

Historisches Vorbild
THEODOR FONTANE schrieb seine tragische Ehebruchgeschichte "Effi
Briest" in Anlehnung an eine wahre
Begebenheit.
Es ist die Geschichte von ARMAND LEON BARON VON ARDENNE und seiner Frau
ELISABETH, einer geborenen FREIFRAU VON PLOTHO. Der Baron diente in Düsseldorf
als Husarenrittmeister. Zwischen einem Freund des Hauses, des Amtsrichters
HARTWICH, und ELSE (so Effi im Original) entspann sich eine Liaison, in
deren Ergebnis beide Geliebte sich von ihren jeweiligen Partnern zu trennen
beabsichtigten. Jedoch verschaffte sich VON ARDENNE die Liebesbriefe und
strebte mit solchen Beweismitteln die Scheidung an. Am 27. November 1887
fand ein Duell zwischen dem Rittmeister und HARTWICH statt, in dessen
Folge der Amtsrichter verstarb. Die Ehe zwischen ELSE und dem Baron wurde
am 15. März 1887 geschieden. ELSE durfte ihre Kinder nicht wiedersehen.
Sie wurde 99 Jahre alt und starb 1952. FRIEDRICH SPIELHAGEN (1829-1911)
griff das selbe Motiv in seinem Roman "Zum Zeitvertreib" (1897, PDF 2)
auf. Er hatte alledings nicht annähernd den Erfolg der "Effi
Briest".
Stoffliche Dimensionen der Geschichte
FONTANE begann 1888 mit dem Roman. Zwischen 1890 und 1894 datiert die
Niederschrift und 1895 erschien die erste Buchausgabe.
FONTANE hatte von "dem Fall" der ARDENNEs während einer
Tischgesellschaft erfahren und erkannte die riesigen Dimensionen
der Liebesgeschichte. In einem Brief an FRIEDRICH STEPHANY schrieb
er darüber:
"Die Details (solcher Skandalfälle) sind mir ganz gleichgültig – Liebesgeschichten, in ihrer schauderösen Ähnlichkeit, haben was Langweiliges –, aber der Gesellschaftszustand, das Sittenbildliche, das versteckt und gefährlich Politische, das diese Dinge haben …, das ist es, was mich so sehr daran interessiert."
An HANS HERTZ schrieb THEODOR FONTANE in einem Brief über die "Effi":
"Ja, die arme Effi! Vielleicht ist es mir so
gelungen, weil ich das ganze träumerisch und fast wie mit einem Psychographen
geschrieben habe. Sonst kann ich mich immer der Arbeit, ihrer Mühe, Sorgen
und Etappen erinnern - in diesem Falle gar nicht. Es ist wie von selbst
gekommen ohne rechte Überlegung und ohne alle Kritik. Meine Gönnerin L.
erzählte mir [...] die ganze "Effi Briest"-Geschichte, und als die Stelle kam,
zweites Kapitel, wo die spielenden Mädchen durchs Weinlaub in den Saal
hineinrufen: "Effi, komm", stand mir fest "Das mußt du schreiben."
(Theodor Fontane: Briefe an seine Freunde. Band 2. Berlin: F. Fontane Co., 1910. S. 341)
Zwar ähneln sich Passagen der wirklichen Geschichte mit denen des
Romans (das Auffinden der Liebesbriefe, das Duell), doch kommt es FONTANE
nicht auf die direkte Wiederspiegelung des realen Vorfalls an. Wenn er
Instetten älter macht, verweist er auf die altersmäßige
Kluft zwischen den Eheleuten:
Während der Altersunterschied der historischen Personen nur wenige
Jahre beträgt, ELISABETH ist zum Zeitpunkt der Heirat 18 Jahre und
ARDENNE 23 Jahre alt, ist der Altersunterschied bei FONTANE deutlich größer:
Effi ist 17 Jahre und Instetten 42 Jahre alt.
Dieser Konflikt ist zwar generell
lösbar, doch gehört Instetten einer Generation an, die anderen
Moralvorstellungen folgt. Und gegen die adelige Moral hat Effi
mit ihrer Liebe zu Crampas verstoßen. Da spielt es keine Rolle,
welche zeitliche Distanz dazwischen liegt. Instetten muss seine Ehre wiederherstellen.
Und genau das verweist auf die politische Dimension des Romans.
Die tragischen Elemente werden aus dem Unglück
Effis gespeist: Aus dieser Heirat, die eine Vernunftheirat ist, aus
der Liaison mit Crampas, aus der Trennung von ihren KIndern, schließlich
speist sich die größte Tragik aus ihrem Tod. Auch hier folgt
FONTANE nicht der wirklichen Geschichte. Der Stoff benötigt den tragischen
Ausgang, um literarisch zu sein.
Inhaltsangabe
Inhalt: Nach einer unbeschwerten
Kindheit auf dem Gut der Eltern heiratet die kindliche Effi auf Wunsch der
Eltern hin den einundzwanzig Jahre älteren Baron Geert von Instetten, der
ein früherer Verehrer der Mutter war. Sie zieht mit ihm ins hinterpommersche
Kessin und freut sich auf ein Leben in der Gesellschaft. Dort lebt sie in
dem Landratshaus, das ihr unheimlich ist, weil ihm eine alte Spukgeschichte
anhaftet, ein ereignisloses Leben. Da tritt Major Crampas in ihr Leben ein.
Diese Begegnung beeinflusst ihr Leben und das Instettens nachhaltig. Crampas
ist zu dieser Zeit einundvierzig Jahre alt, er hat sehr laxe Moralauffassungen,
vor denen Effi gewarnt wird. Sie wehrt sich gegen ihre Gefühle, dennoch
kommt es zu einer Liebesbeziehung zwischen beiden. Als Instetten zum Ministerialrat
ernannt wird und ein Umzug nach Berlin notwendig wird, trennen sich Effi
und Crampas. Sieben Jahre später findet Instetten Liebesbriefe seines Freundes
Crampas an Effi, als diese zur Kur in Bad Ems weilt. Es kommt zum Duell
zwischen den beiden alten Freunden, wobei Crampas getötet wird. Die Ehe
mit Effi wird geschieden, Effi lebt allein in einer Berliner Wohnung. Ihr
Kind darf sie nicht sehen.
Der Roman liegt in PDF 1 vor.
