. Faust sei Protégé des Ritters FRANZ VON SICKINGEN
gewesen und als Lehrer in Kreuznach eingesetzt, 1534 habe er eine astrologische
Prognose für PHILIPP VON HUTTEN (für eine Expedition nach Südamerika)
gegeben. Er sei 1539 nach Angabe von PHILIPP BEGARDI nicht mehr am Leben
gewesen. 1562 gab JOHANN MANLIUS, Schüler MELANCHTHONs,
eine Sammlung von Anekdoten heraus. Diese enthielt die Aussage, Johannes
Faustus sei in Kundlingen geboren, habe in Krakau studiert und sei in
Württemberg durch den Teufel umgekommen. Im Faustbuch wird behauptet,
Johann Faustus sei als Sohn gottesfürchtiger Eltern in Roda bei Weimar
geboren worden. Er habe sich im Selbststudium sein Wissen beigebracht,
dann in Wittenberg Theologie studiert, sei dann nach Krakau gegangen,
um sich der Magie zu widmen. Dann habe er sich auf eine große Reise
begangen, um daraufhin nach Wittenberg zurückzukehren. Er hätte
die Gestalt Helenas erscheinen lassen, sich in sie verliebt und geheiratet.
Nachdem sein Pakt mit dem Teufel abgelaufen sei, habe sich Helena samt
ihres Sohnes Jusus Fausten in Luft aufgelöst.
Volksbuch und Luthertum
Das "Volksbuch vom Dr. Faustus" (PDF 1) ist ganz
im Geist des Luthertums geschrieben: Die Reformation predigte den mündigen Christen, der
für sein Schicksal selbst verantwortlich ist. Einen Ablass für
begangene Sünden hatte LUTHER in seinen 95 Thesen strikt abgelehnt
("Von der Freyheit eyniß Christen menschen", 1520). Vorbildfiguren
für christliches Leben ganz im Zeichen des Luthertums bzw. Figuren,
die vor den Gefahren der irdischen Versuchung warnten, waren ganz im Sinne
des Zeitgeistes. Man nahm sich des Johann (bzw. Georg) Faust an. Der real
existente, zeitgenössische Faust war nach übereinstimmenden
Quellen wohl Astrologe, Zauberer, er erstellte Horoskope und behauptete,
er könne die Wunder Christis wiederholen. Diese Figur, die im Volksglauben
noch ein "positiver Held" war und zum Rebellen avancierte, wird
im Volksbuch von SPIES als abscheuliches Exempel vorgeführt und endet
mit schrecklicher Höllenfahrt als Strafe für das Teufelsbündnis
und die Abkehrung von der Kirche. In diesem Sinne ist Faust auch eine
Gegenfigur zu MARTIN LUTHER, da er nicht an Gottes Barmherzigkeit und
Gnade glaubte.
Wie alle Volksbücher in jener Zeit erhält der "Dr. Faustus"
eine Rahmenhandlung, in
die hinein austauschbare Fabeln gesetzt werden. Reales Geschehen wird
mit Fiktivem gemischt, so entsteht Unterhaltsames, Lehrhaftes und Gemahnendes.
Und in letzterem Sinn gehört das Faustbuch auch ideologisch in die
Zeit des Humanismus.
Faust zwischen Mittelalter und Renaissance
Faust ist eine Figur, die ideengeschichtlich zwischen
Mittelalter und Renaissance angelegt ist. Auch im Volksbuch ist er
nicht die rein negative Figur des Schurken. Er wird durchaus als Mensch
gezeigt:
| Mittelalter | Renaissance |
"positiver Held" |
"negativer Held" |
Rezeptionsgeschichte des Faustmotivs
Die Rezeptionsgeschichte
des Faustmotivs beginnt schon vor der Veröffentlichung des Faustbuches:
die berühmtesten.
Jedoch auch in nachklassischer Zeit wurde der Stoff immer wieder zitiert,
u. a. von
THOMAS MANNs „Doktor Faustus“ ist die wohl bedeutendste Bearbeitung des Faust-Motivs im 20. Jahrhundert.
In jüngerer Zeit gab es Adaptionen des Faust-Stoffes:
Musikadaptionen
Musikadaptionen stammen
u. a. von
