

Deutschlands Teilung
Auf der Konferenz
von Potsdam legte man die wirtschaftliche
Einheit Deutschlands fest, die in den vier Besatzungszonen
überwacht werden sollte,
Hauptaufgaben
waren:
Maßnahmen
der Sowjetunion:
Sie folgte
damit sehr radikal dem Potsdamer Abkommen, wonach die Industriekapazität
der deutschen Wirtschaft planmäßig verringert werden sollte.
Bis
Ende 1946 wurden über 1000 Betriebe, der chemischen, optischen und vor allem
der Eisenindustrie, des Maschinenbaus und der Energieerzeugung demontiert.
Auch
in der französischen Besatzungszone wurde die Demontage von Fabriken der
Schwerindustrie sehr exzessiv betrieben.
Der amerikanische Militärgouverneur LUCIUS D. CLAY stellte anlässlich der letzten gemeinsamen Sitzung des Alliierten Kontrollrates 1948 fest:
"Als wir an jenem Tag den Konferenzsaal verließen, wußten wir, daß die Viermächte-Regierung zusammengebrochen war, und daß die Spaltung Deutschlands nun Wirklichkeit geworden war."
Am 1. Januar 1947 wurde die "Bizone"
geschaffen durch Zusammenlegung der britischen und amerikanischen Zone. Später
schloss sich Frankreich der Bizone an, das Territorium wurde "Trizone"
genannt.
Im April 1948 trat das "European
Recovery Program" (Marshall-Plan nach dem amerikanischen Außenminister
GEORGE C. MARSHALL) in Kraft. Das bedeutete, dass duch die Aufnahme von Krediten
in Westeuropa die Wirtschaft wieder aufgebaut werden konnte. Drei Milliarden Dollar
flossen bis 1952 allein in die Bundesrepublik.
In der Folge des Marshall-Planes
kam es 1948 zu einer Währungsreform
in den Westzonen. Die Ostzone behielt die alte Reichsmark bei. Westberlin wurde
in der Folge von den Westzonen abgeschnitten, am 24. Juni 1948 begann eine Blockade, der die Alliierten mit Hilfsflügen
sogenannter "Rosinenbomber" zu begegnen suchten.
Mit der Gründung
der Bundesrepublik Deutschland am 28. September 1949 in den Westzonen und der
Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 in der
SBZ gingen die beiden Teile Deutschlands getrennte staatliche Wege.
| Die deutsche Teilung war zuerst eine politische und dann eine organisatorische. Am 01.01.1947 war durch Zusammenlegung der Zonen Großbritanniens und der USA die Bi-Zone geschaffen worden. Am 01.06.1948 trat Frankreich dieser Zone bei. In dieser Tri-Zone wurde die Währungsunion beschlossen. Mit der Währungsreform wurde das "Wirtschaftswunder" eingeläutet. In Ost und West entwickelten sich getrennte Verteilungssysteme, Verlage und Organisationen der Autoren. |
Bundeskanzler KONRAD ADENAUER bevorzugte den Anschluss der BRD an die "westliche Kulturnation" und den Prozess der europäischen Integration. Die scharfe Ablehnung der Entwicklung im Osten wirkte nicht nur auf ostdeutsche Intellektuelle abstoßend. Die von der SED proklamierten Feindbilder waren keineswegs maßvoller, sie erschienen insofern anziehender, weil sie weiter an die Vorstellungen von einer staatlichen Einheit anknüpften. In dem Maße, wie man im Osten an dem Gedanken eines einheitlichen Deutschlands festhielt, konnte die These von der westdeutschen Alleinvertretung nicht akzeptiert werden. Den Anspruch auf Alleinvertretung hatte ADENAUER bereits 1949 als Ziel der bundesdeutschen Politik formuliert:
"Die Bundesrepublik war und ist allein befugt, für das deutsche Volk zu sprechen."
Kontakte
zwischen Autoren (Ost) und Autoren (West)
Kulturelle
Kontakte zum anderen deutschen Staat waren der Durchsetzung dieses Zieles
nicht förderlich, ja sogar unerwünscht, sie standen unter dem Verdacht
der Spionagetätigkeit und Fernsteuerung. Organsationen wie das PEN-Zentrum
Ost und West wurden der Öffentlichkeit als Tarnorganisationen vorgestellt.
Veranstaltungen zwischen Kulturschaffenden in Ost- und Westdeutschland wurden
kritisch bewertet und auch unterbunden. Die ständigen Argumentationen gegen
den Osten blieben nicht ohne Wirkung. Westdeutsche Autoren reagierten zunehmend
zurückhaltender auf Einladungen an gesamtdeutschen Treffen oder resignierten,
da sie die "Boykotthetze" nicht mehr aushielten. FRANZ FÜHMANN
(1922-1984) notierte den Eindruck, dass alle den "stillen
Terror gegen alle Schriftsteller in Westdeutschland (bestätigen),
die sich zur Einheit der deutschen Literatur bekennen."
Viele DDR-Autoren identifizierten sich mit der Politik im Lande. Sie begrüßten die vom Staat verkündete Friedenspolitik und sahen ihre Arbeit als Teil der gesellschaftlichen Bewegung zum Sozialismus.
Auch die Äußerungen bekannter DDR-Politiker stellten die Weichen für die Kunst in Ostdeutschland. So forderte der Ministerpräsident OTTO GROTEWOHL am 31. August 1951 unverhohlen eine eindeutig politisch orientierte Kunst. Die künstlerische Qualität sei hingegen sekundär. Solche politische Funktionssetzung von Literatur stieß unter westdeutschen Kritikern auf erhebliche Skepsis. Autoren aus der DDR galten als "Zyniker, Resignierte, gutbelohnte Kreaturen". Man formulierte die Totalitarismusdoktrin: "totalitäre Systeme verlangen auch von der Kunst Eingliederung, Einordnung, Uniformierung". In diesem Sinne wurde der DDR vorgeworfen, sie sei ihrem Charakter nach ein faschistischer oder profaschistischer Staat und ihre Literatur sei doktrinär und affirmativ (= bejahend, zustimmend).
Die
Vorwürfe waren nicht unbegründet: Das SED-Zentralkomitee beschloss auf
seiner 5. Tagung vom 15.-17. März 1951 den "Kampf
gegen den Formalismus in Kunst und Literatur, für eine fortschrittliche deutsche
Kultur".
Damit wurde deutlich, dass es neben ideologischen Divergenzen
auch rein formale gab: Es begann ein "kalter Krieg" des "Sozialistischen
Realismus" gegen die "Avantgarde" (aber auch umgekehrt). Am 1.
September 1951 schuf Ost-Berlin zudem mit dem "Amt für Literatur und
Verlagswesen" eine Zensurbehörde,
die
Die Vorwürfe waren gegenseitig, auch wenn sie jeweils etwas anders begründet waren. Die DDR begründete ihre Anwürfe vor allem mit Verweisen auf veröffentlichte Autoren wie
Aktivitäten
einer Annäherung der Autoren Ost und West
In den Jahren 1950 bis
1952 fanden eine Reihe von Aktivitäten statt, die eine Annäherung
der Autoren Ost und West erreichen sollten. Sie gingen zunächst von einzelnen
Autoren aus, liefen schließlich über den PEN und wurden dann zunehmend
vom Deutschen Schriftstellerverband (DSV) geplant.
Deutscher Schriftstellerverband (DSV) nannte sich die 1950 in Berlin (Ost) gegründete Vereinigung ostdeutscher Autoren.1973 wurde der DSV in Schriftstellerverband der DDR umbenannt.
Aktivitäten waren u. a.:
Der DSV versuchte, persönliche Kontakte zwischen den Autoren Ost und West auszubauen, jedoch stellte man fest, dass dies nur begrenzte Wirkungen zeigte. Der DSV ging deshalb zu einer gesamtdeutschen Arbeit auf institutioneller Ebene über:
Auf
dem III. Schriftstellerkongress vom 22.–25. Mai 1952 in der DDR spielte die gesamtdeutsche Arbeit eine herausragende
Rolle. Wichtige Reden beschäftigten sich mit den Unterschieden in Ost und
West. Sie nahmen für die DDR in Anspruch, bedeutende Traditionen der deutschen
Nationalliteratur zu beerben und fortzuführen. "Nur hier, bei uns",
bestünden "in Wirklichkeit" in "breite Schichten des Volkes
reichende Beziehungen zu unserem Erbe". Zentrale Reden hielten STEFAN HERMLIN
("Der Kampf um eine deutsche Nationalliteratur"), WILLI BREDEL ("Literatur
und Literaturkritik") und KUBA (d. i. Kurt Bartel, "Die Aufgaben des
Schriftstellerverbandes"):
Die Aufforderung zur Mitarbeit an einer Literaturzeitschrift sollte von BECHER, BRECHT und SEGHERS ausgehen und sich an HESSE, DÖBLIN, FEUCHTWANGER, TH. MANN, PENZOLDT, JAHNN und R. A. SCHRÖDER richten.
Auf der II.
Parteikonferenz der SED vom 9.-12. Juli 1952 wurde der Aufbau des Sozialismus
beschlossen und der sozialistische Realismus zur verbindlichen Kunstrichtung erklärt. Das künstlerische Schaffen der ostdeutschen Autoren
wurde zunehmend in den Dienst des Sozialismus gestellt. Die Vielfalt literarischen Schreibens wurde aufgegeben.